Ja was soll ich sagen... von einem überforderten "mir ist der Hamster aus dem Laufrad gefallen" bis zu tollen Glücksgefühlen war gestern Abend alles dabei. 😅 Aber fangen wir von vorne an...
Heute Abend startet übrigens ein neuer Kurs bei Ars Gladii! Darin wird es um das Fechten mit dem Rapier (nach den Stücken des italienischen Meisters Salvator Fabris, der von 1544 bis 1618 lebte) gehen und ich bin schon sehr gespannt darauf. Weniger "Häuhe & Schnitte" und dafür viel mehr "Pieks", etc. etc... "modernes" Zeugs halt...
Ich bin sehr gespannt und werde berichten!
Rapiere.... wunderschöne Waffen und zum fechten etwas ganz anderes als das was ich bisher so gefochten habe! Ich selbst darf 4 Rapiere mein eigen nennen. Einer davon (der auf dem Foto unten) ist stumpf und daher zum Fechten gut geeignet. Solche Waffen wiegen ca. 950g bis 1300g, je nach Klingenstärke - und Länge und natürlich je nachdem wie "üppig" der Korb für den Handschutz ausgestaltet und umgesetzt ist. Der Schwerpunkt dieser Stücke liegt im hinteren Teil (also im Gefäß, da wo man es greift), was diese Art von Waffen sehr agil und beweglich macht. Jedoch benötigt es einiges an Übung, bis man die Spitze mit Gefühl möglichst punktgenau ins Gegenüber bringt... Aber das lernt man zügig. Trotz der guten Führbarkeit merkt man schnell das Gewicht... es zieht am Arm und an den Schultern...
Warum? Weil mal diese Waffe sehr oft gerade in Brust/Kopfhöhe vor sich hält. Zum einen um den Gegner möglichst permanent mit der Spitze (dem Ort) zu bedrohen und zum anderen um gegnerische Stiche direkt versetzen/parieren zu können. Der Korb des Rapiers dient dabei nicht nur als Handschutz, sondern -je nach Positionierung) auch als Schutzschild für den eigenen Kopf/Körper.
Was mich zu Beginn etwas gestresst hat, waren die italienischen Begriffe, die wir (richtigerweise) direkt zu den einzelnen Huten (Guardie: 1. Prima 2. Seconda 3. Terza 4. Quarta, etc...) und zum weiteren Geschehen beigebracht bekamen und uns dann auch direkt dazu bewegt haben. Sich auf die Begriffe zu konzentrieren und gleichzeitig die richtige Körperhaltung, Schrittfolge, etc. einzunehmen.... Puhh... der Hamster in meinem Kopf fiel echt einige Male aus dem Laufrad... 🥳 aber es ging dann irgenwann.
(Bildquelle: eigenes Foto)
Zwei Stunden Training mit +- 1kg am ausgestreckten Arm sind wirklich nicht Vergnügungssteuerpflichtig. Daher haben findige Köpfe bei Ars Gladii schon vor einiger Zeit leichte Dummys, bestehend aus dünnem Rundstahl aus dem Baumarkt und 3D-gedruckten Teilen (der Griff, aus zwei Teilen bestehend & der Stichschutz vorne) selbst gebaut. Die Dinger wiegen... nichts.. und sind zum Üben absolut Gold wert. Schön fand ich auch, dass sie alle gleich lang waren. Gerade zu Beginn absolut super... So hatten wir alle zumindest sehr ähnliche Grundvoraussetzungen.
(Bildquelle: eigenes Foto)
Aufgrund der nicht wirklich steifen Klinge war das Versetzen der gegnerischen Waffe natürlich etwas schwierig. Aber darum ging es zu diesem Zeitpunkt primär eigentlich auch noch gar nicht. Wichtig war, ein Gefühl dafür zu entwickeln wie der Gegner steht, wie er seine Waffe hält und wo (also an welcher Stelle des Körpers) er mich damit bedrohen könnte. Am Anfang hab ich nichts erkannt... hab aber dann schnell bemerkt das es nur sehr feine und kleine Bewegungen sind, die dafür gemacht werden müssen... Und "zack" hatte ich ein Auge dafür entwickelt und konnte mein Rapier direkt so ausrichten, dass mich die gegnerische Bedrohung nicht trifft! Zu erkennen das ich was erkenne.... das war ein erster Höhepunkt des Abends für mich. 😀
Unten sieht man das wir wir gestern gelernt haben in der originalen Quelle. Erkennen wo der Gegner einen bedroht... und dann im zweiten Schritt einen Angriff zu starten der seine Klinge zur Seite schiebt/versetzt und im gleichen Atemzug einen Stich am Gegner zu platzieren (ohne möglichst selbst getroffen zu werden). Spannend ist, dass hier die freie linke Hand zum wegschieben der gegnerischen Klinge benutzt wird und sie dafür vor dem Körper verbleibt.... für Messerfechter ein NoGo... da war die Hand dann nämlich schnell ab... beim Rapier aber wohl nicht. Spricht für das die Originale nicht sonderlich scharf waren.
(Bildquelle: eigenes Foto)
So sah das dann im Partnertraining aus. Nicht wundern... die teils unnatürlich wirkende Körperhaltung muss so.... sogar teils noch extremer... Dies diente zum einen dazu den Körper möglichst weit weg von der gegnerischen Klinge zu halten und war zum anderen wohl auch etwas ästhetisches zu dieser Zeit...
(Bildquellen für die zwei obigen Bilder: eigene Fotos)
Für mich völlig überraschend war, dass wir im letzten Drittel des Trainings bereits in voller Montur (und mit "echten" Rapieren) das Gelernte vertieft haben. Bereits schneller werdend... mit Klingen die steif genug zum Versetzen waren... und bei denen man auch die getroffenen Stiche deutlich spürte. Einfach Klasse und mein zweiter Höhepunkt des gestrigen Abends!
(Bildquelle für die beiden Fotos: Joel)