Andenzwirnen, Kettenzwirnen, ply on the fly - wie man eine einzelne Spule oder Spindel leer bekommt

  • Silvia hat mich gebeten es hier zu erklären ich hoffe ich mach alles richtig

    Bitte denkt als erstes bei jeder dieser Methoden daran, in die eine Richtung spinnen, in die andere zwirnen!

    Das Andenzwirnen oder Zwirnarmband ist eine Methode bei der man seinen gesponnenen Faden um die Hand oder eine Halterung (auch dritte Hand) wickeln kann, und dann beginnend mit dem Anfang und dem Ende des Fadens ein zweifach verzwirntes Garn herzustellen.

    Dies hat den Vorteil das man keine 2 Spulen, Spindeln oder Knäul haben muss, bei der Variante bei der man die eigene Hand verwendet ist es aber mehr für kleinere Mengen bequem.
    Ich mache es immer am Ende vom zwirnen wenn ich nur noch auf einer Spule unverzwirntes Garn habe, so das dann gleich wieder alle Spulen ohne Rest frei sind.

    Wie man wickelt:

    man beginnt am Handrücken, am kleinen Finger vorbei nach vorn um den Mittelfinger und wieder am kleinen Finger vorbei zum Handrücken.

    Jetzt am Daumen vorbei nach vorn um den Mittelfinger am Daumen vorbei wieder nach hinten auf den Handrücken weiter zum kleinen Finger…. Usw.

    Wenn alles locker aufgewickelt ist muss man den Mittelfinger da raus ziehen und kann mit beiden Enden beginnend zwirnen.

    Am besten schaut ihr es in dem Video von Chantimanou mal an:

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    Eine andere Methode mit nur einem Faden zu Zwirnen für die, die am Spinnrad spinnen wäre das Kettenzwirnen.

    Dafür braucht man nur 2 Spulen, oder ihr wickelt den gesponnenen Faden um eine Klorolle, eine andere Art Spule, oder zu einem Knäul. (Manchmal ist ja nichts mehr frei oder man hat ein älteres Rad bei dem nur noch weniger wie 3 Spulen erhalten waren)
    Hier werden 3 Fäden miteinander verzwirnt! Und das geht so:
    Der Faden läuft wie gewohnt auf Rad durch Einzug und über den Flügel, wird aber mit einer Schlaufe an der Spule befestigt die am besten gleich groß genug ist das sie aus dem Auszug rausschaut. Durch diese Schlaufe wird nun immer der neue Faden gezogen so das eine neue Schlaufe entsteht in der Größe die einem am besten liegt, dann wieder die nächste usw.
    Genau wie eine Luftmaschereihe beim häkeln nur mit viel längeren Maschen (Oder Schlaufen).

    Diese Schlaufenkette beim entstehen gleich Zwirnen und auf die Spule wickeln. Mit etwas Übung bekommt man es ohne Rast in flüssigen Bewegungen hin.


    Mit einer Spindel funktioniert es relativ ähnlich, nennt sich aber Ply on the Fly, zwirnen im Flug.

    Auch hier verzwirnt man wieder am Ende 3 Fäden miteinander, und auseinander gedreht wäre es wieder eine gigantische Luftmaschenkette. Aber es gibt einen Zwischenschritt.

    Man könnte auch wieder eine Spindel voll spinnen und abwickeln aber hier geht es auch ein wenig eleganter:

    Man wickelt den gesponnenen Faden in eine Art extra Faservorrat auf die Spindel. Wenn Dieser voll ist wickelt man ihn sich auf die Finger von der Hand mit dem Faservorrat, nimmt eine Schlaufe von der Spindel und fängt an seine Kette zu bilden bis der Vorrat aufgebraucht ist. Das Gezwirnte Garn wickelt man an einen 2. Bereich der Spindel, sichert die letzte Schlaufe, zum Beispiel am unteren Ende des Stabes, oder einem Flügelchen bei einer Kreuzspindel, und fängt wieder an Vorrat zu spinnen.

    Man muss nur aufpassen das man wirklich in eine Richtung spinnt und die andere zwirnt. Aber man kann dabei super hübsch erkennen wie sich der Drall beim Zwirnen aufhebt.

    Bei einer Kreuzspindel sammle ich den Vorrat zum Beispiel Ober- oder unterhalb der Schildkröte.

  • Anni 25. Mai 2024 um 19:05

    Hat den Titel des Themas von „Andenzwirnen, Kettenzwirnen, ply on the fly - wie man eine einzelne Spule ohne Spindel leer bekommt“ zu „Andenzwirnen, Kettenzwirnen, ply on the fly - wie man eine einzelne Spule oder Spindel leer bekommt“ geändert.
  • Ganz Wunderbar Anni, danke schön.

    Für die Leute die nicht im Thema sind, merke ich an, das wir hier Techniken für die moderne Garnherstellung besprechen. Also Garne für moderne Handarbeiten.

    Das sind tolle Techniken die ich vor lauter historischem Zeug immer wieder vergesse. Gerade wenn man Kardenband z.B. mit Ostereierfarbe im Farbverlauf gefärbt hat (in der Microwelle fixiert) und das Band dann ausgesponnen hat, gibt das Kettenzwirnen schöne Garne.

    Bitte nicht mit Kettgarn zum weben verwechseln.

    Silvia - ohne Ypsilon :winking_face:

  • Ich weiß grade auch nicht mit Quellen zu belegen ob früher wirklich schon viel gezwirnt wurde. Ich meine es gibt Funde bei denen das Garn verzwirnt ist.

    Aber mit wie vielen Fäden… und mit welcher Technik…

    Aber für alle die es wollen und die nur eine Spindel oder nur noch ein bis zwei Spulen haben ist es toll. Bei vielen alten Spinnräder fehlen ja auch Spulen. Die kann man sich zwar nachbauen lassen bei guten Schreinern aber man will ja starten.

    Spinnräder gibt es auch erst seit dem späten Ende des Mittelalters! Sie haben sich recht langsam verbreitet da das spinnen mit Handspindeln als genauer und feiner galt. Und sie wurden sogar manchmal in den Städten richtig verboten um die Qualität der Stoffe zu gewährleisten.

    Zwirnen ist vor allem bei Techniken wie dem stricken und dem häkeln wichtig. Häkeln soll es aber erst seit dem 19. Jahrhundert geben. Beim stricken gibt es wohl auch schon mittelalterliche Funde.

    Wenn man mit einfach gesponnenen Garn strickt neigt sich das Strickstück. Daher muss es beim Zwirnen den Gegendrall bekommen.

    Es gibt auch Single die man zum stricken verwenden kann aber die sind meist sehr wenig verdrallt damit es funktioniert und vor allem angefilzt.

    Beim weben ist ein gewisser Überdrall sogar förderlich da er dem Webstück was mehr Stabilität bringt. Verzwirntes Garn ist jedoch noch stabiler.

    Grade für Seile und ähnliches ist ein Zwirnen daher wichtig, oft sogar mehrfach. Wobei es dort meine ich anders heißt 🤔

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