Vorschlag einer Alamannischen Gürteltasche, spätes 5. Jh.

  • Ave liebes Forum,

    als meinen ersten "richtigen" Beitrage möchte ich euch gerne meinen Vorschlag einer alamannischen Gürteltasche aus dem späten 5. Jh. vorstellen. Ich freue mich sehr über eure Gedanken dazu.

    Dass die Germanen so allerhand in ihren Gürteltaschen bei sich hatten, ist bekannt. Gerade die weniger vergänglichen Dinge wie Dreilagenkämme, Toilettenbesteck und Feuerzeug sind in den Gräberfeldern häufig zu finden. Ein deutlich größeres Rätsel stellt die Gürteltasche selbst dar, da häufig lediglich die Schnallenfragmente erhalten blieben. Für die Form meiner Tasche habe ich mich recht stark an dem Fund aus Oberflacht orientiert, wo zumindest eine hölzerne Deckplatte gefunden wurde und auf eine Nierenform schließen lässt. Ein charakteristisches Merkmal der Funde aus dem späten 5. Jh. ist der sogenannte Taschenbügel. Teils war dieser besonders kunstvoll gearbeitet (z.B. Schleitheim), teils war er aber auch schlicht (z.B. Neresheim, Grab 45) und wies sogar Gebrauchsspuren auf, weshalb vermutet wird, dass er auch zum Feuerschlagen verwendet wurde. Wie er an der Tasche angebracht war, ist mir nicht bekannt. Ich habe mich für meine Variante so entschieden, da ich ihn sichtbar haben wollte (woraufhin auch die prunkvollen Stücke deuten) und er sollte gleichzeitig die Schließe meiner Tasche sein. Außerdem sollte er leicht zu entfernen sein, um ihn als Feuerschläger einsetzen zu können. Ich habe mich für eines der schlichten Vorbilder entschieden und den Taschenbügel nach Grab 82 aus Basel-Kleinhüningen gemacht.

    Alle sichtbaren Nähte habe ich mit der Zickzack förmigen Punktstich-Naht, wie sie an der Saxscheide aus dem Augsburger St. Ulrich und Afra nachweisbar ist, gemacht. Farolfus hat dazu eine schöne Beschreibung gemacht: Langobard seax sheath – farolfvs me fecit. Die innenliegenden Nähte habe ich als Sattlernähte ausgeführt. Als Zwirn habe ich gewachstes Leinengarn verwendet.

    Messer und Messerscheide habe ich fest in die Tasche integriert, wofür ich leider keine Belege außer der Lage im Grab einiger Messerklingen habe. Es erschien mir aber sinnig, da ich so schnell drankomme und ich kein extra Teil am Gürtel hängen habe. Der Innenteil der Scheide ist aus Rohhaut, was einerseits die Leder-Naht schützt und andererseits das Messer festhält, sodass es nicht herausfallen kann. Die Steifigkeit der Rohhaut konnte ich so ausnutzen, dass das Messer durch seine Griffform quasi einrastet.

    So sieht das gute Stück von vorn aus:

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    ...und so von der Rückseite

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    Nochmal von vorn und geöffnet

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    (Quelle : eigene Bilder)

    Salve Dagobert

  • Schöne Arbeit. :thumbup:

    Für die Form meiner Tasche habe ich mich recht stark an dem Fund aus Oberflacht orientiert, wo zumindest eine hölzerne Deckplatte gefunden wurde und auf eine Nierenform schließen lässt.

    Hast Du zufällig Infos welches Grab das in Oberflacht war?

    Allen Menschen recht getan, ist eine Kunst, die niemand kann.

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