Kurzvorstellung Herrmann ;)

  • Servus Beinand,


    erstmal danke für die Aufnahme!

    Meine Vorstellung wird vermutlich eher in die Richtung "seltsam" oder zumindest "ungewöhnlich" gehen. Ich weiss auch noch gar nicht, wie ich es ausdrücken soll, es ist doch ein wenig kompliziert. Ich fang einfach an, man kann ja dann gern darüber diskutieren. Und gleich mal sorry für den folgenden Roman.


    Ich schwanke bei meiner Kleidung zwischen völlig ungebunden, dennoch gemässigt und ein klein wenig auch A, das ist der eher schwierige Teil zum Erklären.


    Der erste Punkt dabei ist schonmal, dass ich keine Kostüme trage oder Darstellungen mache - zumindest bisher. Ich trage mittelalterliche Kleidung in begrenztem Umfang und nicht A, das aber im Alltag - in der Arbeit, in der Freizeit, immer halt, jeden Tag. Wenn ich also "normal" herumlaufe wie jeden Tag, habe ich bayerische Haferlschuhe (völlig un-A), Sommer wie Winter, darüber eine banale aber moderne Stoffhose (Leinen oder BW), darüber dann eine Stangenware-Untertunika und eine ebensolche Tunika. Jetzt im Winter trage ich auch noch einen der gar nicht historisch existierenden Gambeson mit Schnallenverschluss vorne - für mich ist das eben auch "nur" mein Wintermantel und keine Kostümierung und wenn es richtig kalt wird habe ich noch Wadenwickel. Dazu hatte ich viele Jahre lang lange Haare, habe aber nun auf normannischen Topfschnitt mit Undercut umgestellt. Irgendwie werden die Haare mit dem Alter ja nicht besser......


    Soweit, sogut, aber:


    Die Tuniken die man so in diversen Shops erwerben kann sind praktisch, billig und somit OK - schön sind die dennoch nicht wirklich. Daher habe ich mich jetzt dazu entschlossen, dass ich da selber Hand anlege. Ich bin ein bisschen des Nähens mächtig, aber auch kein Profi. Das ist einer der Hauptgründe für meine Anwesenheit hier. Ich hoffe auf Rat und Tipps die ich brauchen werde. Hoffentlich kann ich dann auch irgend etwas für Euch anbieten um einen Ausgleich zu schaffen.

    Ich koche auch sehr gerne und das schon ≈50 Jahre lang. Letztens gab es mittelalterlich angehauchten Pferdebraten mit Anis, Nelken und Zimt usw in Rotweinsauce mit Semmelknödel, da kann man sich sicherlich auch austauschen. Manchmal gibt es auch völlig banale Speisen wie Kanninchenkeule nur mit Pfeffer/Salz und ein Zweigchen Thymian obendrauf und das dann ohne Anbraten direkt 20 Min in der Pfanne mit Deckel gedämpft. Wenn man Geschmack an "reinen", also nicht überwürzten Speisen hat, ist es ein Festmahl.


    Falls ich jemals eine Darstellung in Euerem Sinn anstreben würde, dann wäre das ein Ministerialer (Landadel oder sowas) im ausgehenden 12.Jhdt (Ich bin 1965 geboren, also würde ich sagen 1165 bis jetzt = 1224 aktuell). Der persönliche, bevollmächtigte Sonderbeauftragte des Fürsten von Sendling oder so. Das habe ich mir auch nicht nur so mal ausgedacht, sondern ergibt sich aus meinem Geschmack. Ich mag lange Tuniken lieber als kurze, daher mache ich mir jetzt selber mehrere Cotten bis fast zu den Knöcheln (12.Jhdt eben) mit und ohne Surcot. Ich habe auch, daher das A im Konglomerat meiner Vorstellungen, immer mehr einen Hang zum selber Nähen und zur Einhaltung gewisser Regeln. Ich möchte nicht wie ein Elf oder Ork aus LotR herumlaufen sondern mich mittelalterlich kleiden.


    Wäre ich noch jung genug für Ritterdarstellungen, wäre mein Favorit ein Ritter mit Cotte, überknielangem Hauberk mit Dreiviertelärmel, Normannenschild, Speer und Axt und Nasalhelm - damit Ihr Euch vorstellen könnt, was ich wäre wenn ....


    Ich denke, dass das aber eben auch - für mich, jeder kann das handhaben wie es gefällt - Grenzen aufweist. Es mag Teile meines Gewandes geben, bei denen viele sagen würden "Oh, das passt aber mit dem nicht zusammen, andere Periode" usw, das ist mir dann aber wieder egal. Immerhin ist es keine Darstellung sondern meine Zivilkleidung, da gelten einfach für mich andere Regeln. Das Zeug muss schön sein, gut sitzen und praktischen Nutzen haben.


    So gab es mWn Baumwolle auch schon bei den Römern, war also im gesamten MA durchaus bekannt. Es wurde halt nicht so sehr für Kleider benutzt (soweit ich weiss, war das einfach zu teuer weil sehr aufwändig in der Herstellung - jeder kann/darf/soll mich da bitte berichtigen falls ich Mist schreibe), das bedeutet aber nicht, dass unter keinen Umständen irgendwer damals schon mit einer Baumwolltunika herumgelaufen wäre - unwahrscheinlich,ja, aber nicht unmöglich. Daher ist mir das A an dieser Stelle also wieder ziemlich egal, wenn nicht sogar hinderlich.

    Um es auch ein klein wenig modern und politisch auszudrücken, bin ich gegen jegliche Art von Extremismus. Es gibt für mich 2 Geschlechter, die Sonne geht im Osten auf, 2+2=4, und die Erde ist natürlich rund und nicht flach. Ich mag gern Richtlinien und Grenzen wie z.B. keine Kunstfassern und moderne Textilien, aber keine Sesamzählerei ob nun mein Teil 30 Jahre zu früh ist oder zu spät. Sollte ich irgendwann tatsächlich mal eine Darstellung anstreben wäre ich eher auf der A Seite, ansonsten bin ich ein sehr kleines a.


    Ihr seht schon, warum ich das selber ein wenig kompliziert finde mit mir. Also höre ich jetzt mal auf mit dem Roman und gehe aber gern auf weitere Fragen ein. Ich bin ja auch hier um was zu lernen und werde wohl auch einige Fragen hier einstellen - so wird es ein Geben und Nehmen werden.


    Wer jetzt noch nicht abgeschreckt ist und wer sachlich und informativ diskutieren kann und mag, dem verspreche ich einen regen, fairen und ehrlichen Austausch. Ich bin frei von Dogmen und kann jederzeit meine Meinung ändern wenn ich neue Informationen in mein bestehendes Weltbild einbaue, aber 2+2 ist (IMMER!) ==4.


    Noch ein kurzer Abschlusssatz hierzu - über Fakten kann man nicht diskutieren, sie sind Fakten. Über Meinungen kann man auch nicht diskutieren, es sind Meinungen und jeder darf gerne seine eigene haben. Aber über Befunde, Einordnungen, Datierungen, Schmiede-, Näh-, Koch- oder andere Techniken, Künste usw, darüber kann und soll man natürlich diskutieren.


    In diesem Sinne, auf ein gutes, freundliches und fruchtbares Zusammensein!


    P.S. Ich habe mich ziemlich zeitgleich im "ma"forum.com angemeldet. Falls da Konflikte entstehen, teilt mir das bitte mit. Manchmal gibt es da ja Ausschlusskriterien bei Foren, danke.

  • Toll, lieber Herrmann! Ich bin ganz begeistert von Deinem Ansatz, historische Kleidungsformen kreativ zu wandeln und in den heutigen Alltag einzubauen. Das erinnert mich an die Designerin Sarah Gwiszcz, welche die alten Spreewaldtrachten (die nur noch als Fest-Tradition getragen werden, aber im Alltag kein Rolle spielen) mit neuem Leben anzuhaucht, und peppige moderne Versionen der alten Tracht ins heutige Leben bringt. Und irgendwie mache ich das genauso, wenn ich für mich selbst nähe. Das sieht für manchen nach Mittelalter aus, aber es ist keine Rekonstruktion sondern einfach schön oder praktisch.
    Kein leichter Standpunkt übrigens, denn zumindest bei der Spreewälderin ist mir zu Ohren gekommeen, dass man für seinen Stil von manchen Puristen und Traditionsbewahrern auch bislang arg kritisiert werden kann.


    Na dann, viel erfolgreichen Austausch hier im Forum!

  • Lieber Fabian,


    herzlichen Dank für die erste Antwort an mich!


    Das ist auch für mich gleich ein schwieriges Thema. Ich bin als bayerischer Ureinwohner auch gemischter Gefühle wenn ich z.B. die Landhausmoden-Pseudodirndel auf der Wiesn sehen muss. Das ist für mich ok, weil modern, aber hat tatsächlich mit Trachten nichts zu tun. Das sollte man trotz aller liberaler Einstellung schon berücksichtigen. Es gibt ja genug Trachtenvereine die auch sauer werden, wenn Landhaus-Leute sich als mit Trachten gekleidet präsentieren. Ich habe da durchaus Verständnis für Extrem-A-Leute, weil die sich ja auch dementsprechend Mühe geben, das Erscheinungsbild exakt darzustellen.


    Da wäre für mich die Frage wie weit man gehen will, respektive wie streng man da heran geht. Wenn ich z.B. schon öfters gelesen habe, dass Leute etwas gross-A machen wollen, die verdeckten Nähte dann aber mit Maschine nähen, wirft das auch Fragen auf. A oder doch "nur" klein a? Das muss mMn aber jeder für sich entscheiden.


    Ich denke und hoffe, dass das mit den Puristen genauso umgekehrt laufen wird. Ich mache quasi MA-Landhaus und die machen halt MA-Trachten. Ich denke nicht, dass man alles immer weiter zerteilen und zerpflücken muss. Ich sage z.B. von mir ja selber, dass ich nicht A bin, da kann wohl dann keiner der Extrem-A-Leute meckern. Wenn ich etwas als A deklariere, muss es natürlich auch A sein, daher denke ich, wir werden uns alle sehr gut verstehen.


    Und immerhin bin ich ja nicht darstellend, sondern nur so rumlaufend :grinning_squinting_face:


    Ich bin da einfach zuversichtlich und positiv. :thumbup:


    Herzliche Grüße

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