Friesischer Kurzmantel als Modetorheit

  • Der Mönch Notker Balbulus legte Karl dem Großen in der Gesta Caroli Magni folgende Worte in den Mund:

    "Was nützen diese kleinen Fetzen? Im Bett kann ich mich damit nicht zudecken, auf dem Pferd kann ich mich nicht gegen Wind und Regen schützen und wenn ich austreten muss zu einem natürlichen Bedürfnis, dann sterbe ich, weil mir die Beine und das Darüberliegende abfrieren."

    Hier wird eine lustige Geschichte erzählt.

    Ich will sie aber ernst nehmen. Dieser nicht wärmende Mantel wäre nämlich das ideale Kleidungsstück im Hochsommer. ;)


    Auf lateinisch wird das Kleidungsstück als Palliolum bezeichnet.

    Palliolum ist eine Verniedlichungsform von Pallium. Pallium bedeutet Mantel oder Tuch. Daher ist es absolut naheliegend hier ein rechteckiges Mäntelchen zu vermuten.


    Zuerst akzeptierte Karl der Große laut Notker diese Mäntel, weil sie ihm für kriegerische Zwecke praktisch erschienen. Sie waren wohl in Gallien schon länger üblich. Später empörte sich Karl der Große darüber, dass die Friesen das Mäntelchen genauso teuer verkaufen wie den langen Mantel. Karl soll den Handel mit den kurzen Mänteln daher kurzer Hand verboten haben.

    Interessant ist natürlich, dass neben den törichten Kurzmantel weiterhin auch noch lange Mäntel existierten.


    Zur Moorleiche von Bernuthsfeld (Ostfriesland, Datierung ca. 800 n. Chr.) gehört ein rechteckiger Mantel. Die Maße 200 cm x 170 cm passen aber offensichtlich nicht zur Beschreibung des Mäntelchen.

    Dieser großer Mantel von Bernuthsfeld würde viel mehr dem Idealbild eines guten Mantels für Karls den Großen entsprechen. Er taugt auch als Tage, Wind und Regenschutz zu Pferd oder zum Wärme des Beine und des Gemächts.

    Die bescheidene Machmart des Mantels von Bernuthsfeld ohne die von antiken Prachtmäntel bekannten Brettchenborten würde zu der Luxusverachtung passen, die Einhard und Notker dem Kaiser nachsagten.

    Das friesische Mäntelchen, um das es mir geht, war jedoch ein Luxusprodukt, also irgendwie ganz anders als der bescheidene friesische Mantel von Bernuthsfeld.


    Friesische Mäntel "Pallium Fresonicum" (ohne Verniedlichung) werden auch anderweitig in den Schriftquellen erwähnt.

    Karl der Große soll laut Notker einen friesischen Mantel von grauer, roter und blauer Farbe an Kalif Harun ar-Raschid verschenkt haben. Das erinnert schon an Hans im Glück, wenn man bedenkt, dass Karl einen lebenden Elefanten vom Kalifen geschenkt bekam.

    Ludwig der Fromme schenkte selbst seinen geringsten Männer am Hof bunte bzw. gestreifte friesische Mäntel. Die höheren Ränge erhielten Waffen und Gürtel.

    Die Bezeichnung kommt wohl daher, dass diese Mäntel von den Friesen gehandelt wurden, die damals den Fernhandel an der Nordsee und am Rhein dominierten. Ob die Tuche auch in Friesland hergestellt wurde, bleibt unklar.


    Umsetzung:

    In Anlehnung an den Fund von Bernuthsfeld plane ich den Mantel aus einem Fischgrätmuster zu schneidern und mit einem Fransenabschluss zu verzieren.

    Den Mantel plane ich einlagig, was die Verwendung als Bettdecke bereits unmöglich. Die einlagige Konstruktion erleichtert auch das Anbringen der Bebänderung für den Verschluss. Die Schnüre halte den Mantel zusammen, die Fibel ist nur Zierde.

    Als dekadente Verzierung plane ich einen Besatz aus roter Seide in Form eines Tablions sowie aufgenähte Kreuze in Anlehnung an das Seidenkreuz von Oberflacht.

    Ich hadere noch mit der Länge des Mantels. Notkers Beschreibung deutet daraufhin, dass der Mantel noch oberhalb des Schritts endet, sodass man unten rum friert. Das scheint mir aber doch etwas übertrieben. Knielang scheint mir schon kurz zu sein. Hat vielleicht noch jemand eine Idee?

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