Beiträge von Adgandestrius

    Ich bin schwer beeindruckt. Die Karolingerzeit ist eher ein schwieriges Thema und bei Unfreien wird es noch schwieriger guten Input bei der Recherche zu finden. Das Ergebnis finde ich sehr beeindruckend und das Literarturverzeichnis vorbildlich.

    Ein grundlegendes Problem ist, dass frühmittelalterliche Autoren wie Einhard in erster Linie die Kleidung von Königen, Bischöfen, Heiligen etc. beschreiben und sich damals irgendwie niemand für einfache Freie oder gar die Unfreien interessiert hat.

    Zum Kontext der königlichen Leinenhose bei Einhard gehört, dass Einhard diese Kleidung Karls für bescheiden und typisch fränkisch hielt und von byzantinischer Prunkkleidung abgrenzte. Interessant ist, dass laut Notker dem Stammler Karls Leinenhose von scharlachroter Farbe war. Auch bei Leinen gab es sehr verschiedene Qualitätsstufen. Ich gehe nicht davon aus, dass Kaiser Karl eine ungefärbte Leinenhose trug. Ungefärbtes Leinen ist für einen Unfreien sicherlich angemessen.

    Aus römischer Zeit sind verschiedene Kapuzenmäntel bekannt. Neben der paenula existieren jedenfalls noch die Begriffe cucullus und caracalla. Was der Unterschied zwischen den Kleidungsstücken sein könnte ist mir nicht klar. Mit dem Kapuzenmantel war jedenfalls ein niedrigerer sozialer Status verbunden. Jedenfalls sehen Feldherrenmäntel anders und als Kaiser "Caracalla" in einem gleichnamigen Kleidungsstück herumlief, wurde er von der Nachwelt dafür verspottet.

    Die Kleidung von Mönchen im frühen Mittelalter steht durchaus in Tradition dieser Mäntel.

    Die Einschätzung des taz-Journalisten, dass die Filmrepliken aus "Der Herr der Ringe" aufgrund von § 42a WaffG verboten seien, ist, glaube ich, eine Verwechslung. Die Einordnung als Hieb- und Stichwaffe oder Anscheinswaffe etc. ist gar nicht notwendig, um in der Waffenverbotszone verboten zu sein.

    Anders als der Name "Waffenverbotszone" nahelegt, sind in dieser Zone nicht nur Waffen (im Sinne des deutschen Waffengesetzes) verboten, sondern auch Messer "jeglicher Art" (Klingenlänge spielt keine Rolle!) und gefährliche Gegenstände wie z.B. Baseballschläger, die als Gewalt und Drohmittel verwendet werden können. Ob jetzt die Filmrepliken als Waffen im juristischen Sinne gewertet wurde, ist in der Waffenverbotszone fast schon nebensächlich.

    Ein aktueller Fall aus Hannover:

    Der Hauptbahnhof Hannover ist offiziell "Waffenverbotszone". Ein Fahrgast hat auf einem Mittelaltermarkt ein Dekoschwert und einen Dekodolch gekauft (Repliken zum Film "Der Herr der Ringe") und und will mit den Dekowaffen im Gepäck per Bahn nach Hause fahren. Bundespolizisten beschlagnahmen die Filmrepliken und leiten ein Ordnungswidrigkeitsverfahren ein.

    https://www.ndr.de/nachrichten/ni…nover-2922.html

    https://taz.de/Waffenverbot-am-Hauptbahnhof/!6199984/

    Für das alte Testament fand ich das Buch "Keine Posaunen vor Jericho. Die archäologische Wahrheit über die Bibel" von Israel Finkelstein und Neil Asher Silberman gut verständlich und fundiert. Da geht es aber um archäologische Funde und den großen politisch-historischen Kontext der Entstehung nicht um Wortklaubereien zu einzelnen Versen.

    Die genaue Entstehungszeit der einzelnen Bücher ist hochgradig umstritten, für die 5 Bücher Moses z.B. 1000 v. Chr. - 200 v. Chr. Eine einfache Lösung gibt es da nicht.

    Laut dem Museumskatalog "Regenburg im Mittelalter" weist dieser Innenschuh zahlreiche Flicken auf, wurde also mehrfach repariert und folgerichtig auch oft getragen.

    Die Lederschuhe stammen vom gleichen Fundort: Altes Rathaus Regensburg

    Jetzt zum Mann mit dem Langsax:

    https://digital.wlb-stuttgart.de/sammlungen/sam…e3045eab8bdeef8

    Die Abbildung illustriert zwar Psalm 7,16-17 "Er hat eine Grube gegraben und ausgehöhlt und ist in die Grube gefallen, die er gemacht hat. Sein Unrecht wird auf seinen Kopf kommen und sein Frevel auf seinen Scheitel" - allerdings als Allegorie auf das Neue Testament. Konkret abgebildet ist der Verrat an Jesus durch Judas, die Verhaftung Jesu durch die Schergen des Hohepriesters und der anschließende Selbstmord des Judas.

    Der Mann mit dem Langsax ist also ein Scherge des Hohepriesters, wahrscheinlich sogar Malchus selbst. Es handelt sich um eine der neutestamentlichen Figuren mit dem mit Abstand geringsten Ansehen.

    Project Forlog liefert eine ganz andere Deutung zu dem Teil am Gürtel. Hier wird es als ein kleines Messer gedeutet, dass vertikal am Gürtel befestigt sein soll.

    Aufgrund des geringen Detailierungsgrads dieser Buchmalerei würde ich sagen, es bleibt dabei: Wie Sie sehen, sehen Sie nichts.:winking_face:

    Im Suttgarter Psalter gibt es nur wenige Abbildung von Männern, bei denen vielleicht Riemenzungen sichtbar sind.

    Link zur Online Version des Stuttgarter Psalters - Cod.bibl.fol.23 [12] - 4v:

    https://digital.wlb-stuttgart.de/sammlungen/sam…9f575c133de5039

    Bei Project Forlog werden die beiden runden Teile als Riemenzungen des Schwertgurtes gedeutet.


    Ansonsten liefert der Artikel eine umfangreiche Sammlung von Abbildungen von Gürteln und ihren Anhängseln in der frühmittelalterlichen Kunst:

    Potential Belt Pouches in the Hitda Codex - Projekt Forlǫg (vikingove.cz)

    Ohne wirklich Beleg:

    Ich selber habe an meinen Mantel einen Zierstreifen angesetzt (siehe Foto). Diese kammgewebte Borte aus Wolle habe ich fast unsichtbar mit einer Art Matratzenstich direkt an die Webkante des industriell hergestellten Wolltuchs angesetzt. Auf der Rückseite sieht die Naht ganz genauso aus und die Borte ist daher von beiden Seiten sichtbar. Die Fransen habe ich einzeln mit einer Schlinge (doppelter Ankerstich) angesetzt.

    So wurde das in der Eisenzeit oder im Frühmittelalter wahrscheinlich nicht gemacht, aber wenn man sich das Tuch nicht direkt unter die Nase, sind die weißen Leinenfäden des Matrazenstichs kaum erkennbar und auf den ersten Blick sieht es aus wie angewebt.

    Bildnachweis: eigenes Foto

    Ich war jetzt nur am Samstag da.

    Mein Fazit:

    Das Gelände ist wunderschön, das Mittelalterhaus mit viel Liebe zum Detail eingerichtet.

    Es war ganz interessant auf ein paar Leute zu treffen, die ich vorher nur aus dem Forum kannte. Ich hatte ein paar spannende Gespräche.

    Das Essen war sehr gut und reichhaltig. Ich hatte noch nie zuvor so ein reichhaltiges und vielfältiges Buffet ganz nach Art des Mittelalters.

    Der einzige Rechteckmantel mit Naht ist der aus Rendswühren (Römische Kaiserzeit). Hier wurde aber keine Verzierung angesetzt, sondern wahrscheinlich nur eine abgenutzte Stelle des Mantel rausgeschnitten und der Rest wieder mit einer Naht verbunden.


    Im merowingerzeitlichen "Fürstengrab" von Greding-Großhöbing wurde Reste von Goldbrokat gefunden, die als Mantelabschluss gedeutet wurden. (Die Deutung als Tunikaabschluss erscheint mir allerdings plausibler.) Also einfach überall Goldbrokat draufsticken.😏

    Leinen bietet einige Vorteile. Es ist viel günstiger als Leder und auch viel einfacher zu verarbeiten. Außerdem ist Leinen sehr pflegeleicht.

    Die Nachteile wurden schon genannt: Leinen verformt sich leicht und ist nicht wasserabweisend.

    Vor ein paar Jahren habe ich mir eine Handtasche aus Leinen genäht. Es waren Stoffreste, von der Tunikaherstellung. Das Gurtband aus Leinen ist aus dem Versandhandel.

    Das optische Vorbild dafür stammt tatsächlich aus der Spätantike bzw. Frühmittelalter, nämlich Fresken der Heiligen Kosmas und Damian. Konkretes Vorbild meiner Tasche ist ein koptisches Fresko aus dem 6. oder 7. Jahrhundert, Link zum British Museum. Eigentlich habe ich nur die Trapezform der Tasche und den dreieckigen Deckel übernommen. Der überlange Zipfel am Deckel ist eigentlich nur ein Nähfehler, den ich nie behoben haben. Auf dem Fresko ist der Riemen offensichtlich viel kürzer und die Taschen werden von den Heiligen Ärzten im Ellbogen getragen. (Hendrik sucht bestimmt noch eine Arzttasche!)

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    Bildnachweis: eigenes Foto

    Die Trapezform bietet den Vorteil, dass Gegenstände nicht so leicht herausfallen können. Ich habe auch den Eindruck, dass die Seitennähte dadurch weniger belastet werden. Der Taschenkörper besteht aus nur einem Stück Leinenstoff, dass dreimal gefaltet wurde. Ich habe keine Seitenteile eingesetzt.

    Die Schwachstelle sind die Nähte, die das Leinengurtband mit der eigentlichen Tasche verbinden; hier musste ich schon mal eine angerissene Naht wieder nachnähen. Diesen Stelle werden durch die Schwerkraft besonders stark belastet, wenn die Tasche befüllt ist. Ansonsten bin ich mit der Taschenkonstruktion zufrieden.

    Im Grunde ist über den Old Copper Complex nicht so viel bekannt. Es handelte sich um eine Kultur ohne Keramik und Landwirtschaft, wahrscheinlich nicht sesshaft. Abgesehen von der Kupfernutzung entspricht sie der Mittelsteinzeit in Europa. Über nachfolgende Kulturen in Nordamerika ist viel mehr bekannt, weil sie archäologisch viel mehr Spuren hinterlassen konnten wegen höherer Bevölkerungsdichte, Häusern, Keramik, Landwirtschaft usw.

    Danach wurde Werkzeuge und Waffen eben nur noch aus Stein, Knochen, Geweih etc. hergestellt. Jene Werkstoffe sind auch nie aus der Mode gekommen.

    Gerade in der europäischen Kolonialzeit ist Kupfernutzung durch Ureinwohner sofort aufgefallen. Die jeweiligen Gruppierungen wurden von den Europäern gleich danach benannt, vgl. Copper Inuit und Yellowknives.

    Das spannende an der Magonia-Verschwörung ist, dass sie wirklich sehr originell ist. Bischof Agobard von Lyon fabuliert hier nicht als Stubengelehrter und legt den Bauern aufgewärmte Hokuspokus-Geschichten aus der Bibel oder Vergil in den Bund. Die wirre Geschichte über Luftschiffe aus Magonia war völlig neu.

    In Römischer Zeit gab es Gerüchte über das Christentum, die einer Verschwörungstheorie gleichen. Der Geheimbund würde sich nachts treffen, sich gegen den Staat verschwören, Inzest und Kannibalismus praktizieren. Dann warf Nero den Christen auch noch vor, sie hätten 69 n. Chr. Rom angezündet haben.

    Dass Nero selbst Rom angesteckt haben soll, ist dann gleich die nächste Verschwörungstheorie.

    Gerade bei den Ureinwohners Nordamerikas gab es reichlich merkwürdige Erscheinungsformen der Metallverarbeitung. An einigen wenigen Orten kommt dort Kupfer oder Eisen fast in Reinform vor, muss nicht verhüttet werden und kann anschließend komplett kalt bearbeitet werden.

    Auf Victoria-Island in der kanadischen Arktis kommt nahezu reines Kupfer natürlich vor. Die Ureinwohner, sogenannte Cooper-Inuit, stellten aus Kupfer Werkzeuge und Jagdwaffen in großer Zahl her.

    In Nord-Grönland finden sich Trümmer eines stark eisenhaltigen Meteors (Cape York Meteorit). Die dortigen Inuit und ihre Vorgängerkulturen fertigen aus dem Meteoreisen über mehr als 2000 Jahre Werkzeuge und Jagdwaffen her. Eisen wurde dort also schon vor der Entdeckung Grönlands durch die Wikinger verarbeitet und die Eisenverarbeitung blieb von den nordischen Siedlern unbeeinflusst.

    Die Entdeckung der Metalle durch einzelne Jäger-Gruppen hatte jetzt keinen großen kulturellen Einfluss. Einige Inuit-Gruppen nutzen ganz selbst verständlich Metall, handelten teilweise, andere Gruppen hatten einfach gar kein Metall und mussten mit Steinklingen vorlieb nehmen. Kupferzeit, Eisenzeit oder Steinzeit sieht in der Arktis fast gleich aus.

    Noch rätselhafter ist die Old Cooper Culture in der Great-Lakes-Region. Auch hier konnte natürlicherweise fast reines Kupfer von Jägern und Sammlern abgebaut und verarbeitet werden. (Landwirtschaft mit Mais wurde zu der Zeit in der Region noch nicht betrieben.) Zu einem sehr frühen Zeitpunkt (Weltrekord?) begannen Menschen hier aus Kupfer qualitativ hochwertige Werkzeuge und Waffen herzustellen, haben aber nach ein paar Jahrtausenden einfach wieder damit aufgehört. Später wurden nur noch Schmuckstücke und Kultgegenstände aus dem dortigen Kupfer hergestellt.