"Wolle wärmt auch, wenn sie nass ist" - woher stammt diese Floskel?

  • Mahlzeit,

    wie der Titel schon sagt, woher kommt die Floskel "Wolle wärmt auch, wenn sie nass ist"? Ich schreibe gerade an einem Artikel dazu, nur finde ich den Ursprung zu dieser Aussage nicht, es würde mich interessieren, wie dieses Dogma in die Szene kam?

    Reenactmentwebseite (multiperiod): https://www.jordheim.info/
    Outdoor & Waldhandwerk (pausiert): https://huginfell.de/
    𝒩𝓊𝓇 𝓋ℯ𝓇𝒶𝓃𝓉𝓌ℴ𝓇𝓉𝓁𝒾𝒸𝒽, 𝒻𝓊̈𝓇 𝒹𝒶𝓈 𝓌𝒶𝓈 𝒾𝒸𝒽 𝓈𝒶ℊℯ, 𝓃𝒾𝒸𝒽𝓉 𝓌𝒶𝓈 𝒟𝓊 𝓋ℯ𝓇𝓈𝓉ℯ𝒽𝓈𝓉!

  • Das ist keine Floskel, sondern eine Eigenschaft der Wolle. Wikipedia erklärt das so: https://de.m.wikipedia.org/wiki/Wolle#Eigenschaften_von_Wolle

    Wolle lässt Feuchtigkeit in Form von Tropfen abperlen und wird eigentlich gar nicht richtig nass. Dazu kommt, dass die Wollfaser Luft speichern kann und so mit einer Art Luftpolster auch in nassem Zustand noch wärmt.

    Seltsame Wortwahl und ungewöhnliche Schreibfehler: Danke Autokorrektur-KI, aber du bist dumm!

    Der Schweizer Mittelalterkalender: http://www.mirimor.ch (Quelle=Link) und der Schweizer Larpkalender: http://www.larpkaldender.ch (Quelle=Link)

  • Liebe Zauberin, ich kenne den Text, Du beziehst Dich auf diesen Part, nehme ich an:

    Wolle kann große Mengen an Wasserdampf aufnehmen. Flüssiges Wasser wird aufgrund des enthaltenen Wollfetts von der Oberfläche der Faser abgestoßen und bietet somit bis zu einem gewissen Grad Schutz vor Nässe. Die Feuchtigkeitsaufnahme kann bis zu 33 % des Trockengewichts betragen, ohne dass sich die Wolle feucht anfühlt. Außerdem leitet sie die Feuchtigkeit schneller ab als beispielsweise die viel verwendete Baumwolle. So können Stoffwindelüberhosen aus Wolle über Nacht am Kind sein, ohne dass die Feuchtigkeit aus der Überhose an die Umgebung abgegeben wird.

    Das ist generell richtig, dennoch ist der Satz "Wolle wärmt auch, wenn sie nass ist", inhaltlich Blödsinn.

    Kein Stoff wärmt, das ist eine Crux des dt. Sprachgebrauchs, dass von warmer Kleidung die Rede ist. Um zu wärmen, ist eine Exotherme Reaktion nötig. Dies ist ggf. durch Schimmelpilze hervorrufbar, aber die negativen Nebenwirkungen abwiegen da. Wir tragen keine "warme" Kleidung (neckische Klamotten mit Heizsystem außen vor), sondern Bekleidung mit ausgesprochen schlechten Wärmeleitkoeffizient. Alles, was wir tun, ist zu verhindern, dass wir mehr Wärme abgeben als wir produzieren.

    Zum Thema wie Kälte/Wärme funktioniert, verweise ich auf meinen Artikel hier:

    https://huginfell.de/2022/11/10/wie…ermt-am-besten/

    ZITAT (meines Textes von einem anderen Medium) Das Problem ist die Formulierung „Wärmt auch wenn nass“ –> Korrekter wäre „Hat keinen Isolationsverlust, wenn unter 1/3 des Eigengewichts an Feuchtigkeit aufgenommen und keine Verdunstung eintritt“ (und wer hat das Hygrometer dabei?).

    Wolle isoliert, weil bei der Verarbeitung der Wolle große Mengen Luft eingeschlossen werden. Dennoch kann ich mit Wolle maximal eine Bauschkraft oder auch Loft von wenigen Zentimeter (2-3) erreichen, bevor das Gewicht untragbar wird (daher macht der Schlafsack mit Daunenfutter, ungleich mehr Sinn als aus Wolle). Dennoch isoliert die in der Wolle eingeschlossene Luft sehr gut. Aber eben nur bis zu den magischen 33% Feuchtigkeit!

    Denn sobald der Stoff feucht ist, setzt eine Verdunstung ein. Und was bewirkt diese? Kühlung (darum wickelt man ja feuchte Tücher um Getränkeflaschen). Deswegen waren die Futter militärischer Feldflaschenhüllen auch noch im Zeitalter von Nylon und Polyester aus Wollfilz – weil leicht angefeuchtet kühlten sie perfekt!

    Um also die Isolation zu erhalten, muss die Verdunstung verhindert werden. Das heißt ergo, über die feuchte (ich werde der Einfachheit halber „feucht“ für eine Sättigung unter 1/3 oder 33% Eigengewicht nutzen) Wolle muss eine weitere, möglichst trockene, Schicht getragen werden, die idealerweise keine Feuchte aus der Wolle durch die Kapillarwirkung zieht!

    Fazit: Ja, Wolle kann einiges an Feuchtigkeit ab, aber das oft proklamierte Bild, dass man auch im strömenden Regen, bei Wind und Hagel, im Wollmantel nicht erfriert – ist leider Unfug!

    /ZITAT

    Ich bitte um Entschuldigung für die Wall of Text, wie gesagt, mir geht es um den Ursprung / den Urheber, da ich an einem, für das Hobby Mittelalter angepassten, Version meines Outdoorartikels schreibe. Inhaltlich bin ich sehr sattelfest (ich entwerfe und erprobe seit ca 20 Jahren Funktionskleidung und Schlafsäcke), nur die Herkunft wäre interessant!


    Reenactmentwebseite (multiperiod): https://www.jordheim.info/
    Outdoor & Waldhandwerk (pausiert): https://huginfell.de/
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