08/15 Standart vs. Ausnahmereenactment

  • So, motiviert anhand der Diskussion die im Thread über Hutmode entstanden ist möchte ich hier mal die Frage bewusst zur Diskussion stellen.

    Wie steht ihr zur Darstellung anhand von Quellen die Ausnahmen, Einzelstücke oder seltene Interpreationen angehen?

    Hier ging es als Beispiel um einen Jagdhut welcher im Falkenbuch für das mittelere 13. JH belegt ist aber eben norditalienische Mode darstellt. Logischerweise wäre aber ein einsickern grade in (hoch-)adelige Darstellungen der Zeit denkbar da Verbindungen zwischen Deutschland und Norditalien grade in diesem Stand unbestritten sind.

    Das soll aber nur ein Beispiel sein. Denkbar wäre ja auch die Gugel für Frauen, Knöpfe an Kleidung vor 1280 oder der heilige Gral versteckt im Stroh des Stadtbauern... Wie steht ihr dazu, was geht und ab wo wird es zu wirr.

  • Generell sind wir doch alle etwas wirr, sonst würden wir hier gar nicht mitmachen, lol.

    Mich persönlich stört manchmal einfach dieses dogmatische: So ist es richtig und so nicht, etwas.

    Auch der adlige Herr war mal abgebrannt, hat alles Verhökern müssen und sieht nun ganz anders aus. Der Bauer hat sich heimlich auf dem Schlachtfeld etwas unter den Nagel gerissen was nicht ganz seinem Stand entspricht.

    Gerade wir hier in der Schweiz haben früher massiv Beute gemacht und Zeug ergattert, das nie und nimmer dem Stande entsprochen hätte.

    Klar manches hat man möglichst schnell zu Geld gemacht damits nicht auffällt.

    Wenn man die ganzen Bewegungen auch im HoMi btrachtet, wer wann durch ganz Europa bis Nahost gezogen ist und natürlich allem was rundherum war keinen Blick würdigte.....

    Oftmals denke ich, vielleicht sehen wir manches ein bisschen zu starr.

  • Ich gebe dir das zum Teil Recht. An sich ist es sicherlich viel häufiger anders gewesen als wir es nach unserer heuten Auffassung als "Norm" deklarieren.

    Ich versuche immer das ganze mal aus der zukünftigen Perspektive eines Reenactors 2823 zu sehen der die Zeit vor 800 Jahren erleben will. Mal abgesehen von der für ihn sicherlich deutlich besseren Quellenlage, wird er trotzdem seine liebe Not haben einen Beleg für jede Turnschuhmarke, jede Karosserieform oder jeden Druck/Stick auf einer Kappe zu finden. Und bloß weil man kein Nike Pulli mehr gefunden hat gab es ihn doch auf diesem einen Kaufland-Prospekt der 2788 gefunden wurde im Altpapier eines Haushaltes in Berlin-Neukölln. Also hat man wohl in Berlin Nike-Pullis getragen aber in Bayern immer Lederhosen mit karierten Hemden weil das wurde in München auf der Ausgrabungsstätte Theresienwiese gefunden. Ich denke man versteht was ich meine oder?

    Aber eine ganz andere Frage ist ja, darf ich alles was theoretisch möglich ist ohne weitere Erklärung für eine Darstellung verwenden? Und da sehe ich es anders. Wenn ich es verwenden will muss ich es belegen können oder zumindest ohne 8 Umwege was hätte sein können nachvollziehbar machen.

    Sprich ich habe keinen Fund eines Skalpelles aus 1280-1290, aber die Form war 300v. Chr, 900 n.Chr und 2020 n.Chr mehr oder weniger gleich. Also kann ich daraus eine Interpretation für 1288 machen. Was ich aber nicht kann ist eine Opiumschwamm-Maske aus dem Raum des heutigen Syrien die auf 1390 datiert ist für Mitteldeutschland 1288 nutzen

  • Dieses Thema enthält 29 weitere Beiträge, die nur für registrierte Benutzer sichtbar sind.

Jetzt mitmachen!

Sie haben noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registrieren Sie sich kostenlos und nehmen Sie an unserer Community teil!