Er verfügt beispielsweise über eine sogenannte Hypridschaller (das ist ein moderner waffenkundlerischer Begriff, kein historischer), die bereits so weit hinunter gezogen ist, dass die den kompletten Kopf schützt und kein Bart mehr dazu verwendet werden muss. Solche Helme sieht man um 1500 immer wieder mal und es gibt sogar noch einige erhaltene Exemplare (teils sogar bemalt).
Eine weitere Variante einer oben erwähnten sogenannten Hybridschaller konnte Anfang Juli in die Sammlung übernommen werden. Wie bereits im Betreff erwähnt, ist dieses Exemplar in der Wallace Collection ausgestellt. Die ursprüngliche Bemalung ist an dem Helm zwar nachgedunkelt, aber noch nahezu vollständig erhalten. Von solchen Schallern sind etliche Stücke erhalten, einige sogar mit ihrer Bemalung. Neben dem hier gezeigten Stück aus der Wallace Collection, befindet sich ein weiteres Stück (mit einer ebenfalls gut erhaltenen Bemalung einer Löwenmaske) im Bayrischen Nationalmuseum München und ein weiteres Stück (in mi-parti mit erkennbaren Resten in roter und weißer Farbe bemalt) im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg. Alle sind gleich - um 1500 - datiert.
Bei dieser Schallervariante gab es blank geschliffene und polierte Varianten, aber eben auch "hammerrau" belassende Stücke, die bemalt wurden. Sie werden in der Literatur - ähnlich wie die sogenannten "schwarzen Schallern" - eher nicht dem ritterlichen Kontext zugeordnet, sondern gehörten wohl primär zur Ausstattung von leichten Reitern und beritten Armbrustschützen. (Lehnart, S. 170)
Einzig die Hybridschaller des "Kunz Schott von Hellingen", der im ganz späten 15. Jhd. laut Überlieferungen in der Nürnberger Gegend als eine Art "Raubritter" sein Unwesen trieb, lässt sich klar einem ritterlichen Harnisch zuordnen. Hier geht es zum Thema, in dem dieser Harnisch vorgestellt wird: Plattenharnsich um 1500 - im sogenannten Übergangsstil
Meine Interpretation dieses Helmes war ein unbemalter Gebrauchtkauf. Er wurde vor ca. 10 Jahren von ukrainischen Handwerkern, die sich in einem Verbund organisierten der sich "Craftsman of Taurica" nannte, gefertigt. Die Bemalung setzte ein Engländer um, der auf Facebook unter dem Namen "Baskerville Shilds" aktiv ist und sich primär mit dem Bau und der Bemalung von aufwendigen Schild-Repliken beschäftigt. Er war, bevor Andre Schätz seine "Schilderey" startete, mein Schildbauer des Vertrauens. Die Fassung wurde mittels Eitempera auf einen Kreidegrund aufgetragen. Das Ergebnis ist ganz gut geworden, denke ich. Zum Schluß lasse ich euch gerne noch ein paar Fotos da.
(Bildquellen für diese Collage: oben links der Originalhelm: wallacecollction.org / alle anderen: Baskerville Shilds auf Facebook)
(Bildquelle: eigenes Foto aus der Sammlung)
(Buchquelle: Kleidung und Waffen der Dürerzeit 1480 - 1530, Band 1 - Landsknechte und Reisläufer, Ritter und Reisige, Ulrich Lehnart, 2021, Zeughausverlag Berlin)