Römische Medikamentenbox nach Fund aus Pompeji
Abmessungen: 11 x 8 x 2 cm
Material: Messing
Fächer: 5
Typ: Schublade
Ort und Zeit: Pompeii, 1. Jahrhundert n. Chr.
Anspruch: fundnah / belegorientiert
Medikamentenboxen waren in der römischen Antike ein wichtiger Bestandteil der medizinischen Ausstattung und werden im Allgemeinen den Ärzten zugeordnet. Sie dienten zur sicheren Aufbewahrung und zum Transport von Salben, Pulvern oder Pasten oder auch chirurgischem Equipment und konnten aus Bronze, Messing, Holz, Bein, Holz, oder Silber gefertigt sein.
Die meisten dieser Boxen sind nach einem ähnlichen Prinzip konstruiert: Ein Schiebedeckel auf der Oberseite schützt den Inhalt, während darunter fünf separate Fächer liegen, die jeweils mit eigenen kleinen Klappdeckeln verschlossen sind.
Der hier zugrunde liegende Fund aus Pompeii weicht jedoch von diesem bekannten Aufbau ab. Statt eines Schiebedeckels besitzt die Box eine Schublade, die seitlich in eine Messinghülle eingeschoben wird. Auch hier finden wir wieder die klassischen fünf Fächer im Inneren, allerdings sind diese oben offen. Statt eines einzelnen Deckels werden sie beim Einschieben in die Hülle durch diese automatisch verschlossen, sodass der Inhalt nicht herausfallen kann.
Meines Wissens handelt es sich hierbei um einen singulären Fund ohne mir bekannte Parallelen.
Da ich bekanntlich eine Schwäche für solche Kuriositäten habe, musste ich sie einfach nachbauen 😉
Für meine Rekonstruktion habe ich die Box wie beim Original aus Messingblech gefertigt.
Die Hülle besteht aus einem langen gebogenen Blechstück, das Oberseite, Rückseite und Boden bildet. Rechts und links habe ich die Seitenteile aufgesetzt und weich angelötet.
Die Schublade besteht ebenfalls aus einem langen Blech, die Stirnseite und Rückseite sind dabei einfach hoch gebogen.
Die fünf Fächer sind aus Einzelblechen auf- und miteinander verlötet.
Zum einfachen Öffnen ist die Schublade noch mit einem Griff versehen, der rechts und links mit Ösen befestigt ist. Die Ösen sind aus Draht gebogen, der im Innern der Schublade bis zur Hälfte hinein geführt und dort am mittleren Querblech fixiert ist.
Das Bodenblech habe ich etwas nach innen gewölbt, so dass die Schublade nach dem Hineinschieben leicht klemmt und dadurch gut vor versehentlichem Öffnen gesichert ist.
Die Box ist eine schöne Ergänzung zum Equipment meines Capsarius, ganz besonders auch durch ihre außergewöhnliche Konstruktion.
Bildquelle Original: https://mostre.museogalileo.it/homofaber/imag…2113_foglia.jpg