Römischer Bleistift
Gesamtlänge: 116 mm
Länge des Bleistifts mit Hülse: 80 mm
Hülsenlänge: 35 mm
Hülsendurchmesser: 13 mm
Material: Blei mit Messinghülse
Gewicht: 80 g
Heute möchte ich Euch einmal wieder ein tolles kleines Kuriosum vorstellen, nach dem ich lange gesucht habe.
Das Original stammt zusammen mit einem konstruktiv sehr ähnlichen zweiten Exemplar aus dem Hafen von Ostia und wurde bereits 1970 bei Ausgrabungen geborgen. Es gehört zu einer extrem seltenen Gruppe römischer Bleistifte, von denen außer diesen beiden Exemplaren anscheinend keine weiteren Fundstücke existieren.
Der Bleistift besteht aus einem massiven Bleikern, der in eine dünne Blechhülse eingefasst ist. Interessant ist die seitliche Öffnung in der Hülse, die darauf hindeutet, dass sie ursprünglich für einen anderen Zweck gefertigt wurde - möglicherweise als Teil eines Musikinstruments. Die Spitze des Stifts wurde mehrfach nachbearbeitet und flachgeschlagen, um eine feine Schreibkante zu erzeugen. Tests haben gezeigt, dass sich mit einem solchen Schreibblei gut auf Holz, Pergament und Papier schreiben lässt, während grobe Oberflächen wie Stein aufgrund der weichen Materialstruktur ausgeschlossen werden können. Aufgrund der massiven Ausführung und des Tragerings vermutet Drescher, dass derartige Stifte im Hafen zur Kennzeichnung von Kisten und Fässern gedient haben dürfte.
Für die Nachbildung habe ich zunächst eine passende Hülse aus einem alten Messingblechrest gefertigt. Um das Original nachzuempfinden, habe ich ein Loch in das Blech gebohrt, es anschließend zu einer Hülse gebogen und hart verlötet.
Die Form für den Bleikern habe ich aus einem passenden Rundholz geschnitzt. Statt einer festen Gussform habe ich Ölsand verwendet, in den ich den Holzrohling gesteckt habe. Anschließend habe ich die fertige Messinghülse oben eingefügt. Das Blei habe ich geschmolzen und von oben in die Form gegossen. Während es noch flüssig war, habe ich die Halterung und den Tragering eingesetzt.Nach dem Abkühlen habe ich die Spitze flachgeklopft, um die typische Schreibkante zu erhalten.
Natürlich habe ich getestet, wie gut sich damit Markierungen auf verschiedenen Materialien anbringen lassen.
Auf dem Holz meiner Vindolanda-Tafeln hinterlässt das Blei einen sauberen und gut sichtbaren Strich.
Gleiches gilt für einfachen, leicht rauen Papyrus.
Auf der Oberfläche von geglättetem Papyrus hingegen sind die Linien erheblich feiner und nur gut erkennbar, wenn man das Blei sehr fest aufdrückt oder die Linien mehrfach nachzieht.
Kleiner Zusatz-Test: Auf glattem Papyrus kann man die Linien mit einem Stück Leinen recht gut wieder weg radieren.
Auch wenn die recht primitive Bauform und das hohe Gewicht eher eine Verwendung im Handwerk nahelegen, wird dieser Stift eine schöne Ergänzung zu meinem Schreib-Set darstellen.
Zeitaufwand: eine gute Stunde
(Bildquelle: Hans Drescher, Römisches Schreibgerät aus dem Hafen von Ostia Antica, 1988)