Das Sommerloch neigt sich dem Ende zu, die Veranstaltungen werden weniger, es wird Zeit den Reenactor- Winter vorzubereiten.
Eines meiner vielen begonnenen und immer noch nicht fertigen Objekte ist eine an den Epitaph des Frankfurter Ratsherren und Bürgermeisters Johann von Holzhausen (Bild aus Wikipedia.de) angelehnte Darstellung. Mantel, Schuhe, Tasche, Dolch habe ich bereits angefertigt bzw. anfertigen lassen. Darstellungszeitraum ist spätes 14. Jhdt.
Durch einen Zufall, die diesjährige Teilnahme am Militärmanöver in Bärnau führte zu einem Besuch des dortigen deutschen Knopfmuseums, lernte ich ein Dame kennen, die mir die benötigten Knöpfe (80 kleine, 10 größere) zu einem wirklich guten Preis verkaufen konnte. Jetzt steht nichts mehr dem Anfertigen der Cotte, Tunika oder wie das Oberbekleidungsstück zu der Zeit genannt wurde entgegen. Die Stoffe dafür liegen nämlich ebenfalls schon mehr als drei Jahre in meinem Stofflager. ![]()
Was das Nähen angeht bin ich nicht ganz unbegabt, doch durch die bisherigen Darstellungen war körperbetonte Kleidung bislang nicht notwendig. Das ändert sich natürlich für spätere Zeiträume. Kleidung einfach aus geraden Bahnen und Keilen zusammen setzen entspricht nicht mehr ganz der Mode.
Gerade vor der Anpassung der Ärmel mit Armkugel schrecke ich ein wenig zurück. Bei zwei Kleidern behalf ich mich für die Vorlage der Ärmel mit modernen Schnittmustern. Sie passen zwar, doch fallen sie irgendwie anders.
Kurz und gut. Die Schneiderbibel von Katrin Kania auf Anregung von Silvia hervor gekramt und ab Seite 199 eingelesen. Und da geht es mit den Fragezeichen und dem über-Bord-werfen lieb gewonnener Gewohnheiten los. Ich brauche zuerst einmal jemanden der mich komplett neu vermisst. Dann muss ich anders nähen als ich es bislang gewohnt war. Vorderseite und Rückseite unterschiedlich breit ausführen, mit mehrteiligen Stoffen arbeiten uvm.
Zuerst geht es mit dem Vermessen los. Kania schreibt zB von Armausschnitt von einem spürbaren Knochen oben auf dem Schultergelenk bis unter den Brustmuskel als halbes U ausführen. Soweit so gut. Das sind bei mir ungefähr 26 cm. Das ist schon mal ok.
Womit ich nicht klar komme ist die Schemazeichnung des Ärmels mit der Wellenlinie am oberen Rand, die beim Vernähen des Stoffes zum Ärmel die Armkugel ergibt. Wie entsteht die? Ist das willkürlich so rein gezeichnet oder gibt es dazu vorgegebene Maße? Wo kommen die her?
Und das von Kania beschriebene mehr nach vorn einsetzen des Ärmels? Macht ja Sinn, unsere Arme haben nach von mehr Bewegungsfreihet als nach hinten, mittelalterliche Kleidung wird dadurch "bucklig", doch was ist damit gemeint? Soll der Armausschnitt, also das "U" überwiegend in der vorderen Stoffbahn und weniger in der hinteren ausgeführt werden?