Löwenzahn-Anhänger nach Vorlagen aus Augusta Raurica
Größe: ca. 5 cm
Material: Rinderknochen, Messing, Bronze
Zeit: 1. - 3. Jh. n. Chr.
Region: Augusta Raurica, Schweiz
Anspruch: fundnah / belegorientiert
Aus römischer Zeit gibt es zahlreiche Funde von Anhängern. Einige davon bestehen aus Tierzähnen, die entweder gelocht oder gefasst und um den Hals getragen wurden.
Plinius der Ältere nennt in seiner Naturalis Historiae Tierzähne unter anderem als Amulette für Kinder, die beim Zahnen helfen und Schmerzen oder nächtliche Ängste abwehren sollten. Dazu zählten Wolfszähne, Pferdemilchzähne, Hundezähne, Hyänenzähne und Schlangenzähne.
Bei Erwachsenen standen dagegen Kraft und besondere Fähigkeiten im Vordergrund: Wolfszähne sollten Pferden Ausdauer geben, Hyänenzähne Mut und Treffsicherheit verleihen, Krokodilszähne gegen Fieber helfen und als Fruchtbarkeitsmittel dienen.
In Augusta Raurica befindet sich im Fundgut eine ganze Sammlung solcher Zähne - unter anderem von Bären, Pferden, Wildschweinen, Hunden.
Einer dieser Zähne ist sogar der Reißzahn eines Löwen in einer Fassung aus Goldblech, Inventarnummer 1968.12806. Man vermutet, dass er ein Souvenir eines Legionärs war, der eine Zeit lang in Afrika stationiert gewesen ist.
Dieses Exemplar fand ich besonders spannend und interessant und wollte es rekonstruieren.
An echte Löwenzähne ist - glücklicherweise und aus gutem Grund - heutzutage nur schwer heranzukommen. Deswegen brauchte ich eine plausible Alternative.
Die findet sich praktischerweise ebenfalls direkt in Augusta Raurica. Unter der Inventarnummer 1973.550 ist ein zahnförmiger Anhänger registriert, der aus Knochen geschnitzt ist.
Ein historisch belegtes Zahn-Imitat aus Knochen? Top! Spricht also nichts dagegen, auch meinen Löwenzahn aus Knochen zu fertigen.
Ausgangsmaterial war ein Rinderknochen. Davon habe ich eine halbe Scheibe abgesägt, so dass die grobe Grundform schon mal gegeben war. Mit Raspel, Feile und Schleifpapier ging es dann weiter, bis der Zahn als solches zu erkennen war.
Mit einem feinen Schleifschwamm habe ich ihn poliert.
Da ich noch nie einen echten Löwenzahn in der Hand hatte, kann es durchaus sein, dass meine Rekonstruktion nicht völlig anatomisch korrekt ist. Man möge mir das bitte nachsehen 😉
Die Fassung habe ich aus Messing gefertigt. Einen Streifen davon habe ich zu einem Ring geformt und auf einem Blech hart verlötet. Danach geschliffen und poliert.
Vom Original ist nur ein Teil einer Bohrung im oberen Bereich übrig geblieben. Es ist unklar, ob hier ein Ring platziert war, oder ob die Fassung dort mit dem Zahn vernietet wurde.
Ich habe mich für eine Vernietung entschieden. Also oben in die Fassung ein Loch gebohrt und eine Öse eingesetzt. Danach habe ich die Fassung auf den Zahn aufgesetzt, durchbohrt, und beides mit einer Niete fest verbunden.
Zeitaufwand: gut 4 Stunden
Bildquelle der Funde: Augster Museumshefte Band 36