Ave liebe Freunde des erholsamen Schlafs,
wie der Titel beschreibt, möchte ich in diesem Beitrag meine Gedanken zu Feldbetten in der spätantike teilen und was ich mir beim Bau meines Bettes gedacht habe.
Schon seit einiger Zeit war ich am Überlegen, wie das Bett für mein Lager aussehen soll. In unserer Gruppe hat sich die überragend gute Konstruktion von Ole Gjerløv-Knudsen durchgesetzt und vermutlich hätte ich mir auch ein solches Bett gebaut, wenn ich nicht auf einer Museumsausstellung eine römische Kline gesehen hätte. Das gab den Anreiz nochmal zu recherchieren, da das Bett von Ole Gjerløv-Knudsen zwar leicht ist, ein kleines Packmaß hat, bequem wie stabil ist und nur aus historischen Werkstoffen und Verbindungen besteht, aber leider eben so gar nicht historisch belegt ist.
Wir kennen aus dem alamannischen Raum einige bettähnliche Holzkonstruktionen (z.B. Oberflacht Gräber 84, 92, 208, 211 oder Trossingen Grab 58), die gerne als Vorbild für Betten herangezogen werden. Quellenkritisch betrachtet kommen mir diese jedoch aufgrund ihrer tiefen Liegefläche, den teilweise vorhandenen Deckeln und dem Bestattungskontext zu sehr nach Totenbetten vor. Andererseits sind diese Betten extrem massiv und ich trage ohnehin schon zu viel Zeug auf unsere Lager und vor dort wieder in den Dachboden. Von der römischen Kline angestoßen bin ich auf der stets informativen Internetseite "antike-tischkultur" über die "einfachen Liegen" gestolpert. Auf antike-tischkultur zeigen mehrere spätrömische Bildquellen des 3. bis 5. Jahrhunderts leichte, transportable Feldbetten mit einer Bespannung aus Seilen oder Riemen und belegen, dass solche Liegen im spätantiken Alltag bekannt waren. Da germanische und spätrömische Kultur im 5. Jahrhundert durchaus miteinander verflochten waren und zahlreiche römische Alltagsgegenstände übernommen wurden, erscheint mir die Nutzung vergleichbarer Feldbetten auch im alamannischen Umfeld grundsätzlich denkbar. Daher habe ich noch ein wenig mit Ludwig über die Details sinniert und bin schließlich zu einer für mich recht zufriedenstellenden Konstruktion gekommen.
Die hier gezeigte Konstruktion versteht sich ausdrücklich nicht als Rekonstruktion eines konkreten Fundes, sondern als technischer Vorschlag, wie ein Feldbett des 5. Jahrhunderts aufgebaut gewesen sein könnte.
Das Bett besteht aus zwei fest in sich verbunden Stirnteilen (Pfosten und kürzere Streben) und zwei herausnehmbaren Längsstreben. Die Längsstreben werden seitlich in Halbschalen der Pfosten gesteckt. Um ein Verrutschen in Längsrichtung zu vermeiden, steht die obere Strebe des Stirnteils leicht Bolzenartig heraus und steck in einer Bohrung der Längsstreben.
Die diagonale Seilbespannung habe ich mit gespleißten Schlaufen fest an einem der Stirnteile befestigt. Die langen Seiten der Bespannung habe ich ebenfalls mit Schlaufen versehen, durch die die Längsstreben gesteckt werden können. Lediglich auf der verbleibenden Stirnseite sind keine Schlaufen vorgesehen. Hier nehme ich ein Seil und "wickle" damit die Bespannung an das Stirnteil. Der technische Clou besteht nun darin, dass durch Zug in Längsrichtung, den ich durch das "Wickel-Seil" aufbauen kann, die Bespannung in Quer-Richtung zusammengezogen wird (vergleichbar zu Stoff).
Dadurch kann ich einerseits die Spannung der Bespannung ordentlich einstellen und andererseits hält das die Längsstreben in den Halbschalen der Pfosten. Gewicht im Bett verstärkt die Spannung und sorgt damit für zusätzlichen halt in den Halbschalen und damit für zusätzliche Kippstabilität. Mein Bett ist 1,3m breit (sodass zwei Personen Platz finden) weshalb zugegebener maßen mit ordentlich Vorspannung und zwei Schläfer:innen eine ordentliche Biegespannung auf die Längsstreben kommt. Daher habe ich mich für Eschenholz entschieden. Die Längsstreben sind 55mm dick. Leider waren sie zu lang für die Drechselbank, weshalb sie von hand rundgehobelt und die Kugeln an den Enden geschnitzt werden mussten.
Der Aufbau dauert, wenn man allein ist, etwa 10 min. Hier ein kleines Storyboard dazu:
Und natürlich noch im Gesamtbild:
Beim Drechselmuster der Pfosten habe ich mich am Hocker aus dem Gräberfeld von Oberflacht orientiert, sodass ich wenigstens ein kleines alamannisches Element in diesem Bett habe. Ich finde, dass dieses Muster zusammen mit der Halbschalenverbindung und den Kugel-Elementen erstaunliche Ähnlichkeit zu der Abbildung des Bettes aus Ravenna zeigt.
Die Tests auf den Lagern diesen Sommer über hat das Bett einwandfrei überstanden und ich bin guter Dinge, dass ich noch viel angenehme Nächte in diesem Bett verbringen kann.
Vielleicht steht ja jemand euch vor ähnlichen Herausforderungen und kann die ein oder andere der vorgestellten Ideen gebrauchen. Lasst mich ansonsten gerne wissen, was ihr anders machen würdet. Außerdem möchte ich mich nochmal ausdrücklich bei Ludwig bedanken, der mir mit Rat, Tat und Werkzeug stets zur Seite stand.
Alle Bilder sind von mir selbst fotografiert worden und zeigen nur meine Gegenstände.
Salve Dagobert