Projekt: Römischer Gladius

  • Es startet das nächste größere Projekt - ein Gladius samt Scheide. Vorbild für letztere wird die Grabstele des Annaius Daverzus aus Bad Kreuznach sein. Warum genau die, erkläre ich später, wenn es soweit ist. Der Gladius selbst wird als Typ Mainz gestaltet, weil das gut zu meiner zeitlichen Darstellung passt.

    Ich habe eine gute Zeit lang hin und her überlegt, ob ich den Gladius mit Stahlklinge rekonstruieren soll oder nicht. Als einziger Grund dafür wäre der Schaukampf gewesen. Dafür würde ich mich aber niemals auf eine selbst hergestellte und gehärtete Klinge verlassen, somit kam das nicht in Frage.

    Also habe ich mich dafür entschieden, einen Holz-Gladius zu fertigen, mit originalgetreuem Griff und Scheide, so dass er beim Tragen im Rahmen der Darstellung passt.

    Vor etlichen Monaten hatte ich die Skizze auf Pappe schon mal in der Rubrik 'woran arbeitet Ihr gerade' gezeigt. Jetzt am Wochenende habe ich die aus einer Ecke hervor gezogen und die dicke Staubschicht runter gepustet 😏

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    Als Material habe ich ein Brett aus Buche gewählt,10mm dick für ausreichende Stabilität. Daraus habe ich die Form der Klinge gesägt, 60mm breit, 50cm lang, den 'Erl' rund 20mm breit, damit der Griff darauf gut hält. Die Kanten habe ich etwas flach geschliffen und abgerundet.

    Für Handschutz und Knauf habe ich Kugeln aus Holz besorgt, auch wieder Buche. Die Kugel für den Handschutz habe ich zuerst halbiert. Mangels Bandsäge per Hand, was bei Buche in echte Arbeit ausartet... Danach habe ich sie oben abgeflacht, um sie der üblichen Form bei einem Gladius anzupassen.

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    Im sie auf den Erl stecken zu können, habe ich mittig mehrere Löcher gebohrt, und die Aussparung per Stechbeitel und Feile erweitert. Die Öffnung ist mir ein wenig groß geraten, aber das gleiche ich bei der Montage später mit kleinen Keilen aus.

    Der Knauf hat auch eine passende Aussparung bekommen, die auf die gleiche Weise entstanden ist. Zusätzlich habe ich sie noch der Länge nach durchbohrt, damit ich alles am Ende noch mit einer Schraube sichern kann.

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    Der Griff besteht bei fast allen Gladii aus Knochen. Allerdings gibt es auch einzelne Exemplare aus Holz, wie beispielsweise eines aus Vindonissa, das aus Kirschholz gefertigt ist. Perfekt, da Holz damit belegt ist, habe ich meinen Griff aus Buchenleisten zusammen geleimt, mit einer Rundfeile auf allen vier Seiten die vier Vertiefungen für das typische Griffprofil eingearbeitet, und alles fein abgeschliffen. Die Leisten haben leider leicht unterschiedliche Farben, aber da der Griff später gebeizt wird, ist das nicht schlimm.

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    Lose zusammen gesteckt kann man schon mal erkennen, was es werden soll 😊

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    Als nächstes wird der Übergang vom Griff zum Knauf angepasst und dann die Muster in Handschutz und Knauf geschnitzt.

    Bildquellen: alles eigene Bilder

  • Ohoh, mach dich darauf gefasst, dass die Eltern begeisterter Kinder demnächst bei dir Schlange stehen, um genau so ein Holzschwert für ihre Kleinen kaufen zu wollen!

    Alexander der Große durchtrennte den Gordischen Knoten mit einem Schwert. Wer das nicht mag, muss sich etwas anderes überlegen oder mit dem Knoten leben.

  • Als nächstes habe ich mir Gedanken über die Scheide gemacht.

    Da die 'Klinge' schon recht massiv ist, kann ich nicht einfach noch eine klassische Holzscheide darum herum bauen. Die wäre dann unnatürlich dick und auch viel zu breit, kam also nicht in Frage.

    Also habe ich ein dünnes Eisenblech genommen und im Grunde einfach um die 'Klinge' herum gefaltet. Wobei das 'einfach' sehr relativ ist, da bei einem halben Meter Länge selbst dünnes Blech ziemlich widerspenstig und steif wird. Waren insgesamt gut zwei Stunden biegen, hämmern, wieder aufbiegen, weil die Seiten zu eng wurden, das innere Blech sich nach innen bog, wieder zusammen falten, neu formen, und und und. Und ja, vielleicht habe ich dabei auch ein wenig geflucht. Wenigstens bin ich dieses Mal unverletzt geblieben, trotz sehr scharfkantigem Blech 😜

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    Ursprünglich wollte ich die Kanten über die komplette Länge verlötet. Da ich es aber nicht mal ansatzweise hinbekommen habe, die Kanten auf ein lötbares Spaltmaß anzunähern, musste ich den Plan verwerfen. Also habe ich das Ganze einfach mit Panzertape fixiert. Sieht hinterher eh niemand, weil alles mit Leder überzogen wird und noch Beschläge bekommt.

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    Auch wenn es jetzt anders gelaufen ist als geplant (und in diesem Zustand pottenhässlich ausschaut), bin ich einen guten Schritt weiter gekommen, und die Proportionen der Scheide passen. Sie bietet einen stabilen Kern für den Lederüberzug.

    Parallel dazu habe ich eben vor dem Fernseher auch noch die Muster für Handschutz und Knauf aufgezeichnet. Das Schnitzen kommt in den nächsten Tagen irgendwann dran.

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