Ave liebes Forum,
ich möchte gerne eine unserer letzten Basteleien mit euch teilen: Bundschuhe nach der Vorlage von Ferwerd. Vielleicht kann hilft die Vorgehensweise ja jemandem, der ebenfalls gerne Bundschuhe anfertigen möchte oder euch fällt noch der ein oder andere Punkt auf, der besser gemacht werden könnte.
Man kennt die gängigen Bundschuh Varianten nach Marx-Etzel, Damendorf und Obenaltendorf. Bei uns Alamannen ist außerdem der Schuh aus Oberflacht recht verbreitet. Für das 5. Jh. passt allerdings keiner der Bundschuh-”Stars” so recht. Ludwig und ich haben uns daher an dem uns bis dahin unbekannten Schuh nach Ferwerd versucht. Unsere Grundlage war das Buch “Archaeological Footwear: Development of Shoe Patterns and Styles from Prehistory Till the 1600’s” von Marquita Volken, die diese Variante ins 5. Jh. verordnet.
Zuerst haben wir unsere Füße vermessen und auf einen Karton übertragen. Anschließend wurde das ganze auf einen Rest PVC Bodenbelag übertragen und am Fuß noch etwas angepasst und nachgebessert. Der PVC hat sich dazu ganz gut geeignet, da er einfach zu schneiden ist aber auch etwas widerstandsfähiger und flexibler als Karton. Nachdem wir zufrieden waren haben wir das Schnittmuster nochmal auf Karton übertragen. Fertig ausgeschnitten sieht das ganze dann so aus:
Die Fransen vorn haben wir erst mal noch länger gelassen, da sie nachträglich einfach gekürzt werden können.
Bei der Fersennaht haben wir uns aufgrund des Tragekomforts für eine Stoßnaht entschieden, wie es auch Julia Gräf in “Lederfunde der Vorrömischen Eisenzeit und Römischen Kaiserzeit aus Nordwestdeutschland” schreibt. Wir haben unsere Nähte so ausgeführt, dass das Leder an der Sohle etwas gestaucht wurde, wodurch die Naht etwas nach oben rutscht. Wir haben also die Stiche auf der Unterseite etwas breiter angesetzt als die auf der Oberseite. Damit haben wir die Naht später nicht genau dort wo der Fersen abrollt und der Schuh hält länger. Außerdem kann Feuchtigkeit vom Boden nicht ganz so leicht eindringen. Man kann es in folgendem Bild erkennen, wenn man genau hinsieht:
Frau Gräf schreibt außerdem, dass als Nähmaterial “Leder- oder Fellbänder” am häufigsten nachgewiesen seien. Ich kann mir allerdings nicht vorstellen, eine solche Naht mit einem 1mm Lederband zu nähen und würde daher eher zu Rohhaut tendieren. Frau Gräf schreibt selbst, dass die Unterscheidung heute schwer sei, da nach der Sekundärgerbung im Boden einfach Alles als Leder geborgen wird. Anscheinend wurde am Schuh aus dem Ipweger Moor Sehne oder Darm nachgewiesen. Ich habe mich daher an einem Experiment versucht und meine Schuhe mit Hirschsehne genäht, was mehr oder weniger gut funktioniert hat.
Die fertige Naht sieht dann so aus:
Anschließend habe ich die Schlitze für das Band in den Fransen angebracht und am Fuß die Feinkorrektur vorgenommen und den ein oder andere Schlitz noch etwas verlängert, sodass der Lederriemen besser läuft und der Schuh besser sitzt. Schließlich konnte ich die Fransen in ihrer Länge so reduzieren, dass sie zu den schlitzen passen und kein unnötiges Leder übersteht.
Geölt, gefettet und mit eingezogenem Lederband sehen die fertigen Schuhe nun so aus:
Ludwig hat die Fersennaht an seinen Schuhen deutlich besser hin bekommen als ich, aber es war auch sicher nicht der letzte Schuh und es muss ja noch etwas Luft nach Oben bleiben 🙂
Hier noch eine Illustration, weshalb es Sinn macht, die Fersehnnaht nach oben zu verlagern:
Alle Bilder dieses Beitrags sind eigene Bilder von mir fotografiert
Salve Dagobert