Angeregt durch das Gugel-Thema frage ich mich ob und wie Kleidung durch die Epochen gefüttert war.
Bei kostspieliger Kleidung ist eine Fütterung immer eine tolle Gelegenheit noch mehr Material zu verarbeiten und zu zeigen. Es gibt Abbildungen die sogar Fütterungen mit Pelz zeigen. (Pelz und Fell bitte nicht verwechseln.) Gibt es Realien die Fütterungen belegen ?
Bei Taschen und Beuteln möchte ich zwischen rein praktischen Stücken und repräsentativen Stücken unterscheiden : bei einem Almosenbeutelchen das sicherlich repräsentativ ist und das auch nur wenig Stoff benötigt, macht eine Fütterung Sinn. Schon alleine um die meist kostbaren Stickereien im inneren vor Abrieb zu schützen. Kopfbedeckungen (Sonn-und Feiertags) waren bei einfachen Leuten vermutlich das teuerste Stück Stoff das man sich leistete. Man benötigt das kleinste Stück Stoff der Ausstattung und das Gegenüber schaut am ehesten hin, es fällt also am meisten auf. Praktisch umgesetzt hieße das : konnte eine Person sich gerade so etwas gefärbtes leisten, dann wurde vermutlich in eine Kappe investiert. Vielleicht auch in ein schmuckes Gürteltäschchen.
Die Tasche mit der man Besorgungen machte, also Einkaufen, den Gang zum Schuster erledigt, wird vermutlich einfach praktisch gewesen sein. Also kein repräsentatives Stück, sondern vermutlich eine Resteverwertung oder eine Zweitverwendung. Zumindest bei den einfachen Leuten.
Um auf die Gugel zurück zu kommen, auch hier muss man sicherlich zwischen Arbeits-und Festtagskleidung unterscheiden. Gerade die Gugel ist ein Kleidungsstück das zu Modespielereien einläd, schaut man auf die Mode bei der die Gugel mit der Gesichtsöffnung auf dem Kopf getragen wurde und den Zipfel schick um den Kopf drumherum zu drapierte, bis die eigentlich Gugel kaum noch als solche zu erkennen war. Bitte überlegen wen möchte ich darstellen, und was soll diese Person tragen ? Alltagskleidung oder Festtag ? Protz oder zweckmäßig ? Kann diese Person es sich leisten einen feineren und damit aufwendig teureren Stoff als Futterstoff zu verarbeiten ? Als Faustformel gilt : je feiner Stoff um so aufwendiger muss er verarbeitet werden, es benötigt mehr Spinnzeit, aber auch mehr Meter Garn je Fläche, das Woll-Gewicht spielt dabei keine Rolle im Gegensatz zu heutigen Stickwaren. Zumal bei der historischen Herstellung feinerer Garne mehr Abfall während des spinnens anfällt als bei derberen Garnen.