Posts by Hendrik1975

    Michael von Windeke - Der Fokus liegt schon sehr stark auf der Antike und dem Militär.

    Klar, die Formen und Instrumente selbst sind die gleichen (geblieben). Und es sind etliche Tafeln und Abbildungen von antiken Arztgräbern und Funden drin, weswegen das Buch für mich sehr interessant ist.

    Aber ich sag' mal so - für 19,80 € kann man wenig falsch machen 😉

    Römischer Armring nach Fund in Augusta Rauricum


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    Material: Eisen

    Größe: 8 x 6 x 0,6 cm

    Region: Augusta Rauricum, Schweiz

    Zeit: römische Kaiserzeit

    Original: Fund aus Augst, ohne Inventarnummer

    Anspruch: fundnah / belegorientiert


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    Armringe finden sich in Augusta Rauricum in großer Zahl. In der Hauptsache sind sie aus Bronze gefertigt. Gold kommt als Material überhaupt nicht vor, selbst Silber und Eisen nur sehr vereinzelt. Beim Eisen wird jedoch eine deutlich höhere Häufigkeit als im Fundgut vermutet, und mit der schlechten Erhaltung von Eisen im Boden des Fundgebietes erklärt.


    Meinen Armreif habe ich aus einem einfachen 6mm Rundeisen hergestellt.

    Das Original hat einen D-förmigen Querschnitt, also habe ich das Rundeisen erst einmal der Länge nach abgefeilt.

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    Die Querrillen und die X-förmigen Muster sind ebenfalls gefeilt. Erst auf der Oberseite, um die Abstände zu markieren. Danach an jeder Markierung drum herum die Seiten.

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    Zum Biegen der Form habe ich das Metall bis zur Rotglut erhitzt. Geht zwar auch kalt, aber bei dieser Materialstärke muss man es sich ja nicht unnötig schwer machen 😉


    Zum Schluss habe ich noch alles gesäubert, die Kanten abgeschliffen und den Armring etwas poliert.


    Zeitaufwand: ungefähr zwei Stunden


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    Bildquelle Fundzeichnung: Emilie Riha, Der römische Schmuck aus Augst und Kaiseraugst

    Römisches Klappmesser nach Fund aus Gellep


    Größe: 10 cm

    Klingenlänge: 8 cm

    Material: Stahl und Eiche

    Region: Gellep (Krefeld)

    Zeit: ca. 1. - 3. Jh. n. Chr.

    Anspruch: fundnah / belegorientiert

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    Die Geschichte der Klappmesser reicht bis in die Antike zurück. Die ältesten bekannten Klappmesser stammen mindestens aus der frühen Eisenzeit. Ein Klappmesser mit einem Griff aus Knochen wurde beispielsweise am Fundort der Hallstatt-Kultur in Österreich entdeckt und wird auf etwa 600-500 v. Chr. datiert.

    Alle diese frühen Exemplare hatten noch keinen echten Verriegelungsmechanismus zur Arretierung der offenen Klinge. Diese wurde in der Regel lediglich durch einen strammen Sitz im Griff bzw. durch Einklemmen bei geöffneter Position fixiert.

    Aus der Römerzeit sind uns zahlreiche Exemplare erhalten, viele davon mit überaus detailliert gearbeiteten figürlichen Griffen aus Holz, Bein oder auch massiv gegossen.


    Die Vorlage für meine Rekonstruktion ist ein vergleichsweise sehr schlichter Fund aus dem Römerlager Gellep in Krefeld.

    Wie bei vielen anderen römischen Klappmessern ist auch hier der vordere Griffteil um die Achse herum mit einer Metallmanschette verstärkt.

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    Die Klingenform habe ich zunächst aus einem Flachstahl heraus gefeilt.

    Der Griff ist massiv aus Eichenholz geschnitzt mit einer langen Nut für die Klinge.

    Die achteckige Form wie beim Original schaut zwar dekorativ aus, machte aber das Anformen der Manschette ungleich komplizierter. Hier wäre ein einfacher runder Griff deutlich einfacher umzusetzen gewesen.

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    Der Stift ist aus einem Nagel gemacht, am Ende weich geglüht und vernietet.

    Das Muster am Griff hat diverse andere römische Griffschnitzereien zum Vorbild. Ob diese auch beim Original vorhanden waren lässt sich aufgrund des schlechten Erhaltungszustandes nicht sagen. Ich habe sie deswegen frei dazu interpretiert.

    Das Holz ist mit Eisenessig behandelt, wodurch die Eiche fast schwarz wird. Am Ende habe ich das Holz noch geölt und etwas poliert.


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    Zeitaufwand: gute vier Stunden


    Bildquelle Originalfund: https://upload.wikimedia.org/w…_Roman_Gellep_Germany.jpg

    Thoralf Hiltjuson - ein paar meiner kleinen Küchenmesser sind aus Baumarktstahl unbekannter Legierung und völlig ungehärtet (weil mit diesem Stahl eh nicht möglich).

    Da ziehe ich ab und an mal den Horl Rollschleifer dran vorbei, und gut ist. Zum Schnippeln reicht es problemlos aus.


    Wenn man sich bei den früheren Klingen mal die völlig verschliffene Form nach dem tausendsten Nachschärfen anschaut, dann war da vielfach auch nix gehärtet.


    Die heutigen Monostähle in top Qualität für kleines Geld werden völlig inflationär verwendet 😉

    Haben wir eigentlich zur capsa des Capsarius irgendwelche Funde oder nähere Angaben?


    'Capsa' habe ich bislang ansonsten nur im Zusammenhang mit den Transport von Schriftrollen gefunden, und da waren die capsas entsprechend lang, röhrenförmig und mit einem Deckel versehen.

    Der Capsarius - quasi der Notfallsanitäter in der Legion - soll seinen Namen von genau dieser capsa her haben, und in ihr Verbandzeug und medizinisches Equipment transportiert haben.


    Da ich bislang nichts genaues zu dieser capsa gefunden habe, stellen sich mir nun zwei Fragen.

    1. Macht eine Röhren-/Rollenform für diesen Einsatzzweck überhaupt wirklich Sinn?
      Eine eckige Tasche (wie sie z.B. für den Transport von Wachstafeln überliefert ist) hätte m.E. deutliche Vorteile. Und anders als bei Schriftrollen bedarf eine bunt gemischte Formenvielfalt des Inhalts ja nicht zwingend einer Rollenform.
    2. Ist es auch möglich, dass mit 'capsa' einfach nur allgemein das Transportbehältnis für Verbände & Co gemeint ist, ohne konkrete Formvorgabe?
      Gerade vor dem Hintergrund, dass die Legionäre einen guten Teil ihrer Ausrüstung selbst besorgen mussten, kann ich mir hier keinen echten vorgegebenen Standard vorstellen.
      Sondern eher, dass jeder Capsarius sich mit einer eigenen Lösung ausgestattet hat.

    Silvia - Du hast völlig Recht 🤦🏼‍♂️ Bei mir war gerade 'am Gürtel befestigen' gleichbedeutend mit 'am Gürtel herab hängend'.

    Klassischer Fall von Epochen-Betriebsblindheit.


    Schneidewind - Da hab ich vorhin wohl so richtig peinlich auf dem Schlauch gestanden 😁

    Ja na klar, der Gürtel sorgt ja für eine riesige Tasche rund um den kompletten Körper drum herum. Eigentlich sowas von logisch...

    Danke für die Aufklärung.

    In die tunika, unter die tunika, an die innenseite des schildes beim Maschieren, an die unterhose gebunden da gibt es viele möglichkeiten.

    Vielleicht habe ich gerade ein Brett vor dem Kopf oder bin einfach völlig phantasielos...


    In die Tunika - wohin denn da genau? Die Tunika hat doch keine Taschen, wo packe ich denn da einen Beutel hin? Unter der oberen Tunika ist die untere Tunika, aber auch die hat keine Taschen oder Aufhänger.

    Unter die Tunika - hier genau das gleiche. Wohin mit dem Lederbeutel? Wo wird der 'unter der Tunika' befestigt?

    da gibt es viele möglichkeiten - Welche denn? Mir fällt leider keine konkrete ein.

    an die unterhose gebunden - Wenn man den Quellen trauen darf, dann war da nicht viel Unterwäsche ;)

    Das Du die Binde dann quasi als Hosentasche nutzen kannst

    Wie sicher ist das Ganze denn? Bei einem üblichen 8-10cm breiten Beinwickel wäre die Tasche 4-5 cm tief. Das ist nicht wirklich viel.

    Und im Gegensatz zu einer heutigen Tasche ist die Vertiefung im Stoff seitlich nicht begrenzt. Dieser dann meine gesamten Habseligkeiten anzuvertrauen klingt nicht so verlockend. Schon gar nicht, wenn man sich dann noch bewegt, läuft, bückt...

    Hannyabo - Okay, wie stelle ich mir das praktisch vor? Den Beutel mit den Zugbändern ums Handgelenk geschlungen? Dann bammelt der entweder permanent rum, oder man muss ihn die ganze Zeit über in der Hand halten. Beides finde ich jetzt relativ unpraktisch.


    in den Gürtel, oder die Leibbinde stecken

    Meinst Du hinter den Gürtel? Wie wird der dann befestigt, damit er nicht raus rutscht und verloren geht?

    Gleiche Frage, wenn man ihn in die fascia ventralis steckt. Das ist ja im Grunde nur ein um den Bauch geschlungenes Stück Stoff unter dem Gürtel, ohne Taschen und ohne Sicherung. Wo genau schiebt man da den Beutel rein, damit er sicher ist?


    Silvia - Du hast Recht, diese Dinger sind durchaus reizvoll für eine Rekonstruktion ;)


    Schneidewind - Die Beutel an sich sind schon klar, mir stellte sich nur die Frage, wohin damit, wenn nicht am Gürtel hängend.

    Aus dem Frühmittelalter kenne ich die Methode, sich Kleinkram und Beutel an den Gürtel zu hängen. Ist schön praktisch und einfach skalierbar.


    Ein ähnliches Konzept habe ich für die Römer irgendwie nicht finden können.


    Deswegen die Frage - Wo und vor allem wie hat man beispielsweise sein Kleingeld unterwegs mitgenommen? Klar, in einem kleinen Lederbeutel, dafür gibt's ja auch Funde. Aber wo am Körper befand sich dieser Beutel?


    Größere Umhängetaschen gab es zwar auch, aber man hat doch nicht immer so ein Riesending mitgeschleppt, wenn man eigentlich nur mit ein wenig Kleingeld unterwegs war.