Posts by Claudia Zimmermann

    Herzlich willkommen im Besten aller Jahrhunderte: dem 14. ! Wir habe die Pest, Unwetterkatastrophen, Streifenstoffe, Vierpässe und tolle Hüte.

    Ich selbst mache eine niederständische, städtische Darstellung um 1320. Die einer Köchin aus Nürnberg.


    Bei Fragen zur Sachkultur kannst Du Dich gerne melden.

    In Tierknochen als Spiegel sozialer Verhältnisse im 8. - 15. Jh. in Bayer vom Kerstin Pasda konnten in Sulzbach Rosenberg (ca. 75 km nach Bärnau) Hühnerknochen kontinuierlich bereits seit den ersten Siedlungsspuren aus dem 8. Jh. nachgewiesen werden.

    2022. Ich war 3 Tage alleine im Museum und habe nach und nach alles abgearbeitet, was anstand um meine Veranstaltung vorzubereiten. Es waren kaum Besucher unterwegs.

    Um die Mittagszeit hatte ich ein tolles langes interessiertes Gespräch mit einem Besucherpaar.

    Dies traf ich auch am Nachmittag im Museumskaffee. Er kam auf mich zu und bedanke sich noch einmal sehr herzlich. Und fast ein wenig verlegen sagte er mir: dass er am Vormittag Bilder gemacht hatte, unbemerkt und weil diese so schön wären möchte er sie mir zukommen lassen.

    Ich habe ihm meine Karte gegeben.

    Die Veranstaltung kam und ging und es vergingen ca. 3 Wochen. Da erhielt ich eine Mail mit dem Titel Danke schön von der Uni Bremen Professur für Gewässer und Fischökologie Prof. Dr. Heiko Brunken.

    Ich war verwundert, denn dort kenne ich niemanden.

    Es waren die Bilder.

    IMG_3666 Foto H-Brunken.jpg

    Ich habe lich riesig gefreut, denn es kommt sehr selten vor, dass tatsächlich Bilder bei so einer Aktion ankommen. Oft sind es nur Versprechen.

    Ps: Meine Antworte war:

    Vielen Dank.

    Glücklicherweise habe ich Ihnen nichts über Fisch erzählt. Aber eine Information hätte ich aus Ihrem Fachgebiet: Im 15. Jh. war der Salzhering aus der Nord- und Ostsee Arme Leute Essen in Konstanz am Bodensee.

    Seine Abtwort: :)

    Da die Gesellschaft eng verzahnt war und sich Gegenseitig getragen hat, ist das ganze Geflecht komplex und muss von verschiedenen Seiten betrachtet werden. Je später im Mittelalter desto enger wird diese Netzwerk.

    Punkt 1: Handwerkerkinder
    Es war üblich, dass alle Kinder im gleichen Gewerk gelernt haben. Die Handwerksmeister haben alle Ihre männlichen Kinder ausbilden lassen und es wird mitlerweile auch davon ausgegangen, dass die Mädchen zumindest mitgelernt haben. Die Jungen blieben, wenn sie nicht die Werkstadt übernahmen, Gesellen ggfs. haben sie einen Tocher eines anderen Meisters oder eine Meisterwitwe geheiratet. Wenn der älteste Sohn verstarb, dann musst der Fortbestand des Betriebes gesichert bleiben, daher ist es sehr unklug, die Kinder nicht ausbilden zu lassen. Was auch für die Mädchen gilt, denn die wurden ja wiederum in der Regel auch im gleichen Gewerk verheiratet. Die Kinder gingen noch als Kind in die Lehre, wenn diese dann 7 Jahre dauerte, dann waren das junge Erwachsene. Das durchschnittliche Heiratsalter der Männder liegt bei 25, das der Frauen darunter. Immer wieder ließt man ja von den Kinderehen vor allem im Adel, aber das sind keine vollzogenen Ehen, sondern Heiratsversprechen. In den Chroniken ist immer auch erwähnt wann die Ehe dann durch das bezeugte im Bett liegen, geschlossen war.

    Punkt 2: Frauen im Handwerk:
    Frauenzünfte bilden die Ausnahme und Frauen als Meisterinnen auch, aber das soll heißt nicht, dass die Arbeitsleistung der Frauen im Handwerk nicht gewürdigt oder gebraucht wurde. Im Gegenteil, ohne die Arbeitsleistung der Frauen funktionierte die Gesellschaft nicht. Aber es muss von einer Arbeitsteilung (Mann und Frau haben unterschiedliche Aufgabenschwerpunkte gehabt) ausgegangen werden. Erst in der Neuzeit vollzieht sich die massive Verdrängung der Frau aus dem Handwerk, aufgrund der schlechten Arbeitsmarktlage. Die weitgehende "Entrechtung" bis hin zum Berufsausübungs- und Erbverbot kommt noch viel später. Im Spätmittelalter waren viele Frauen Berufstätig. Meist auch gegen Entgeld.

    Punkt 3: Knecht und Magd kein Stand, sondern eine Berufsbezeichnung und die Sache mit dem nicht heiraten
    Erst einmal werden in der zeitgenössischen Literatur, der Geselle auch als Knecht bezechnet. Daher ist hier keine schwarfe Trennung möglich und das führt dazu, dass die Literatur hier oft nicht unterscheidet und oftmals ein wilde Vermischung von Begriffen stattfindet.

    Knechte und Mädge sind in der Regel im Dienstleistungsgewerbe tätig und dort erlernen sie Ihren Beruf, aber es gibt keinen verbrieften Abschluss, wie im Handwerk. Erst mit der entsprechenden ergänzenden Bezeichnung wird der Begriff des Knechtes oder der Magd eineindeutig. In der Stadt spezialsieren sich die Berufe zunehmend. War jemand gut in seinem Beruf, dann sprach sich das rum. Für die Mägde gab es Nürnberg sogar eine Arbeitsvermittlung, die auch eine Qualitätssicherungsfunktion (ähnlich wie bei den Gesellen) hatte.

    Und Knechte und Mägde konnten auch heiraten und hatten Kinder. Diese waren entweder selbst Mädge (also angestellt im Produktionsbetrieben zum Beispiel als Kämmerinnen in der Tuchproduktion) teilweise hatten sie aber auch eigene Gewerbe zum Beispiel als Wäscherin. Angestellte Knechte im städtischen Dienst (im Dienstleistungsgewerbe Wiegeknechte, Türmer ...) waren sogar sehr oft verheiratet und hatten Kinder.

    5. Ungelernte
    Unsere moderne Gesellschaft in der Bildung nur akademische Bildung ist und selbst eine Berufsausbildung ihren Stellenwert zunehmend verliert (Ich hoffe, dass ändert sich irgendwann mal wieder), gelten alle die, die zwar einen Beruf erlernt, aber nicht zertifiziert bekommen haben, als ungelernt. Seltersamerweise gilt dies nicht bei den Kaufleuten, denn auch dort gibt diese haben keinen Berufsabschluss, mag aber daran liegen, dass der Einfluss der Patrizier da noch abfärbt und diese deshalb nicht als ungelernt gelten. Ist ein anderes Thema. Die Bezeichnung ungelernt, ist daher kritisch zu hinterfragen.

    6. Taglöhner
    Den Taglöhner würde man heute als befristeten Arbeitnehmer bezeichnen. Das Lohngefüge richtet sich nach der Tätigkeit. Den Punkt Männerarbeit, Frauenwerk lasse ich mal weg. Wer sich dafür interessiert Empfehle ich die Arbeiten von Dorothee Rippmann.

    Punkt 4: Das Alter und die Gebrechen
    Das es durchaus Handwerker gab, die nicht mehr arbeiten konnten, ist klar aus den Handwerkerstuftungen erkennbar. Ganz prominent: die Nürnberger Zwölfbruderstiftung.

    tbc. muss jetzt essen machen. =)


    Hallo Anna,
    Du bist herzlich eingeladen zum Nürnberger Reenactor Stammtisch zu kommen.
    Wir sind ein Haufen von "Verrückten" aus unterschiedlichen Zeiten. Der Anspruch der Darstellung ist unterschiedlich. Die Meisten nehmen es schon genau. Hier ist jeder herzlich willkommen.

    Die Luete hier sind teilweise in Vereinen organisiert - weil das oben die Frage war - aber es gibt auch viele die das nicht sind. So wie ich. Alle helfen hier gerne weiter. Unabhängig davon kannst Du mich auch gerne so ansprechen, wenn Du hilfe brauchst.

    Grüße aus Nürnberg
    Claudia

    Ich habe zum Thema Waschen mal ein paar Sachen zusammengetragen und in einem Artikel zusammengefasst.

    https://www.timmermansche.de/strophe3waschen

    Im Artikel sind auch eine Reihe von Artikel und weitere Literatur aufgeführt.

    Vergangenes Jahr im Augut haben wir in Bärnau gebleicht. Material war handgewebtes Bauernleinen mit Lagerungsgilb. Wir haben über 3 Tage auf der Wiese hinter der Herberge die Laken ausgebreitet, regelmäßig gewässert und gewendet. Hat wunderbar funktioniert.

    Dann haben wir - aus der Not heraus geboren - Leinen gewaschen, weil einfach alles total verschwitzt war.
    Mit Laugenbrühe und viel auswaschen. Praxistest bestanden.


    Bilder: DeTimmermansche, Bayreuth 1320, Peter Lutz

    Claudia Zimmermann hat einen neuen Termin erstellt:

    Claudia Zimmermann
    March 1, 2024 at 5:20 PM

    Grundsätzlich schwierig wird es bei einfacheren Darstellungen. Je tiefer der Stand in der Gesellschaft, um so "unwichtiger" ist die Person und wird dem entsprechend selten oder gar nicht erwähnt/abgebildet.

    Nichts ist schwieriger als eine Darstellung der Unterschicht.
    Es gibt nicht nichts. Es ist nur etwas schwieriger.
    Das Thema hatten wir ja schon an einer anderen Stelle.
    Wenn Du konkrete Fragen hast, dann melde Dich doch einfach mal. Vielleicht kann ich Tipps geben, denn zum Bauernstand gibt es doch einiges.