Beiträge von Christian

    Wer lebendige Geschichtsdarstellung im Museum machen möchte, wird früher oder später mit dem ein oder anderen Klischee konfrontiert. Ist, dass ein gewisses Maß an Welt Offenheit und Neugierde wichtig ist, um einen guten Einstieg in eine gute Darstellung zu schaffen, die auch ins Museum passt. Gerade bei Museen der mittelalterlichen Geschichte gibt es eigentlich Klischee, mit dem ich gerne behutsam aufräumen möchte:

    Du musst extra viel Geld investieren, weil deine Tracht Hand gewebt und Pflanzen gefärbt sein muss, um den Anspruch im Museum zu erfüllen. Ebenso muss jede Naht von Hand genäht sein.


    Ich breche das anhand der Erfahrungen von den ETLG, den Ellwanger Tagen, lebendige Geschichte herunter. Bei dieser Veranstaltung handelt es sich eine jährliche Fachtagung für Living History Darstellerin und Darsteller sowie auch für Fachleute aus dem Museum. Die Themen sind äußerst vielfältig und werden von den Teilnehmerinnen und Teilnehmer vorher mitbestimmt. Hier spielt auch die Thematik des Gastgeben Museums eine große Rolle. Aber das ein oder andere lässt sich auch in andere Zeitalter übertragen…

    Muss jetzt wirklich jeder historische Tracht, die im Museum getragen, wird, Hand gewebt und Pflanzen gefärbt sein? Ich persönlich sage vorsichtig, nein. Der durchschnittliche Besucher sieht es nicht wirklich. Aber du, der du dieses Kleidungsstück trägst, weißt wie viel Zeit, Geld und Aufwand in der Herstellung drin steckt und gibst ihm damit deine persönliche Wertschätzung.

    Bei den Nähten von Hand habe ich mit der Zeit meinen eigenen Kompromiss gefunden. Von Hand nähen zu können, ist grundlegend immer und überall, auch im Alltag, eine nützliche Fähigkeit, die dir jederzeit zugute kommen kann. Beispielsweise um einen Knopf anzunähern, eine kaputte Hose zu reparieren, oder mal eben auf Lager etwas auszubessern. Ich schätze aber genauso die Annehmlichkeiten einer modernen Nähmaschine. Deswegen nähe ich mindestens die sichtbaren Nähte von Hand und da ich sehr schlecht mit der Nähmaschine umgehen kann, ne ich meine historischen Gewänder komplett von Hand. nicht um etwas Besseres als die andern zu sein, sondern weil ich das so möchte und mein eigener Anspruch mir das vor gibt.

    Beim Hand,spinnen, Pflanzen färben und Hand weben. Habe ich begriffen, wie wertvoll eigentlich ein Textil im Mittelalter ist. Statistisch betrachtet brauchst du vom Schaf oder von der Ernte der Pflanze wie Flachs, Brennnessel, Hanf und Co. bis zum anziehen des fertigen Textils etwa sechs Wochen reine Arbeitszeit. Das klingt erst mal absurd. Aber rechne bitte noch mal ein bisschen genauer nach:

    Wie viel Zeit verbringst du mit der Aufbereitung der Fasern?
    Wie viel Zeit verbringst du am Färbekessel? Ich gehe mal davon aus, dass du gerne bunte Kleidung haben möchtest.

    Und wie viel Zeit verbringst du am Webstuhl und beim nähen?
    es gab vor einigen Jahren eine Ausstellung im Alamannen Museum zum Thema Textilien im beginnenden frühen Mittelalter. Ich habe mir da diesen statistischen Wert geborgt. Und das eigene Erfahrung kann ich Ihnen grundlegend bestätigen. Auch wenn ich nicht alle handwerklichen Schritte bis zum fertigen Gewand durchgegangen bin. Die Rechnung ist für mich durchaus realistisch. Und wenn ich neben zu noch mein tägliches Brot verdienen muss, dann noch mehr. Inzwischen nehme ich als moderner Mensch im 21. Jahrhundert diese zeitliche Angabe mal vier, weil der Alltag immer wieder irgendwelche Überraschung bereithält.

    Soweit meine Gedanken. Ich freue mich auf einen konstruktiven Austausch zum Thema.

    warst Du im alten Forum als Viator unterwegs ?

    Kurz und bündig: Ja.
    Damals ist die Gesamtsituation sehr unglücklich verlaufen. Ich hatte glücklicherweise Jahre später während meinen Reisen die Möglichkeit den damaligen Streit mit den betreffenden Moderatoren und Usern persönlich beizulegen.

    Silvia muss ich jetzt das Forum verlassen? :thinking_face:

    Hallo zusammen,

    ich gebe zu, das ich mir den Titel des Themas aus einen sehr bekannten neuzeitlichen Roman von Herman Melville ausgeliehen habe, weil mir gerade nichts besseres für diese Vorstellung eingefallen ist.

    Zeitlich bin ich in der lebendigen Geschichtsdarstellung in verschiedenen Zeitaltern und mit unterschiedlichen Ansprüchen unterwegs (LARP; Markt Mittelalter und Museale Belebungen). Ich bezeichne das LARP (Live Action Roleplaying) liebevoll als „meinen persönlichen Mülleimer für misslungene Living History - Rekonstruktionen.“ Eine Freundin von mir, die Archäologin ist formuliert es meiner Meinung nach noch etwas präziser: „Man muss die Geschichte(n) kennen um dann einen schönen Faden in die Phantastik spinnen zu können.

    Thema Spinnen… was mache ich eigentlich in der lebendigen Geschichtsdarstellung?
    Textiles Handwerk. Sprich Handspinnnen mit Spindel und Spinnrad.
    Handweben am Tischwebstuhl, färben mit Pflanzen & Co; wobei das mit der Beschaffung der Färberpilze kompliziert sein kann. Viele davon stehen unter strengen Naturschutz. Deswegen lasse ich sie lieber stehen. Mir reicht das Wissen aus Büchern.
    Holzarbeiten; sprich Löffel schnitzen und - wenn sich die Gelegenheit gibt - auch mal Drechseln. Ich habe keine eigene Drehbank.
    Sammeln und vortragen von immateriellen Kulturgut. Sprich: Sagen, Märchen, Legenden und Geschichten. Manchmal bin ich auch auf Anfrage als Herold unterwegs. Ich war mal gewerblich (Stand der Vorstellung). Ich habe mich aus freien Stücken für das Hobby entschieden und verdiene mein tägliches Brot auf nicht selbstständiger Basis.

    Gruppentechnisch - wo findet ihr mich?
    Als Solokünstler und Walking Act.
    Bei der Quinta (eigentlich archaeotechnischer Lagerverbund „Quinta Essentia“ - darstellendes und anleitendes Handwerk im europäischen 10. Jahrhundert.)
    Bei den Alamanni, der Darstellergruppe des Alamannenmuseums in Ellwangen an der Jagst.
    Und bei einen Mittelalterverein in Schleswig - Holstein.
    Daneben in diversen Museen in Europa und Skandinavien.

    Darstellungen?
    Alamanne; ca. 6. Jhdt (Übergang Alamannen zu Merowinger) aus dem Lechfeld bei Augsburg. Museales Niveau im Aufbau.
    Ottonischer Handwerker, 955 a.D. aus dem Lechfeld bei Augsburg. Museales Niveau.
    Dienender Bruder (Familiar/ Novize) im Hospital aus dem Orden des Hl. Lazarus im 13. Jahrhundert; südeuropäsiche Darstellung.
    Herold und Spielmann; ca. 14. Jahrhundert a.D.

    Ich freue mich darauf Euch zu lesen.

    Viele Grüße,

    Christian