Projekt: Kerzen nach Fundlage

  • Für ein Experiment möchte ich Kerzen nach Fundlage anfertigen. Dazu bereite ich Dochte aus "Pflanzenfasern" mit unterschiedlicher Faserzahl vor. Pflanzenfasern steht in Anführungszeichen, da in den früheren Untersuchungen zwar das Wachs teilweise analysiert, das Dochtmaterial pauschal als solches bezeichnet wurde.

    Meine Dochte drehte ich aus Leinenfasern. Die Dochte auf dem angefügten Bild sind bis auf den Docht links für die Kerzen nach Oberflacht vorgesehen.

    Die Dochte der Kerzen aus dem Gräberfeld Oberflacht aus dem 7. Jhdt. weisen zwischen 9-10 bzw. 16 Fäden auf. Von den Abmessungen kommen die Kerzen mit 22,3/ 28 cm Länge und 1,85/ 2,05 cm Durchmesser heutigen Tafelkerzen nahe.
    Dem Wachs der Kerzen ist mglw. zur Aromatisierung geringe Mengen Baumharz zugesetzt. Art und Menge war für eine Analyse mit damaligen Mitteln zu wenig enthalten.

    Für mein Experiment werde ich dem Wachs für diese Kerzen ungefähr 2 % getrocknetes und pulverisiertes Kiefernharz beimengen. Zu viel Harz kann sehr schnell eine stark klebrige Masse erzeugen.

    In den Ruinen des Clarissen- Kloster Gnadenthal in der Nähe von Basel wurden in einer auf das 13. Jhdt. datierten Fundschicht Kerzen von 20,5 und 26,5 cm Länge bei einem Durchmesser von 1,5 cm gefunden. Die Besonderheit dieser Kerzen ist die hohe Anzahl der einzelnen Fasern in den Dochten. 40-45 Hanfschnüre wurden der Untersuchung nach von Hand mit 3-4 dünnen Wachsschichten ummantelt. Die Dochte maßen im Durchmesser zwischen 1 und 1,2 cm!

    Die dritte bekannte Kerze ist die ins 10. Jhdt datierte "Mammenkerze". Hier ist die Herstellung der interessante Teil. Die Kerze wurde aus zugeschnittenen Wachsstreifen gerollt, anschließend der Länge nach bis zur Hälfte aufgeschnitten, der Docht eingelegt und erneut durch Rollen verschlossen.
    Diese Kerze misst 40 cm in der Länge bei einem unregelmäßigen Durchmesser von 8-10 cm. Zu diesem Docht gibt es keine Beschreibung. Hier muss ich mich auf mein Gefühl verlassen.

    Die Schwierigkeit in der Kerzenherstellung liegt darin den Docht auf den Kerzendurchmesser abzustimmen. Die Flamme muss in der Kerze eine "Schüssel" mit verflüssigtem Wachs erzeugen. Ist die Flamme zu stark, schmilzt die Kerze zu schnell auf, das Wachs tropft ungenutzt herunter. Bei zu kleiner Flamme ist die Leuchtkraft zu gering. Hier kann das flüssige Wachs sogar die Flamme ersticken.

    Quelle: Büll, Reinhard "Das große Buch vom Wachs" Beitrag 8/1, eigenes Foto

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  • Zu viel Harz kann sehr schnell eine stark klebrige Masse erzeugen.

    Zu viel Harz brennt auch wie Zunder und läßt die Kerze vermutlich zu schnell abbrennen.

    ...da kom ich gangen, an einen anger langen, dâ ein lûter brunne entspranc; vor dem walde was sîn ganc, dâ diu nahtegale sanc.

    Walter von der Vogelheide

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