Geschichten aus dem Bürgerkrieg

  • Hi,

    wie erwähnt, ist / war der ACW meine erste Berührung mit Reenactment, und aus vielerlei Motivation heraus ein Thema, in das ich viel Arbeit und Zeit gesteckt habe. Dabei kommt man nicht nur mit Fakten und Daten in Kontakt, sondern auch mit Geschichten, Anekdoten und Schicksalen. Für jedes einen eigenen Thread, fände ich übertrieben. Aber ein Sammelthread ist, hoffe ich okay.

    Den Anfang macht Wilmer McLean, der Mann mit dem wohl seltensten "Partyfact" der Welt:

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    (Bildquelle: Library of Congress, gemeinfrei)

    Im Sommer 1861 hatte Wilmer McLean eine Entscheidung getroffen, die seine ganze Familie betreffen sollte: Er würde die Farm verkaufen und wegziehen! Über die letzten Tage hatten sich seiner Farm in Virgina gewaltige Armeen genähert, woraus das erste größere Gefecht des amerikanischen Bürgerkriegs entstehen sollte! Die Schlacht von Bull Run (oder 1st Manassas, wie es die Konföderierten nannten) tobte bald nahe der Farm. Und während dieses Gefechts kam es so weit, dass ein Geschoss der Union in Wilmer McLeans Sommerküche explodierte.

    Davon abgestoßen, entschied sich McLean, seine Familie in Sicherheit zu bringen, tief in den Süden. Westlich von Richmond brachte er seine Familie aus der Schusslinie, wie er hoffte, in einer kleinen Siedlung an einer Straßenkreuzung namens Appomattox Courthouse.

    Dort, in Wilmer McLeans Wohnzimmer, unterschrieb 4 Jahre später General Lee gegenüber General Grant die Kapitulation der Army of Northern Virginia! Wilmer McLean konnte nun, wahrheitsgemäß, behaupten:

    "Der Krieg begann in meiner Küche - und endete in meinem Wohnzimmer!"

    Quelle:
    - Library of Congress
    - Ken Burns "The Civil War"
    - Wikimedia Commons

    Reenactmentwebseite (multiperiod): https://www.jordheim.info/
    Outdoor & Waldhandwerk (pausiert): https://huginfell.de/
    𝒩𝓊𝓇 𝓋ℯ𝓇𝒶𝓃𝓉𝓌ℴ𝓇𝓉𝓁𝒾𝒸𝒽, 𝒻𝓊̈𝓇 𝒹𝒶𝓈 𝓌𝒶𝓈 𝒾𝒸𝒽 𝓈𝒶ℊℯ, 𝓃𝒾𝒸𝒽𝓉 𝓌𝒶𝓈 𝒟𝓊 𝓋ℯ𝓇𝓈𝓉ℯ𝒽𝓈𝓉!

  • Der Attentäter, der vom Anfang bis Ende dabei war - John Wilkes Booth.

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    (Bildquelle Portrait: Wikimedia Commons. Quelle Gruppe: Library of Congress, beide gemeinfrei)

    John Wilkes Booth (* 10. Mai 1838 bei Bel Air, Maryland; † 26. April 1865 bei Bowling Green, Virginia) ist vielen ein Begriff, war ein amerikanischer Schauspieler, der heute insbesondere als Mörder Abraham Lincolns († 15. April 1865) bekannt ist. Zu seiner Zeit war er ein populärer Darsteller, der als Freund der Südstaaten unzufrieden mit dem Ausgang des Sezessionskrieges war.

    Das bekannte Bild von John Wilkes Booth ist wohl ein Pressefoto / Autogrammbild, das er als Schauspieler machen lies. Das andere stammt aus einem Pressefoto seiner kurzen Armeezeit, vor dem Krieg. Denn J.W.Booth diente, unter dem damaligen Colonel Robert E. Lee, in der Unionsarmee, in der Miliz "Richmond Grays" - offiziell die Company A / 1st Virginia Infantry.

    Und hier wird es interessant: Es hält sich hartnäckig das Gerücht, dass Booth im Oktober 1859 am Einsatz der "Richmond Grays" in Harpers Ferry teilnahm, als der Sklavereigegner John Brown versuchte, das Waffendepot dort zu überfallen und die Sklaven zu bewaffnen, um einen nationalen Aufstand gegen die Sklaverei zu entfachen (das Unternehmen schlug desaströs fehl) - dies gilt als die erste bewaffnete Auseinandersetzung, die zum Bürgerkrieg führte.

    Das Fazit, das viele daraus ziehen, ist, dass J.W.Booth seine Hand bei Beginn und Ende des Bürgerkriegs im Spiel hatte. Die Ironie, dass ausgerechnet Robert E. Lee, der spätere General der (Südstaaten) Army of Northern Virginia, den "Sklavereigegner" John Brown verhaftete, ist auch nicht zu verachten.

    Entspricht es der Wahrheit? Nein! Booth wird in seriösen Darstellungen nicht als Beteiligter an der Festnahme genannt. Booth war bei Browns Hinrichtung am 2. Dezember 1859 in Charles Town anwesend; die Richmond Grays waren dort zur Sicherung eingesetzt. Er war dabei eher Zuschauer bzw. Begleiter im Umfeld der Miliz, nicht „Arresttruppe“ der ursprünglichen Festnahme in Harpers Ferry. In diesem Umfeld entstand auch das Armeephoto, das oft nach Harpers Ferry verortet wird.

    Dennoch war Booth an zwei Events (von mehreren) beteiligt, die als Beginn und Ende des Bürgerkriegs gesehen werden. Der Bürgerkrieg spannt sich von 1854 bis endgültig 1870 - das was wir aus "Fackeln im Sturm" kennen, sind 4 von 16 Jahren Konflikt und offener Gewalt. Bei Interesse kann ich dazu gesondert etwas schreiben.

    Reenactmentwebseite (multiperiod): https://www.jordheim.info/
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