In den 1990er Jahren, während meines Studiums in Archäologie und Kunstgeschichte, bin ich erstmals intensiv mit historischen Handwerkstechniken in Berührung gekommen. Besonders faszinierend fand ich damals die praktischen Einblicke, die uns das kleine Museumsdorf Düppel in Berlin bot, in dem mittelalterliche Techniken lebendig vermittelt wurden.
Von der Schur der Schafe über das Spinnen und Weben bis hin zur Herstellung von Kleidung –ich war gebannt von Textilien. Verschiedene Webstühle wie der dreischäftige Trittwebstuhl, der Rundwebstuhl und der Gewichtswebstuhl kamen dabei genauso zum Einsatz wie Nadelbinden, Brettchenweben, Kammweben und Sprang. Darüber hinaus bot das Museumsdorf noch viele weitere Einblicke in mittelalterliche Fertigkeiten: vom Teerschwelen über den Hausbau bis hin zu Holzarbeiten und Töpferei.
Damals waren der Austausch und der Zugang zu praktischem Wissen weitaus schwieriger –es gab weder YouTube noch soziale Netzwerke wie heute. Unser Wissen bezogen wir hauptsächlich aus Fachliteratur und durch den Besuch spezialisierter Konferenzen wie NESAT. Heutzutage bin ich umso dankbarer, dass das Internet uns die Möglichkeit gibt, wertvolle Kulturtechniken zu teilen, weiterzugeben; und damit lebendig zu erhalten.
Nach dem Abschluss mit Schwerpunkt mittelalterlicher Stickerei gründete ich sogar ein Freilichtmuseum (existiert heute nicht mehr) und einen Verein für experimentelle Archäologie (exarc.net), was mir viele weitere spannende Einblicke verschaffte. Beruflich führte mich mein Weg dann jedoch in eine andere Richtung, und so legte ich diese Leidenschaft für eine Weile auf Eis.
Doch nun möchte ich all die erlernten Handwerke wieder aufgreifen, zumindest als Hobby. Ich freue mich auf den Austausch mit euch und darauf, gemeinsam die Vielfalt der historischen Handwerkskunst wiederzuentdecken und neue Ideen zu entwickeln!