Vielen Dank Grimmbold. Keine Sorge, deine Einschätzung habe ich in keinster Weise als Angriff aufgefasst. Wenn man solche Dinge der Öffentlichkeit preisgibt ist das ja auch immer eine gewollte Einladung zu fachlicher Diskussion. Und wenn man, wie ich das hier gemacht habe, keine 1:1 Rekonstruktion macht, ist das natürlich auch immer angreifbar und es verbleibt Interpretationsspielraum.
Zunächst finde ich den Vorwurf "unhistorisch" für das Bett an sich nicht gerechtfertigt. Wenn man die von mir genannten Bildquellen ansieht (die Seite "antike-tischkultur" ist frei zugänglich. Dort einfach zu den einfachen Liegen durchklicken) kann man, finde ich, die Ähnlichkeit meiner Konstruktion dazu nur schwer von der Hand weisen. Die Konstruktion aus gedrechselten Rundhölzern, die diagonale Seilbespannung, Der durchgängige Längsholm auf dem Mosaik aus Ravenna, etc. Das sind m.M.n. sehr eindeutige Indizien, dass es zu der Zeit solche oder zumindest so ähnliche Liegen gab.
Der Punkt, bei dem ich dir zu 100% Recht gebe ist das Setup in dem ich das Bett nutze. Allein, dass ich mit meiner Partnerin zu zweit in einem häuslich eingerichteten Zelt als Teil eines Zeltlagers mit Sonnensegeln, Tischen, Bänken, Kisten und quasi dem ganzen Hausstand auf einer Wiese herumstehe kann m.M.n. historisch nicht gerechtfertigt werden (auch nicht mit Heerschau, Thing, oder einem höheren gesellschaftlichen Stand). Das ist jedoch ein Punkt, der auf große Teile der Mittelaltermarkt- und Lagerlebenszene gleichermaßen zutrifft. Bzw. ist das eben ein Umstand, der so akzeptiert und gerne auch dem historisch interessierten Besucher erklärt werden kann. In Museumsdörfern wäre das wieder eine andere Geschichte...
Ein zweiter Punkt, den du hast, ist der "bürgerliche Stand". Im letzten Jahr hat sich das etwas verselbstständigt und bei mir sind einige Dinge zur Darstellung dazu gekommen, wodurch diese sich zunehmend vom bürgerlichen Stand wegentwickelt. Das muss ich bei Zeiten umformulieren.
Nun zum Bett an sich. Ja, da ist eine Isomatte darunter. Wenn ich das Bett öfter als zweimal im Jahr nutzen würde, hätte ich mir einen Strohsack zugelegt. Der Mehrwert dafür rechtfertigt für mich aktuell nicht den Pflegeaufwand.
Mit dem Seil hast du recht. Das ist sehr starr. Was federt sind die Längsholme. Um dem etwas entgegenzuwirken braucht es eine ordentliche Vorspannung, aber das habe ich bereits beschrieben. Wen das stört, könnte mit stärkeren Querschnitten arbeiten. Ein Lattenrost oder etwas anders als die diagonale Seilbespannung kam nicht in Frage, weil es die Bildquellen so vorgeben.
Die Quelle von Ammianus Marcellinus war mir bekannt und tatsächlich wurden im alamannischen Gräberfeld von Schleitheim Klappstühle gefunden, die dem modernen Feldbett, bzw. dem Bett aus dem New York Historical Museum sehr ähnlich sehen. Daher habe ich auch lange überlegt, ein solches Bett zu bauen, habe mich dann aber dagegen entschieden, weil ich dazu keine Bildquellen oder Funde aus der Zeit habe, zur von mir gebauten Liegeform jedoch mehrere.
Die Konstruktion aus dem 19. Jh. war mir bislang nicht bekannt. Das ist natürlich auch eine charmante Lösung. Wobei ich mich dabei frage, wie die Spannung erzeugt wurde. Lediglich durch eine Fixierung würde mir das zu sehr durchhängen. Und es ist auch sehr nahe an dem Modell von Ole Gjerløv-Knudsen. Aber auch hier habe ich eben keinen Beleg für die Spätantike.
Ich würde also dabei bleiben, dass meine Konstruktion an sich nicht "unhistorisch" ist. Ob ein Alamanne jemals eine solche Liege auf Reisen mitgenommen hätte und falls er auch ein Zelt dabei gehabt hätte, sie mit seinem restlichen Hausrat dort hinein gestellt hätte, ist zweifelsohne mehr als fragwürdig.
Es bleibt aber das Problem, dass man älter wird und sich auf Mittelaltermärkten keine Erkältungen mehr holen möchte, weil man nächtelang auf Strohsäcken geschlafen hat, die mit dem Wasser aus den durch das Zelt fließenden Bächen vollgesogen sind und gleichzeitig historisch interessierten Besuchern einen Eindruck vermitteln möchte, auf welchen Liegen möglicherweise die Altvorderen ihre Nächte verbracht haben. Alles in allem ist das für mich nach wie vor ein stimmiger Kompromiss, sofern man den Leuten erklärt, dass das Setup Mittelaltermarkt an sich nicht besonders historisch ist.
Salve Dagobert