Ich habe mir heute ein neues Buch bestellt:
Stephen Mack: "Es musste getan werden" es beschreibt die Geschichte der Navajo Code Talker. Kurz zum Hintergrund, da die Japaner nahezu jeden Code der US Armee knackten und immer komplexere Funkcodes die Kommunikation stark einschränkten, entschied man sich zu einem ungewöhnlichen Schritt: Man warb Angehörige der Navajo als sog. "Codde talker" an. Da die Navajo Sprache nie verschriftliche wurde, war es unmöglich, diesen Code zu knacken. Sprich es wurden auf den Schiffen Navajos im Funkraum platziert und bei den Bodentruppen ebenso - die haben dann "gschwätzt wäi daham!".
Es wurden auch verbildlichte Begriffe genutzt, da es bestimmte Worte in der Navajo Sprache nicht gab:
Der Dienstgrad Captain wurde zu besh-legai-na-kih aka "zwei silberne Balken"
Das Schlachtschiff zu lo-tso aka "Eiserner Wal"
Ich hab dabei ähnliches gelesen bei den skandinavischen Kennings, in denen 2 Bildworte ein Drittes beschreiben. In der Popkultor bekannt ist is ja Theodens Ansprache im Herr der Ringe ("Ein Schwerttag, ein Bluttag" = Schlacht). Andere Kennings wären Schwertwasser für Blut, oder Wortriff für Zähne. Oder ein anderer bekannter Kenning, Beowulf, der Bienenwolf = Bär.
Durch Panzerreiter wurde ich auf das melanesische Pidgin Englisch aufmerksam, ein stark verbildlichtes Englisch, dessen Grammatik so geschrieben wird, wie es ein Deutscher hört.
Das klingt nun etwas doof, daher ein beispiel:
Aus dem englischen "talk" wird im pidgin tok, das so geschrieben wird, wie es ein Deutscher lautmalerisch schreiben würde. Der Begriff ist im Kontext mehrdeutig, "tok pisin" ist zum Beispiel die Sprach Pidgin English. "plenti tok" (plenty talk) kann je nach Kontext ein grosser Redeschwall, eine wichtige Ansage oder ein wichtiges Treffen sein. Auch hier kommen wieder "Kennings" zum Einsatz, das word "bilong" (von "belong", dazugehören) stellt dabei die Verbindung her, diese Verbindung fehlt bei den Kennings:
"gras" ist erstmal Gras (grass)
"gras bilong hed" sind Haare (grass belong to head"
"gras bilong diwai" ist Grass auf dem Baum, als Blätter. Zweige sind wiederum "han bilong diwai" - Hand von Baum
Menschen sind einfach "pipel" (people)
Mann und Frau sind "man" und "meri". Wobei dies Person (ein Mann/eine Frau), den Familienstand (Ehemann / Ehefrau) und das Geschlecht (männlich weiblich) bedeuten kann.
Wer krank ist, ist "sik", ein "sikman" ist also ein Patient und ein "sikmeri" eine Patientin (nicht verwechseln, "sitman / sitmeri" sind Lüger/Lügnerin.
daher ist "tok sit" (talk shit) auch lügen, währen "tok gianamin" (talk german) betrügen ist.
Das ganze produziert dann auch lustige Wortschöpfungen, wie "pilayi wantaim meri" (wörtlich "Sport zusammen mit Ehefrau *hüstel*).
Worauf ich aber hinauswill, wir haben ja viele solche Begriffe auch bei uns, auch zur Belustigung im anglo-säxischen Raum: Waschbär, Eichhörnchen, Dachhase.
Zu meiner Schade muss ich gestehen, dass ich über 30 Jahre braucht um zu verstehen, dass die dt. Folklore identisch mit dem englischen folk lore ist!
Wir haben auch moderne Begriffe, die Kennings sind, wie der Trenchcoat - der Schützengrabenmantel.
Bei Städtenamen ist ja z.b. leicht, meine Heimatstadt Fürth rührt wohl von locum furta, Siedlung an der Furt, ab. Oder Nürnberg / Norimberga.
Oder in anderen Sprachen gehen die Bezeichnungen komplett auseinander, die Wadenwickle, die wir wir aus dem FMA kennen, sind im UK Raum "Puttees", im US Sprachgebrauch "Gaiters". Das was im UK englisch "Gaiter" sind, sind im US Sprachgebrauch "Leggings". Und das trotz identischen Sprachstamm.
Jetzt würde mich interessieren, wie weit man die Wortbedeutungen im und deren Entwicklung über das (europäische) Mittelalter verfolgen kann. Gibt es da weitere Beispiele oder Anekdoten?