• Allgemeines:

    Der KeramikTopf ist die Urform des eigentlichen Kochtopfs *2) und DER Kochtopf des Mittelalters.

    Keramiktöpfe wurden auch als Vorratsgefäße verwendet. Wobei Kochtopf und Vorratstopf an der Form nicht zu unterscheiden sind – lediglich die Gebrauchsspuren ermöglichen eine Zuordnung.

    Verschiedenen Kochtopfformen existieren Langezeit parallel, meist haben sie einen mehr oder weniger ausgeprägten Standboden. Der vollständig kugelige Kugeltopf taucht im 9./10. Jahrhundert auf und im 14. Jahrhundert verschwindet diese Form wieder und wird gänzlich durch den Standbodentopf ersetzt. *3)

    Kugeltöpfe stehen (und fallen nicht um). Der Schwerpunkt eines Kugeltopfes liegt unterhalb des Kugelmittelpunkts. Unser dokumentierter Versuch mit Wasser zeigt es. Noch sicherer steht der Kugeltopf mit breiigen/pastösem Inhalt. Der träger reagiert als Wasser.

    Wenn der Untergrund des Herdes nicht gänzlich plan ist, dann findet der Kugeltopf einen „sichereren“ und geraderen Stand als ein Standbodentopf. Die Kugelform kann Unebenheiten eher ausgleichen. Ist die Feuerstätte gut abgestrichen/plan, dann sind beide Formen problemlos zu positionieren.


    Die Gefäßkorperform und die Größe der Standbodentöpfe variiert stark und ist Abhängig von Zeit und Region.

    Als Deckel sind Hohldeckel und Flachdeckel bekannt. Ob Kugeltöpfe einen Deckel hatten ist bisher nicht bekannt und wird diskutiert.

    Quellen:

    *1) Wer tiefer eintauchen möchte, kann das u.a. hier:

    Leitfaden zur Keramikbeschreibung (Mittelalter - Neuzeit), herausgegeben von Ludwig Wamser, München 2005

    *2) Die Suppe in der Geschichte der Ernährung, Fritz Ruf in Essen und Trinken in Mittelalter und Neuzeit, 1990

    *3) Zur "statistischen" Auswertung frühmittelalterlicher Keramik im Nordseeküstenbereich, Heiko Steuer, Nachrichten aus Niedersachsens Urgeschichte 40

    Das ist ein Auszug eines Artikels von mir der hier zu finden ist: https://www.timmermansche.de/t%C3%B6pfe
    inkl. einem kleinen Film zum Standverhalten eines Kugeltopfs
    Der Inhalt kann nicht angezeigt werden, da Sie keine Berechtigung haben, diesen Inhalt zu sehen.

  • Kochen in Keramik:

    Ich koche viel und gern in Keramiktöpfen. Ich besitze viele in unterschiedlichen Größen, die während einer Küchensaison regelmäßig im Einsatz sind. Ich möchte jeden ermuten in Keramik zu kochen. Es ist weder gefährlich noch kompliziert.

    Handlungsempfehlung

    Nr. 1: keine Angst haben :winking_face:

    Keramiktöpfe sind Gebrauchsgegenstände und soll auch so behandelt werden. Sie können kaputt gehen - ja! Ein neuer Topf geht beim Ersten mal bekochen kaputt (durch Lufteinschlüsse oder Fehler beim Brand) oder nie. Mir selbst ist in den vergangenen 20 Jahren nur einmal ein Topf im Feuer geplatzt. Alle anderen "Bodenfunde" aus meinem Haushalt, habe ich selbst produziert: ich habe die Töpfe fallen lassen, bin darüber gestolpert, sie sind aus dem Auto gepurzelt oder sie wurden angebufft. Nix schlimmes, passiert.

    Nr. 2: gut füllen

    Keramiktöpfe mit Kochgut bis kurz unter den Rand auffüllen. Wenn es sich um eine "Trockenmasse" handelt, mit Flüssigkeit auffüllen, ggfs. Topf vorher wässern.

    Nr. 3: stetig an Flamme annähern

    Auf dem Herd eine "Feuerschlange" herrichten und den oder die Töpfe anstellen. Das Garen im Ofenrohr des Kamins ist ebenfalls möglich. Die Töpfe nach und nach näher an die Flammen heranschieben. Dabei die Wärmeentwicklung der Feuerschlange beobachten und ggfs. regulieren.

    Die Töpfe heizen sich durch die Strahlungswärme des Feuers auf . Für die Feuerschlange eigenen sich am Besten etwa auf Zwei-Finger-Dicke gespaltene Holzscheite.

    Nr. 4: drehen

    Die Töpfe regelmäßig drehen, so dass sie gleichmäßig erwärmen.

    Nr. 5: Ankochzeit nicht unterschätzen

    Abhängig von der Topfgröße und der Wandungsstärke, dem Inhalt und der Wärmequelle kann die Ankochzeit stark variieren. Entsprechend Zeit einplanen ist notwendig. Aber wenn der Inhalt kocht, dann kocht er.

    Nr. 6: Abkühlen lassen

    Nach dem Kochen die Kochtöpfe abkühlen lassen. Dann anschließend reinigen. Nicht mit kaltem Wasser "abschrecken" - hierdurch kann der Topf reißen.

    Noch ein Nachwort zum Reinigen und Lagerung:

    Ich reinige meine Töpfe nach einer VA in der Spülmaschiene, anschließend brenne ich sie im Backofen bei 200 Grad aus.

    Sie lagern mit angestelltem (nicht geschlossenem Deckel) in der Küche auf dem Küchenschrank.

  • Beispiele Kochtöpfe
    Würzburg 13./14. Jahrhundert (Foto: DeTimmermansche)
    Der Inhalt kann nicht angezeigt werden, da Sie keine Berechtigung haben, diesen Inhalt zu sehen.


    Frankfurt 14. Jahrhundert (Foto von Peter Lutz)

    Der Inhalt kann nicht angezeigt werden, da Sie keine Berechtigung haben, diesen Inhalt zu sehen.

    Meine Kugeltöpfe sind Repliken der Grabung im "Kürschnerhof" in Würzburg und werden zwischen der 1. Hälfte des 13. Jh. bis zur 1. Hälfte des 14. Jh. datiert. Bei den Standbodentöpfen handelt es sich um Töpfe aus der Grabung "Westliche Höllengasse" in Frankfurt am Main. Als Datierung wird die Zeit zwischen 1320 und 1340 angegeben. Alle Repliken sind von Anna Axtmann.


    Fundbeschreibung der Rekonstruktionen:

    Zwei spätmittelalterliche Fundkomplexe aus Würzburg, Anja Gareiß-Castritius, Würzburg 1997

    Hoch- und spätmittelalterliche Keramik aus der Altstadt Frankfurt am Main, Magnus Wintergerst, 2002

  • Dieses Thema enthält 6 weitere Beiträge, die nur für registrierte Benutzer sichtbar sind.

Jetzt mitmachen!

Sie haben noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registrieren Sie sich kostenlos und nehmen Sie an unserer Community teil!