weitere Bildquelle zum Brettchenweben

  • Mittelalterliche Abbildungen des Brettchenwebens gibt es einige, und ich bin weit davon entfernt, einen Überblick zu haben. Immer wieder in Veröffentlichungen herangezogen werden die Abbildung aus dem Codex Manesse (abgebildet z.B. auf Aislings Seite) und im Stundenbuch von Bedford (gemeinfreie Bildquelle in den Wikimedia Commons).
    Eben fand ich gerade im Marburger Bildindex (Link =Bildquelle) noch eine weitere Darstellung in guter Auflösung:
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    Bei aller technischen Unzulänglichkeit, die sich aus dem handwerklichen Ablauf der Malerwerkstätten erklärt: Die Mönche sind nicht in die Webwerkstatt gelaufen um sich den Herstellungsprozess dort abzuschauen, sondern die Vorlage eines neues Bildes war fast immer die ikonographische Form einer älteren Abbildung. So setzen sich technische Missverständnisse fort, ganz als ob man "stille Post" spielt. Hier sind z.B. die Webbrettchen rund und haben fünf Löcher. Das widerspricht dem, was wir als quadratische Vierlochbrettchen kennen. Das Webschwert in der Hand spielt beim Brettchenweben keine Rolle, aber es ist eine Bildzutat, die das Handwerk einer Weberin für den Zeitgenossen im 14./15. Jahrhundert erkennbar macht.
    Das war die Seite der nicht stimmigen Details. Aber es gibt auch Positives: Die Spannung der Kettfäden zwischen zwei Pfosten (über die Art der Anbindung könnte man diskutieren) ist recht interessant, denn sie ist ja ebenfalls im Bedforter Stundenbuch belegt: Die Kette benötigt einen Spannungsregler, sonst wird es eng. Und ein langer, biegsamer Pfosten ist ein Spannungsregler. Nach demselben Prinzip weben wir ja auch die Anfangskette des Gewichtswebstuhls, falls sie brettchengewebt sein soll. Ein einfacher, und in der Praxis gut denkbarer Aufbau also.

  • Aaaalso ich würde das Weben mit 5-Loch Brettchen in rund nicht grundsätzlich ausschließen. Es gibt mit dem Heft 'Brettchenweberei' von Karl Stum eine Anleitung zum Weben mit runden Brettchen, die bis zu 17 Löcher haben :smiling_face: (nein, so wahnsinnig bin auch ich nicht. Das mach ich nicht) Allerdings sind die Anleiungen im Heft zahm und es wird mit max. 6 Fäden pro Loch gearbeitet.
    Und je nach Technik muss man die Borte hart anschlagen, wenn man ein schönes Ergebnis haben will. Ich habe eine Kombination aus Webschiffchen und Webschwert, allerdings ist die Fundlage dazu sehr mau.

    Wenn du noch weiter nach historischen Abbildungen suchst: Ich habe Pinterest eine kleine Sammlung zusammengestellt. Fast alles Spätmittelalter, sehr viele mit Sechslobrettchen und fast alle mit Webschwerter.

    Ich bin nett, höflich, liebenswert und zuvorkommend - aber nur wenn ich schlafe :winking_face:

    http://www.aisling.biz - meine Seite über das Brettchenweben.

  • Danke Silvia Aisling , da hast Du eine wunderbare Zusammenstellung geschaffen. Ich hatte gehofft, dass eine Diskussion über runde Webbrettchen entbrennen möge. Denn nichts ist undenkbar.
    Mir gibt die gerade Kante der quadratischen Brettchen eine Orientierung, dass alle Brettchen ihren 90°-Dreh (oder wieviel auch immer) geschafft haben, dass keiner mehr in einem unfertigen Drehpunkt herumhängt. Doch was besagt das schon? Vielleicht bin ich mit dieser trügerischen Gewohnheit völlig auf dem Holzweg? Denn die Stellung der Brettchen sagt ja noch nicht, ob "das Fach gewechselt wurde", da gerne mal Einzelfäden oben klebenbleiben, die nach unten gehören oder umgekehrt. Von da her kann ich mir schon vorstellen, dass es geht, nur nicht, dass es einen Vorteil bringt.
    Hast Du es einmal mit runden Brettchen probiert (egal mit wie vielen Löchern bespannt)? Runde Brettchen sind wieder so eine Frage, die nach praktischer Erfahrung rufen.
    Interessant auch, was Du zum Webschwert sagst: Du benutzt es zum harten Anschlagen? Meine Erfahrung sagt: eine besonders enge Verzahnung der Fäden nach dem Dreh erreiche ich durch manuelles Auseinanderreißen der oberen und unteren Fäden. Das erzeugt sehr viel Druck, aber der Druck wirkt punktuell und bei einem breiten Eintrag erzeugt das Schlenker. Daher funktioniert das in der Breite, die ein Brettchenband erreicht, aber nicht beim Webstuhl. Dort kommt das Webschwert zum Einsatz, nicht zum harten Anschlagen, sondern zum gleichmäßigen Anschlagen.

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