Kombi-Instrument - Pinzette mit Skalpell
Material: Bronze
Größe: ca. 12 cm
Zeit: 10. / 11. Jahrhundert
Fundort: Voerladegård / Dänemark
Anspruch: fundnah / belegorientiert
Voerladegård. Ein kleiner Ort in der Nähe des Mossø-See in Dänemark. In den Jahren 2000 bis 2001 führte das Horsens Museum unter der Leitung der Archäologin Anne Mette Kristiansand hier Ausgrabungen einer Siedlung aus dem 10. - 11. Jahrhundert durch.
Dabei kam auch ein sehr außergewöhnlicher Bronzegegenstand zu Tage, der im Wikingerzeitlichen Fundmaterial meines Wissens ohne Vergleich dasteht. Der Gegenstand ist etwa 11 cm lang und besteht aus einer teilweise erhaltenen Pinzette an einem Ende, und einem skalpellförmigen Messer am anderen. Solche kombinierten Instrumente sind uns aus der Römerzeit bekannt und wurden dort von Ärzten benutzt.
Pinzetten in zahlreichen Größen und Formen sind im Wikingerzeitlichen Fundgut hundertfach vertreten. Klingen, die aufgrund ihrer Eigenschaften die Funktion von Skalpellen erfüllt haben könnten, kennen wir ebenfalls. Aber ein derartiges Kombi-Instrument ist außergewöhnlich.
Mein Faible für derartige Exoten und der Drang nach einer Rekonstruktion dürfte hinlänglich bekannt sein
Das Original war vermutlich in einem Stück aus Bronze gegossen.
Bei meiner Rekonstruktion habe ich jedoch eine andere und für mich praktikablere Lösung gewählt.
Den skalpellförmigen Teil habe ich aus einem Bronzestab zurecht gefeilt. Das war erstaunlich viel Arbeit für so ein kleines Teil und hat ziemlich viel Zeit in Anspruch genommen. Beide Schenkel der Pinzette sind aus einem Streifen Bronzeblech gefertigt, die ich mit Silberlot an das Kopfstück angelötet habe.
Durch das Erhitzen wird die Bronze weich. Um sie wieder hart - und im Fall der Pinzette elastisch federnd - zu bekommen, muss das ganze Stück gründlich gehämmert werden. Zum Abschluss habe ich das Instrument poliert und die Klinge geschärft. Und ja - auch Bronze kann ganz schön scharf werden 😉
Das Instrument liegt erstaunlich gut in der Hand und das 'Skalpell' lässt sich leicht und präzise führen.
Beide Schenkel der Pinzette sind wie beim Original 2 mm dick und bieten dementsprechend viel Widerstand beim Greifen. Ist aber nicht unangenehm.
Die Kombination aus Pinzette und kleiner Klinge ist meiner Meinung nach sehr gelungen und macht dieses Doppel-Instrument zum idealen Begleiter - beispielsweise bei der Wundversorgung auf dem Schlachtfeld.
Kennt Ihr noch weitere Instrumente dieser Art aus der Wikingerzeit?
Zeitaufwand: gut drei Stunden
Bildquelle Originalfund: Vikingetid i Danmark, 22.2.2013,
Annette Frölich og Anne Mette Kristiansen: Er det vikinge-lægens instrument?