Beiträge von Hendrik1975

    Thomas von der Hube Die Münzen stammen aus der Phase, wo ich exzessiv mit der Ätztechnik rum gespielt habe.

    Da hatte ich Fibeln geätzt, Gürtelschnallen, Beschläge - einfach alles, was ein Muster hat.
    Die Münzen waren dazu einfach ein passendes Experiment.

    Würde ich heutzutage aber nie wieder machen. Der zeitliche Aufwand ist einfach viel zu hoch.

    Jede Grafik muss auf dem Laserdrucker auf beschichtetem Papier gedruckt werden, dann ausgeschnitten, die Ronde poliert und fettfrei gemacht werden, das Motiv aufgelegt, mit einer Mischung aus Spiritus und Aceton vorsichtig transferiert werden, wobei das Papier nicht verrutschen darf, sonst sind die nur 0,5mm großen Punkte des Motivs verschmiert, trocknen lassen, die Ronde mit dem Papier in heißes Seifenwasser legen, einweichen lassen, das Papier vosichtig abrubbeln, ohne die Tonerschicht auf dem Metall zu beschädigen, die Rückseite und die Seiten der Ronde abkleben, damit da nichts versehentlich geätzt wird, das Ganze dann in Eisen-III-Chlorid, was für eine optimale Wirkung schön heiß sein muss, regelmäßig schwenken, damit die Ätzung schön sauber wird.

    Das Ganze klappt sauber in einem von drei Fällen, der Rest ist Ausschuss, und das Spiel beginnt von vorne.

    Wenn eine Seite fertig ist, das ganze Spielchen für die Rückseite nochmal neu, natrülich in der Hoffnung, dass hierbei kein Fehler entsteht, weil sonst die ganze Münze für die Tonne ist.

    Am Ende jede Münze noch per Hand nachbearbeiten.

    Im Keller liegen momentan ein paar dicke Rundeisen, härtbarer Stahl, schon auf 5cm abgelängt.
    Da ist geplant, die Muster direkt in den Stahl zu ätzen und anschließend zu härten, das werden dann Stempel zum Münzen schlagen.
    Ist erheblich effizienter 😁

    Während des Mylau-Treffens hatte ich mich mit Ewaldt von Amulunc kurz über meine Birka-Münzen unterhalten.

    Wo ich sie vor etlichen Jahren gefertigt habe, hatte ich sehr ausgiebig dazu recherchiert, und zu jeder Münze gibt es eine kleine Geschichte. Umso mehr hat es mich tierisch gewurmt, dass ich fast gar nichts mehr zu den Münzen erzählen konnte.

    Deswegen hier nochmal die komplette Story von damals.

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    Münzen nach Birka-Funden

    Anspruch: fundnah / belegorientiert

    Die meisten denken beim Begriff ‘wikingerzeitliche Münzen’ vermutlich an die Unmengen von arabischen Silbermünzen, die sich nahezu an jedem Ort und in jedem Hortfund wiederfinden. Von diesen wurden auch in Birka zahlreiche Exemplare gefunden.

    Jedoch existieren in den Gräbern noch einige andere Münzen mit interessanter Geschichte, die leider ein kleines Schattendasein fristen. Ein paar davon habe ich versucht zu reproduzieren.

    Hierzu habe ich nach gut erhaltenen Exemplaren bzw. deren Abbildungen gesucht, und deren Vorder- und Rückseite am PC als Vektorgrafik nachgezeichnet. Diese wurden maßstabsgerecht verkleinert und am Laserdrucker ausgedruckt. Den Toner habe ich mit Hilfe von Aceton und Spiritus auf Neusilber- und Bronzeronden übertragen, und diese dann gut eine Stunde lang in Eisen-III-Chlorid geätzt. Danach wurde jede Münze per Hand in Form gefeilt, fein geschliffen, und anschließend poliert.

    1. Beginnen möchte ich mit zwei Exemplaren der sog. ‘Styca’, einer Kupfer-/Bronzemünze aus Northumbria, gefunden in Grab Bj. 29 und Bj. 176.

      Die Styca wurde von Aethelred II, König von Northumbria, in Auftrag gegeben. Die Zeit seiner Regentschaft ist mit Unsicherheit behaftet, und wird (mit kurzer Unterbrechung) auf 840/41 oder 854 bis ca. 848/49 oder 862 datiert. Sein Münzmeister Leothegn legte bei der Münzgestaltung eine erstaunliche Kreativität an den Tag. Aus diesem Grund existieren von seinen Stycas diverse Varianten, von denen zwei in den Birka-Gräbern auftauchten.

      Diese Tatsache ist umso bemerkenswerter, da es sich nicht um zufällige Streufunde handelt, sondern um gezielte Grabbeigaben. Denn Kupfermünzen haben - anders als ihre Pendants aus Silber - keinen nennenswerten Materialwert und sind außerhalb ihres Ursprungsgebietes faktisch wertlos.

      So fand sich die Styca aus Bj. 176 sogar in einem Beutel neben dem Leichnam und wird deswegen vermutlich einen speziellen ideellen Wert für den Verstorbenen besessen haben. Über die Hintergründe (Erinnerung an einen Beutezug / erfolgreiche Handelsbeziehung ?) lässt sich nur spekulieren.

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    2. St. Peter-Münze aus dem Erzbistum York, Silber, Grab Bj. 963, datiert auf 921 - 927

      Auf der Vorderseite ein liegendes Schwert, darüber und darunter die Buchstaben “SCIPE & TRMO”, die für SCI = Sancti, PETR = Petri, und MO = Moneta stehen, übersetzt ‘das Geld von Sankt Peter’, dem Schutzheiligen der Kathedrale von York. In der Symbolik wird hier das Schwert des St. Peter mit dem Thorshammer zusammen abgebildet - ein Hinweis darauf, dass diese Münze von den wikingerzeitlichen Siedlern in York geschlagen wurde.

      Die Rückseite trägt die Inschrift ‘EBORACE CIV’, den alten römischen Namen der Stadt York. In dieser Zeit trugen Münzen oftmals den Namen des Münzmeisters - hier wurde stattdessen die Münzstätte genannt.

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    3. ‘St. Peter-Penny’ aus York, Silber, Grab Bj. 967, datiert auf 910 - 920

      Der ‘St. Peter-Penny’ wird als die ‘schwertlose’ Variante der St.-Peter-Münzen bezeichnet. Anders als beim vorherigen Exemplar fehlen hier Schwert und Hammer, stattdessen findet sich das Symbol von ‘St. Peters Schlüssel zum Himmel’ und ein Kreuz. Der einzeilige Schriftzug “SCIPET R” trägt ein sehr stilisiertes ‘S’, das ‘R’ befindet sich in der Zeile darunter am Rand.

      Die Rückseite ist mit ‘EBORACEC’ versehen, die noch weiter verkürzte lateinische Bezeichnung der Stadt York.

      Diese Ausführung der St. Peter Münzen gehört zu den seltensten Exemplaren und taucht in diversen Münzkatalogen erst gar nicht auf. Außerhalb von York sind nur drei weitere Stücke bekannt - eines davon der Fund in Birka.

      Von diesem war es mir bei der Online-Recherche nicht möglich, ein zweites identisches Fundstück als Abbildung ausfindig zu machen, so dass sich hier meine Rekonstruktion (der sehr fragmentierten Überreste) teilweise auf Vermutungen und Parallelen zu den beiden anderen Vergleichsfunde stützt.

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    4. Silbermünze von Edward dem Älteren, Grab Bj. 967, datiert auf 899 - 924

      Die Vorderseite trägt die Buchstaben “EADVVEARD REX” (= König Edward), die Rückseite “DEORY VALDMO”, hier wieder der Name des Münzmeisters, ‘Deoryvald MO(netarius)’.

      Interessanterweise wird dieser jedoch in “Numismata Anglo-Saxonica et Anglo-Danica breviter illustrata“ von 1703 erst als 16. Münzmeister unter Edwards Sohn Aethelstan aufgeführt.

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    5. Miliaresion von Michael III aus Byzanz, Silber, Grab Bj. 632, datiert auf 842 - 867

      ‘Miliaresion’ ist der Name einiger byzantinischer Silbermünzen, geprägt zwischen dem 8. und 11. Jh.

      Anfangs scheint es sich bei ihnen ausschließlich um Zeremonienmünzen gehandelt zu haben, und erst ab der Regierungszeit von Kaiser Theophilos wurde daraus ein reguläres Zahlungsmittel. Inspiriert vom islamischen Dirham zeigen sie keine menschlichen Darstellungen, sondern tragen Namen und Titel des Kaisers auf der Rückseite sowie ein Kreuz auf Stufen auf der Vorderseite.

      Die Beschriftung lautet “Michael Pistos Megas Basileus Romaion”. Somit kann die Münze einwandfrei - abweichend zur Datierung in ‘Birka I’, wo sie als Münze des Kaisers Theophilus beschrieben und datiert wird - dessen Sohn Michael III zugeordnet werden.

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    6. Denar von Ludwig dem Frommen, Silber, Grab Bj. 963, datiert auf 822 - 840

      Zuletzt noch eine weit verbreitete karolingische Münze. Beschriftet mit ‘HLUDOVVICUSIMP’ (Kaiser Ludwig) auf der Vorderseite, und rückseitig mit “XPISTIANA RELIGIO” (christliche Religion).

      Im Gegensatz zu den 'Portrait-Denaren', die ein stilisiertes Antlitz des Herrschers zeigen, verzichtet Ludwig darauf und wählt stattdessen christliche Symbole, das Kreuz auf der Vorderseite, einen Tempel auf der Rückseite.

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    Zeitaufwand: Das Nachzeichnen von Vorder- und Rückseite einer Münze als Vektorgrafik mit allen Details war ziemlich zeitaufwendig und hat jeweils ca. 4-6 Stunden in Anspruch genommen.

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    Ausdrucken, Übertragen auf die Ronden sowie Ätzen ist wegen der teilweise sehr filigranen Strukturen ein Geduldsspiel und wenig fehlertolerant. Pro Charge rund weitere 2 Stunden.

    Jede Münze ist per Hand in Form gefeilt, nachgebessert, geschliffen und poliert - nochmals je eine Stunde.

    Fazit: zur Massenproduktion definitiv nicht geeignet :winking_face:

    Abschlussbemerkung: Ich bin kein Numismatiker. Alle Rekonstruktionen habe ich anhand der mir zur Verfügung stehenden Bilder und Texte nach bestem Wissen erstellt. Aufgrund der Tatsache, dass die damaligen Münzstempel einzeln und in Handarbeit gefertigt wurden, ergeben sich mit jedem Stempel individuelle Abweichungen in Schriftbild, Texten und Symbolik. Von dieser Vielfalt an Münzen ist nur ein Teil in Bild und Text einzeln dokumentiert, wobei sich selbst hier Abweichungen und Widersprüchlichkeiten gezeigt haben. Die verbliebenen Lücken in den Informationen habe ich im Rahmen meiner Möglichkeiten versucht plausibel zu ergänzen, jedoch kann ich keine Gewähr auf abschließende historische Korrektheit geben. Sofern ein Kenner Fehler entdeckt, sehe er es mir bitte nach.

    Bildquellen: eigene Bilder

    Das war einfach nur klasse, und ein riesengroßes Dankeschön an Thomas und Joachim für das Mitbringen der Waffen, die Erklärungen, das enorme Fachwissen, Eure Geduld mit uns blutigen (zum Glück nicht blutenden) Anfängern, und Eure Begeisterung für die Thematik.
    Hat unheimlich viel Spaß gemacht.

    Ganz extrem bitter war nur die Erfahrung, dass man als Anfänger ohne Erfahrung wirklich null komma null Chancen gegen einen erfahrenen Gegenüber hat.
    Jede Variante eines Angriffs wurde sofort auf mannigfaltige Arten gekontert, jeder Konter wurde gnadenlos ins Leere laufen gelassen, und auf jede Idee hatte Thomas sofort ein buntes Potpourrie an Gegenmaßnahmen.

    "Eine Attacke dauert maximal 30 Sekunden" - Nein Thomas, ich wäre jedesmal schon nach 3 Sekunden tot gewesen 😁

    Die Übungsstunde hat absolut überzeugend mit dem Mythos aufgeräumt, dass sich im Notfall jeder Laie mit einem Schwert schon irgendwie verteidigen kann.
    Leider nein, leider gar nicht. Null Chance. Man ist ungeschickt, man ist langsam im Denken, man ist langsam in den Aktionen.

    Und ja, da ist definitiv ein Funke übergesprungen ❤️

    Was bedeutet 'pressen' in diesem Fall?

    Die per Hand gerollten Kerzen sind ja außen immer mehr oder weniger ungleichmäßig, und innen ist zwischen den Lagen Wachs immer ein wenig Luft.

    Wenn die Form nun aus zwei Halbschalen besteht, zwischen die die Kerze eingelegt wird, und man dann beide Halbschalen zusammen presst - dann wird die Kerze außen schön ebenmässig, und die einzelnen Lagen Wachs werden verdichtet und brennen dadurch langsamer herunter.

    Mylau waren von mir aus gute 5 Stunden Fahrt und rund 500 Kilometer.

    Mit einem halben Tag Urlaub, Mittags losfahren, und abends mit Euch zusammen gemütlich das Treffen einläuten ist das einmal im Jahr völlig in Ordnung.
    Ist hinsichtlich Entfernung und Fahrzeit aber auch meine Schmerzgrenze, und bis Bärnau zum Beispiel mit noch einer Stunde länger würde ich nicht mehr machen.

    Nienover mit gerade mal 2,5 - 3 Stunden ist da natürlich wesentlich angenehmer :smiling_face:

    Ansonsten kann ich nur Thomas zustimmen: wenn es rundum passt, ist auch etwas mehr Strecke und Zeit in Ordnung.
    Also wenn er uns doch mal irgendwann in sein eigenes Museum einladen sollte, wäre mir der Weg vollkommen schnurz 😁

    Interessant wäre eine Mitgliederkarte, dann hätte man eine Vorstellung davon, wo wir alle zuhause sind. Also nicht nur für die Findung eines Forentreffens.

    Wäre definitiv eine schöne Idee. Wegen Datenschutz sehe ich auch kein Problem, wenn die Mitglieder sich dort freiwillig eintragen können. Kann ja jeder dann für sich entscheiden.

    Magister Technicus - Woltlab bietet hier doch sicher ein passendes Plugin, oder? Könntest Du das einmal nachschauen?

    So, gut daheim angekommen.

    Es war ein wunderbares Wochenende, danke an alle, die dabei waren! Super leckeres Essen und Getränke, tolle Gespräche, spannende Fachsimpeleien, und eine unheimlich entspannte Atmosphäre mit wahnsinnig herzlichen Menschen.

    Besonderer Dank an Sina für die Location und die Organisation, und an Thomas und Ewald für die Blankwaffen, die Hintergründe und das Probetraining. Hat unheimlich viel Spaß gemacht.

    Kommt noch gut heim und habt alle einen ruhigen Start in die neue Woche 🙏