Das sog. Antoniusfeuer (die moderne Krankheitsbezeichnung lautet Ergotismus) ist eine Vergiftung durch das Mykotoxin Ergotamin, die durch den Verzehr von mit dem Mutterkornpilz Claviceps purpurea befallenem Getreide, vornehmlich Roggen, verursacht wird. Ergotamin bewirkt eine starke Verengung der Blutgefäße und dadurch Durchblutungsstörungen von Herzmuskel, Nieren und Gliedmaßen. Dadurch kribbeln und brennen die betroffenen Bereiche deutlich, was die Bezeichnung "Feuer" erklärt. In der Folge kommt es zu Geschwüren und Nekrosen an Fingern und Zehen und schlussendlich zu deren Absterben. Die Folge daraus waren dann oft Sepsis und Tod. Zusätzlich bestehen oft Allgemeinsymptome wie Erbrechen, Kopfschmerzen, Ohrensausen und Wahnvorstellungen.
Der erste belegte Fall einer Epidemie stammt von 857 aus Xanten, Mitte des 10. Jhdt. sollen vornehmlich in Frankreich und Spanien ca. 40000 Menschen einer Ergotismus-Epidemie zum Opfer gefallen sein. Zwar war die gefäßzusammenziehende Wirkung des Mutterkorns (das ist die schwarze, längliche Dauerform des Pilzes, die sich an der Getreideähre bildet) durchaus bekannt - besagtes Mutterkorn wurde zB bei starken Blutungen nach der Geburt auch therapeutisch eingesetzt (vermutlich daher der Name "Mutterkorn") - allerdings wurde der Zusammenhang zwischen dem Antoniusfeuer und dem Genuss von Brot aus verpilztem Mehl wohl nicht hergestellt. Dies gelang erst im 18. Jahrhundert.
Den Namen Antoniusfeuer hat die Krankheit übrigens vom Hl. Antonius, dessen Reliquien eine wundertätige Heilwirkung auf diese Krankheit zugeschrieben wurde. Daraus entwickelte sich auch der hauptsächlich in der Krankenpflege tätige Antoniterorden, der im 15. Jahrhundert quer durch Europa einige hundert Spitäler betrieb.