Eine Bitte an unsere Mod's: Es wäre toll wenn ihr einen Bereich für Krankheiten und ähnliches öffnen könnten. Wenn ja, das Thema bitte dorthin verschieben.
Es ist für euch vielleicht seltsam, dass ich damit an die Öffentlichkeit gehe: Ich habe Epilepsie
Eine "unsichtbare" Krankheit die nicht wahr genommen wird und oft noch immer von Vorurteilen geprägt ist weil nicht so viel in der Bevölkerung bekannt ist. Ihr wundert euch jetzt wohl darüber, aber es ist wirklich so.
Kurz erklärt: Epilepsie ist eine Krankheit bei der durch Überreaktion mancher Gehirnzellen Anfälle entstehen. Man könnte es mit einem Gewitter vergleichen. Es gibt mittlerweile gute Medikamente die diese Überreaktion verhindern, aber das ist eher Symptombekämpfung. Ein Heilmittel gibt es trotz Forschung bis heute nicht.
Heute haben wir verschiedene Möglichkeiten Epilepsie zu diagnostizieren, aber weil das Elektrisch braucht hat man im Mittelalter keine Möglichkeit dafür gehabt. Betroffene wurden dann für Verrückt erklärt, von Gott bestraft oder für von Dämonen besessen gehalten. Je nach Kultur und Gesellschaft konnte aber auch das Gegenteil der Fall sein und sie wurden verehrt weil man glaubte dass diese Menschen während den Anfällen mit den Göttern reden können.
Eines ist sicher: Eine Person die mit einem "Grand-Mal"-Anfall bewusstlos wird und am Boden liegend unkontrolliert "herum zappelt" ist ein erschreckender Anblick - damals wie heute. Was wurde getan? Haben sich die Leute getraut der Person zu helfen wenn sie nach dem Anfall nicht aufgestanden ist? Vermutlich ist die Angst zu gross dafür gewesen weil man nicht gewusst hat was das ist.
Wenn ich ohne meine Medikamente eine Zeitreise ins Mittelalter machen würde hätte ich kaum eine Chance zu überleben. Ich muss täglich zwei Mal Medikamente nehmen damit ich keine Anfälle bekomme. Einmal ohne geht noch, aber spätestens nach einem Tag ganz ohne Medikamente ist die Dosis die noch da ist zu klein um noch zu wirken. Es gibt einen Anfall, später einen zweiten, dann einen dritten und so weiter. Einmal bewusstlos wacht man nicht mehr richtig auf und kann nichts dagegen unternehmen. Niemand könnte mir helfen und ich würde mit grosser Wahrscheinlichkeit nur wenige Tage überleben. Da es keine Zeitreisen gibt wird das auch nicht passieren.
Was wäre wenn ich im Mittelalter zur Welt gekommen wäre?
Da ich meine Diagnose im Alter von einem Jahr bekommen habe bin ich bis dann ein ganz normales Kind. Dann hat es erste "Krämpfe" gegeben die zwar wieder weg gegangen, aber auch immer wieder gekommen sind. Als einfache Bauern hätten meine Eltern nicht das Geld dafür gehabt um Hilfe wie eine Dämonen-Austreibung oder etwas in der Art zu bezahlen und zu hoffen, dass es hilft. Vielleicht hätten sie mich versteckt und gehofft, dass "es" wieder weg geht. Sie hätten mich aber auch bei der Arbeit bei einem Unfall sterben lassen können. Eine ganz andere Möglichkeit wäre vielleicht gewesen, dass sie mich in ein Kloster gebracht hätten und die Schwestern micht genommen hätten. Ob die das einfach so gemacht hätten ohne eine Gegenleistung zu verlangen? Wohl eher nicht. Meine Eltern hätten ihnen vielleicht später das zweite Kind geben müssen und meine Schwester hätte ihr Leben als Nonne im Kloster verbracht. Wer weiss, vielleicht hätte ja das geholfen. Allerdings hätte ich dann mindestens drei Jahre alt werden müssen und das ist sehr unwahrscheinlich weil die Kindersterblichkeit in der armen Bevölkerungsschicht eher hoch gewesen ist.
Hier findet ihr den aktuellen Wissensstand:
https://de.wikipedia.org/wiki/Epilepsie (Quelle: wikipedia)