Fragen und Erfahrungen zu Umhängetaschen aus Leinen?

  • Ganz bestimmt hat sich jemand von Euch schon mal eine der klassischen, über der Schulter getragenen Umhängetaschen mit Klappe genäht und dazu Leinenstoff verwendet.

    Wie ist Eure Erfahrung damit? Habt Ihr besonders dickes Material verwendet, oder die ganz 'normale' Stoffqualität für die Leibwäsche?
    Habt Ihr eine einfache Lage genommen, oder doppelt?
    Habt Ihr den Stoff irgendwie behandelt, damit er robuster und/oder wasserabweisender wird? Vielleicht Imprägnierung mit Wachs?
    Welche Art von Nähten habt Ihr genutzt?
    Womit verschließt bzw. sichert Ihr die Klappe? Reine Schwerkraft / gar nicht? Riemen und Schnalle? Bänder?
    Wie groß oder klein sind Eure Umhängetaschen? Und wie ist Eure Erfahrung mit der Stabilität und Tragkraft?

    Hintergrund: Für die Römerzeit gibt es zwar vergleichsweise viele bildliche Darstellungen, aber nur wenige Funde.
    Die meisten davon aus Leder, und die Textilfunde von Taschen kann man wortwörtlich an einer Hand abzählen.
    Deswegen hätte ich gerne mal ein paar Erfahrungswerte und Orientierungspunkte von Euch.

  • Vier Stück bislang in unterschiedlichen Größen von 25 bis 35 cm Breite. Die "besseren" Modell sind aus AINA- Stoff von Ikea (gibt es nicht mehr) und feinerem Sackleinen. Weniger ansprechend, weil zu labberig, sind die aus Bekleidungsleinen. Klappe ist bei meinen Modellen allein durch "Schwerkraft" geschlossen, der Tragegurt ist ebenfalls Leinen.

    Mein Fazit: es gibt nichts Unpraktischeres als diese Art der Tasche. Zu viel drin beult sie, man findet nichts drin, es fällt ab und an mal was raus und die Klappe ist im Großen und Ganzen nutzlos. Zudem ist sie, egal aus welchem Stoff, viel zu weich, hängt durch, schließt nicht richtig (erwähnte ich die Klappe schon?).

    Lösung 1: es fehlt eine Versteifung am oberen hinteren Rand in Form einer im Stoff eingearbeiteten Holzleiste. So wird das Ding stabiler, behält seine Form, die Klappe ist nicht ganz nutzlos.

    Lösung 2: man setzt vorn und hinten eine hölzerne Leiste ein, dafür muss mit einem breiteren Steg zwischen Vorder- und Hinterteil gearbeitet werden. Also eine große Stoffbahn für Hinter-/ Vorderteil u. Klappe, eine Stoffbahn für Zwischenteil und Tragegurt. Vorteil: Tasche ist richtig stabil, Klappe schließt super.

    Lösung 3: lass Tasche Tasche sein und nimm, wenn es möglich ist, einen Tragesack. Stoffbahn als Schlauch zusammen nähen, in der Mitte einen ca. 40 cm langen Eingriff lassen, den Schlauch so falten, dass der Eingriff mittig liegt und die Enden vernähen. Als nützlich hat sich die Verstärkung der Enden des Eingriffs mit zusätzlich aufgenähten Stoffstücken bewährt.

    Vernäht entweder mit der Nähmaschine (wenn es schnell gehen muss) oder mit Rückstich von Hand. Wird sowieso gewendet, man sieht die Nähte nicht. Eingriff mit Schlingstich veräubert.

    Der Schlauch ist mittlerweile meine "Lieblingstasche". Eine Seite der moderne Kram, andere Seite was man auf einer VA halt so braucht.

  • Danke für den Erfahrungsbericht. Genau diese Labberigkeit habe ich auch befürchtet. Ich meine, wir wissen ja alle, wie instabil so ein Stoffbeutel ist...

    Gibt es für die Stabilisierung irgendwo einen Beleg? Erstmal nur grundsätzlich, und Regions- und Epochenübergreifend?

    Moderne Taschen haben oft hinten ja auch entweder eine flächendeckende Einlage mit eingenäht, oder an den Kanten eine Verstärkung.

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