Während des Mylau-Treffens hatte ich mich mit Ewaldt von Amulunc kurz über meine Birka-Münzen unterhalten.
Wo ich sie vor etlichen Jahren gefertigt habe, hatte ich sehr ausgiebig dazu recherchiert, und zu jeder Münze gibt es eine kleine Geschichte. Umso mehr hat es mich tierisch gewurmt, dass ich fast gar nichts mehr zu den Münzen erzählen konnte.
Deswegen hier nochmal die komplette Story von damals.
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Münzen nach Birka-Funden
Anspruch: fundnah / belegorientiert
Die meisten denken beim Begriff ‘wikingerzeitliche Münzen’ vermutlich an die Unmengen von arabischen Silbermünzen, die sich nahezu an jedem Ort und in jedem Hortfund wiederfinden. Von diesen wurden auch in Birka zahlreiche Exemplare gefunden.
Jedoch existieren in den Gräbern noch einige andere Münzen mit interessanter Geschichte, die leider ein kleines Schattendasein fristen. Ein paar davon habe ich versucht zu reproduzieren.
Hierzu habe ich nach gut erhaltenen Exemplaren bzw. deren Abbildungen gesucht, und deren Vorder- und Rückseite am PC als Vektorgrafik nachgezeichnet. Diese wurden maßstabsgerecht verkleinert und am Laserdrucker ausgedruckt. Den Toner habe ich mit Hilfe von Aceton und Spiritus auf Neusilber- und Bronzeronden übertragen, und diese dann gut eine Stunde lang in Eisen-III-Chlorid geätzt. Danach wurde jede Münze per Hand in Form gefeilt, fein geschliffen, und anschließend poliert.
Beginnen möchte ich mit zwei Exemplaren der sog. ‘Styca’, einer Kupfer-/Bronzemünze aus Northumbria, gefunden in Grab Bj. 29 und Bj. 176.
Die Styca wurde von Aethelred II, König von Northumbria, in Auftrag gegeben. Die Zeit seiner Regentschaft ist mit Unsicherheit behaftet, und wird (mit kurzer Unterbrechung) auf 840/41 oder 854 bis ca. 848/49 oder 862 datiert. Sein Münzmeister Leothegn legte bei der Münzgestaltung eine erstaunliche Kreativität an den Tag. Aus diesem Grund existieren von seinen Stycas diverse Varianten, von denen zwei in den Birka-Gräbern auftauchten.
Diese Tatsache ist umso bemerkenswerter, da es sich nicht um zufällige Streufunde handelt, sondern um gezielte Grabbeigaben. Denn Kupfermünzen haben - anders als ihre Pendants aus Silber - keinen nennenswerten Materialwert und sind außerhalb ihres Ursprungsgebietes faktisch wertlos.
So fand sich die Styca aus Bj. 176 sogar in einem Beutel neben dem Leichnam und wird deswegen vermutlich einen speziellen ideellen Wert für den Verstorbenen besessen haben. Über die Hintergründe (Erinnerung an einen Beutezug / erfolgreiche Handelsbeziehung ?) lässt sich nur spekulieren.
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St. Peter-Münze aus dem Erzbistum York, Silber, Grab Bj. 963, datiert auf 921 - 927
Auf der Vorderseite ein liegendes Schwert, darüber und darunter die Buchstaben “SCIPE & TRMO”, die für SCI = Sancti, PETR = Petri, und MO = Moneta stehen, übersetzt ‘das Geld von Sankt Peter’, dem Schutzheiligen der Kathedrale von York. In der Symbolik wird hier das Schwert des St. Peter mit dem Thorshammer zusammen abgebildet - ein Hinweis darauf, dass diese Münze von den wikingerzeitlichen Siedlern in York geschlagen wurde.
Die Rückseite trägt die Inschrift ‘EBORACE CIV’, den alten römischen Namen der Stadt York. In dieser Zeit trugen Münzen oftmals den Namen des Münzmeisters - hier wurde stattdessen die Münzstätte genannt.
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‘St. Peter-Penny’ aus York, Silber, Grab Bj. 967, datiert auf 910 - 920
Der ‘St. Peter-Penny’ wird als die ‘schwertlose’ Variante der St.-Peter-Münzen bezeichnet. Anders als beim vorherigen Exemplar fehlen hier Schwert und Hammer, stattdessen findet sich das Symbol von ‘St. Peters Schlüssel zum Himmel’ und ein Kreuz. Der einzeilige Schriftzug “SCIPET R” trägt ein sehr stilisiertes ‘S’, das ‘R’ befindet sich in der Zeile darunter am Rand.
Die Rückseite ist mit ‘EBORACEC’ versehen, die noch weiter verkürzte lateinische Bezeichnung der Stadt York.
Diese Ausführung der St. Peter Münzen gehört zu den seltensten Exemplaren und taucht in diversen Münzkatalogen erst gar nicht auf. Außerhalb von York sind nur drei weitere Stücke bekannt - eines davon der Fund in Birka.
Von diesem war es mir bei der Online-Recherche nicht möglich, ein zweites identisches Fundstück als Abbildung ausfindig zu machen, so dass sich hier meine Rekonstruktion (der sehr fragmentierten Überreste) teilweise auf Vermutungen und Parallelen zu den beiden anderen Vergleichsfunde stützt.
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Silbermünze von Edward dem Älteren, Grab Bj. 967, datiert auf 899 - 924
Die Vorderseite trägt die Buchstaben “EADVVEARD REX” (= König Edward), die Rückseite “DEORY VALDMO”, hier wieder der Name des Münzmeisters, ‘Deoryvald MO(netarius)’.
Interessanterweise wird dieser jedoch in “Numismata Anglo-Saxonica et Anglo-Danica breviter illustrata“ von 1703 erst als 16. Münzmeister unter Edwards Sohn Aethelstan aufgeführt.
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Miliaresion von Michael III aus Byzanz, Silber, Grab Bj. 632, datiert auf 842 - 867
‘Miliaresion’ ist der Name einiger byzantinischer Silbermünzen, geprägt zwischen dem 8. und 11. Jh.
Anfangs scheint es sich bei ihnen ausschließlich um Zeremonienmünzen gehandelt zu haben, und erst ab der Regierungszeit von Kaiser Theophilos wurde daraus ein reguläres Zahlungsmittel. Inspiriert vom islamischen Dirham zeigen sie keine menschlichen Darstellungen, sondern tragen Namen und Titel des Kaisers auf der Rückseite sowie ein Kreuz auf Stufen auf der Vorderseite.
Die Beschriftung lautet “Michael Pistos Megas Basileus Romaion”. Somit kann die Münze einwandfrei - abweichend zur Datierung in ‘Birka I’, wo sie als Münze des Kaisers Theophilus beschrieben und datiert wird - dessen Sohn Michael III zugeordnet werden.
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Denar von Ludwig dem Frommen, Silber, Grab Bj. 963, datiert auf 822 - 840
Zuletzt noch eine weit verbreitete karolingische Münze. Beschriftet mit ‘HLUDOVVICUSIMP’ (Kaiser Ludwig) auf der Vorderseite, und rückseitig mit “XPISTIANA RELIGIO” (christliche Religion).
Im Gegensatz zu den 'Portrait-Denaren', die ein stilisiertes Antlitz des Herrschers zeigen, verzichtet Ludwig darauf und wählt stattdessen christliche Symbole, das Kreuz auf der Vorderseite, einen Tempel auf der Rückseite.
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Zeitaufwand: Das Nachzeichnen von Vorder- und Rückseite einer Münze als Vektorgrafik mit allen Details war ziemlich zeitaufwendig und hat jeweils ca. 4-6 Stunden in Anspruch genommen.
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Ausdrucken, Übertragen auf die Ronden sowie Ätzen ist wegen der teilweise sehr filigranen Strukturen ein Geduldsspiel und wenig fehlertolerant. Pro Charge rund weitere 2 Stunden.
Jede Münze ist per Hand in Form gefeilt, nachgebessert, geschliffen und poliert - nochmals je eine Stunde.
Fazit: zur Massenproduktion definitiv nicht geeignet 
Abschlussbemerkung: Ich bin kein Numismatiker. Alle Rekonstruktionen habe ich anhand der mir zur Verfügung stehenden Bilder und Texte nach bestem Wissen erstellt. Aufgrund der Tatsache, dass die damaligen Münzstempel einzeln und in Handarbeit gefertigt wurden, ergeben sich mit jedem Stempel individuelle Abweichungen in Schriftbild, Texten und Symbolik. Von dieser Vielfalt an Münzen ist nur ein Teil in Bild und Text einzeln dokumentiert, wobei sich selbst hier Abweichungen und Widersprüchlichkeiten gezeigt haben. Die verbliebenen Lücken in den Informationen habe ich im Rahmen meiner Möglichkeiten versucht plausibel zu ergänzen, jedoch kann ich keine Gewähr auf abschließende historische Korrektheit geben. Sofern ein Kenner Fehler entdeckt, sehe er es mir bitte nach.
Bildquellen: eigene Bilder