Im Zuge meiner Recherche zu Bauernwehren und Langen Messern im Nordwestdeutschen Raum, hat es mich aufgrund der besseren Onlinedatenbanken und der räumlichen Nähe immer wieder in die Niederlande gezogen.
Was sich zunächst auf die Onlinearchive und Datenbanken beschränkte, intensivierte sich in direktem Austausch mit den Museen selbst.
Eines vorab:
Die niederländischen Museen sind wirklich äußerst hilfsbereit, da können sich die Heimischen doch die ein oder andere Scheibe abschneiden.
Auch wenn ich hier durchaus tolle Erfahrungen gemacht habe.
Ohne mein Zutun wurde mein Anliegen quasi als Rundmail an diverse niederländische Museen weitergeleitet und einige Museen meldeten sich daraufhin mit Bildern von entsprechenden Bodenfunden, sowie Fundlage und Datierung bei mir.
Ganz besonders habe ich mich über die Mail von Herrn Joran Smale aus dem Batavia Museum in Lelystad gefreut.
Neben einem Fundbild bekam ich die Einladung mir die Bauernwehr doch persönlich anzuschauen.
Wer mich kennt, der weiß um meine Leidenschaft für diesen Waffentyp und daher war der Termin nur noch Formsache.
Neben der Bauernwehr habe ich noch Fotos von einigen anderen Waffen und interessanten Gegenständen gemacht.
Insgesamt hat mich Joran Smale drei (!) Stunden durch das Depot des Museum geführt und ich konnte mir zahlreiche Funde von der Römerzeit bis hin zum 19. Jahrhundert anschauen.
Die Fotostrecke beschränkt sich allerdings auf Funde zwischen dem 14. und 16 Jahrhundert.
Persönlich bewege ich mich um 1475 herum, die Bauernwehr ist Teil eines Schiffswracks (wie ein Großteil der Funde dort) und kann daher ziemlich genau auf 1550-1575 datiert werden.
Typologisch erfährt dieser Waffentyp kaum Veränderung über die Jahrhunderte, sodass er auch für meine Zeitstellung passend ist.
Interessant ist hier noch, dass es sich bei den sogenannten Koggen um Fischerboote handelt, die Fischer also durchaus schwer bewaffnet waren (Streithammer, Helmbarte wurden ebenfalls auf solchen Booten gefunden).
Nachfolgend eine kleine Fotostrecke:
Zu diesem Messer weiß das Museum leider gar nichts. Ein Wehrnagel ist nicht vorhanden, ob es sich um eine Bauernwehr handelt oder doch eher um eine Art übergroßes Schlachtermesser, vermag ich so nicht zu sagen. Vielleicht hat ja hier jemand eine Meinung dazu.
Einschneidiger Nierendolch. An der Klingenwurzel sind noch Bestandteile eines eisernen Stichblattes. Datierung 1450-1475
Hier ist interessant, dass die Verstärkung der Klingenspitze nur einseitig ausgebildet ist.
Nierendolchfragment und punzierte Scheide mit Holzkern. Datierung um 1475.