Färbepflanzen im (Früh-) Mittelalter

  • Hallo ins Rund

    Dass das Mittelalter bunt war, ist leider noch nicht überall bekannt. Und erst recht nicht womit gefärbt wurde.

    Was gehört auf zu den gebräuchlichen Färbepflanzen neben Reseda, Krapp und Waid?
    Walnuss auch, die Purpurschnecke ebenfalls (wenn auch nur für hohe Würdenträger auf Grund des Herstellungsaufwandes) Indigo noch nicht im Frühmittelalter. Cochenille nicht, die wurden aus Südamerika eingeführt, dafür aber die Kermeslaus.

    Wie steht es mit Nachweisen für Birkenblätter, Faulbaum, Bartflechte etc?
    Was gehört eurer Meinung nach unbedingt in eine Aufzählung dazu?

    Da es ja gemusterte Stoffe gab, wurden die Garne gefärbt, oder die unversponnene Wolle?

    Habt ihr da noch gute Literaturtipps?

    Danke und LG

  • So weit ich weiß gab es im Norden Walnuss nur als Importware. Der Baum wächst in dem rauen Klima nicht und es ist auch nicht DIE Farbe die man unbedingt haben muss. Walnuss sehe ich als eine kleine Leute Farbe. Damit wäre für mich Walnuss für die nordischen FrühMis eher unwahrscheinlich.

    Bist Du mit dem Waid sicher ? Ich meine das war schon in der Bronzezeit nachgewiesen,

    Schweppe wirst Du kennen, ein Buch von alten Farben und die NESAT Bände sind für Textil Nerds unverzichtbar finde ich.

    Silvia - ohne Ypsilon :winking_face:

  • Inga Hägg schreibt ein wenig was zu den Farben und den verwendeten Pflanzen, die man nachgewiesen hat. Da ist die Bandbreite allerdings leider sehr überschaubar und deckt sich im Grunde mit dem, was Du genannt hast.

    Und genau da kommen wir an den Punkt, wo jeder für sich zwischen 'streng authentisch nach Fundlage arbeiten' und 'war möglich und wäre plausibel, ist aber nicht nachgewiesen' entscheiden muss.

    Als Beispiel die von Dir genannte Birke. Mit deren Blättern lässt sich ein super geniales Gelb färben, intensiv, satt, knallig, sogar in Kaltfärbung, und das völlig problemlos und ohne den sonst bei Kaltfärbung entstehenden Intensitätsverlust. Man muss dafür auch nichts gezielt anbauen, sondern nur die Blätter des Baumes sammeln. Also total einfach und völlig umsonst.

    Und noch dazu lässt sich dieses Gelb mit ein wenig Eisen in ein sattes und schönes Moosgrün verändern. Also nicht mal eine echte Doppelfärbung, für die es eine weitere Färberdroge bräuchte, sondern einfach nur Wasser, ein Stück Eisen, und ein wenig Zeit.

    Beides zusammen wahnsinnig einfach, ohne Kessel und Feuer, mit einer nahezu 100% Geling-Garantie, quasi zum Nulltarif, und einer Farbpalette von Gelb bis Grün...

    Nein, einen chemischen Nachweis darüber an den Fragmenten kenne ich nicht. Aber ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass in den drei Jahrhunderten der Wikingerzeit kein Mensch auf die Idee gekommen sein soll, das mal zu testen. Wo die gleichen Menschen zur gleichen Zeit aber mühsam irgendwelche Flechten von den Bäumen gekratzt haben, um damit zu färben (nachgewiesen durch chemische Analyse).

    Es gibt übrigens noch eine - weniger bekannte - Möglichkeit, um beim Färben Grün zu erhalten. Dazu wird eine naturgraue Wolle mit Gelb gefärbt, was zusammen dann Grün ergibt. Ist wirklich ein sehr überraschendes Ergebnis!

    Ob unversponnene Wolle, das Garn, oder der Stoff gefärbt wurde, kann man nur vermuten.

    Zum Färben ganzer Stoffbahnen braucht es einen sehr großen Kessel. Dafür kenne ich im Frühmittelalter allerdings nicht einen einzigen Fund. Von daher vermute ich, dass man das Garn gefärbt hat, was auch in wesentlich kleineren Gefäßen möglich ist. Dabei ist auch das Risiko von Flecken und ungleichmäßigen Färbungen wesentlich geringer.

    Oder halt Kaltfärbung, die geht auch gut in - durch Funde belegten - großen Trögen aus Holz.

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