Beiträge von Ask&Embla

    @Reiner lieben Dank für das Zusammentragen der Funde!


    Ich hatte in einem anderen Thread gelesen, dass es die Überlegung gab, irgendeine Webart die im Fundkontext erhalten ist, zu verwenden.

    Ich denke es lohnt sich der Blick und die Recherche dahingehend, dass nicht einfach irgendwelche Webarten, die z.B. für die Wadenwickel, verwendet werden, nur weil diese im Gesamtfundkontext anzutreffen sind. Es gibt Wadenwickel in vielen unterschiedlichen Webarten zu kaufen. Und nur, weil der Markt das anbietet, bedeutet das nicht, dass die Webart dort an der richtigen Stelle ist.

    Umso mehr freue ich mich über die Zusammenfassung von Reiner. Wir hatten dahingehend auch schon überlegt...


    Hier könnte noch eine hilfreiche Diskussion darüber entstehen, wann die Wadenwickel getragen wurden und zu welchem Zweck?

    Bei 'wann' fallen mir Stichpunkte wie: Jahreszeit, Trachtbestandteil, Tätigkeit, Mode

    Unterschied zwischen der Unter und Oberbekleidung.

    Ich mache es mit meinen Kleidern für das 9/10 Jahrhundert so: ich ziehe die untere Schicht an und vermessen mich mit dieser. Zu diesem Ergebnis rechne ich 1-1,5 cm. Das genügt mir meist. Ich würde aber vermuten, dass es auch von der Art des Kleidungsstückes ankommt. Bei einem Mantel kann ich mir vorstellen, benötigt man mehr Differenz, habe es aber noch nicht umgesetzt.


    Zum Unterschied Körbermaß zu Kleidungsmaß lässt sich das nicht allgemein beantworten.

    Helfen kann dabei, ein T-Shirt zu vermessen, dass dem Sitz des Kleidungsstückes am nähesten kommt und dann die Maße zu vergleichen.

    KnechtBuntspecht wenn du dir Kleidung nähen lässt, ist es dann nicht so, dass du deine Körpermaße angibst und der Schneider macht den Rest?

    @Verwendung von Geren

    Achtung! Ich habe die Aussage und die Quelle nicht geprüft!

    Ich habe eben auf FB in einem Post über die Kleidung der Merowinger- Damen folgende Information gelesen: es gibt keine Quelle für Geren vor dem 8. Jahrhundert.

    Dort wird als einer der Belege das Grab des Heiligen St. Severin genannt, bei dem zu erst Geren vermutet wurden. Es hat sich dann aber anscheinend erwiesen, dass das Textil später beigegeben wurde. Es wurde auf das 8/9 Jahrhundert datiert.

    Eine Frage die sich Egilmar und mir noch ergeben hat: Wie definiert der Fragende 'Wikinger'?

    Geht es 'nur' um die ursprüngliche Herkunft bezogen auf Norwegen, Schweden, Dänemark? Oder bezieht seine Frage schon Siedlungen in England, Frankreich, Grönland und Island mit ein?

    Es wäre wichtig im Gespräch mit dem Fragestellenden auf solche Gedanken einzugehen und ihm zu vermitteln, dass es regionale Unterschiede gibt. Dann wäre gut, er würde sich auf eine Zeit und eine Region eingrenzen. Man sieht häufig die Einschläge der Herkunft in z.B. der Ornamentik des Schmucks. Damit meine ich, dass z.B. die Funde des Sutton Hoo Bootsgrabes klar in die Merowingerzeit passen. Aber, der Stil des Schmucks und der Beschläge sind teilweise abweichend zu dem, wie der Stil hier gewesen ist.

    Uff- okay. Das sind viele Fragen in kleinem Text.

    Ich möchte hier für meine Gedanken zu 'die Wikinger' antworten. (Und mich da Silvias Gedanken zum Berufsstand und zur 'Einheitlichkeit' anschließen. Dennoch versuche ich die Themen so 'wikingerlastig' wie mir möglich zu betrachten.)

    Meine Standartantwort wird vermutlich "Es kommt auf den Kontext an" sein. :winking_face:

    "Diamant- und Rautenköper Stoffe in Leinwandbindung oder ein Gleichgratköper die bessere Wahl ist und auf Belege und Besätze besser verzichtet werden sollte."

    Gleichgratköper und Leinwandbindung - da macht man nichts falsch. So ziemlich in keinem Kontext. Du kannst gerade den Gleichgrat für Hose, Tunika, Trägerkleid, Mützen, etc. verwenden, ohne dass es deine Darstellung abwertet. Mir ist es lieber, jemand baut sich seine Darstellung aus Gleichgrat und Leinwandbindung auf, anstatt er z.B. die 'falsche' Diamantköperbindung verwendet. Möchte mein seine Darstellung im Stand aufwerten, kann man zur Pflanzenfärbung greifen. (Auch hier möchte ich beachten, dass es regionale Unterschiede in der überwiegenden Farbe der Textilfunde gibt. z.B. ist die mit am häufigsten in den Gräbern von Birka gefundene Farbe Blau. Aus Waid gefärbt.

    Wer sich mehr zu den Farben beschäftigen möchte, dem würde ich als Einstiegswerk "Kleidung und Tracht in der altnordischen Sagenliteratur und im archäologischen Fundkontext - Matthias Toplak" empfehlen.

    Diamantköperbindung: Hier gibt es für 'Wikinger' echte Fallstricke. Nicht jede Diamantköperbindung eignet sich für eine belegbare Darstellung. Es lohnt sich, vor dem Kauf, genau zu überlegen, welche Region und welche Zeit möchte ich Darstellen. Häufig wird irgendein Diamantköper (DK) gekauft, bei dem weder die Größe der Diamanten, noch die Form passend ist.

    z.B. gibt es in Birka einen ganz populären DK; Typ W10. Dort sind die Diamante nur ca. 6 mm hoch. Zu Beschaffen über 'Historical Textiles' in Schweden. Das war für mich der heilige Gral meiner Darstellung. Auch hier wieder: Birka III

    Ebenso ein Fallstrick ist Fischgrat. Hier lohnt sich der Artikel von Project Forlog https://sagy.vikingove.cz/en/the-use-of-…pe-700-1200-ad/

    Belege und Besätze:

    Hier kann als Bildquelle der Teppich von Bayeux und ggf. der Oseberg Teppich aufschlussreich sein. Gerade auf dem Teppich von Bayeux sieht man die rekonstruierten Besätze häufig. Es gibt verschiedene Thesen dazu: Mehrere Tuniken übereinander; die Untertunika schaut raus; es sind wirklich Zierbesätze gewesen.

    Belegbar anhand von Textilfunden ist es bedingt. Es gibt an einem Klappenmantelfragment aus Haithabu Rückschlüsse auf Besatz in Zierform mit einem anderen Stoff. Bin mir mit der Bindungsart aus dem Kopf unsicher) Und es gibt den Besatz in Form eines 'Varafeldur'. Eine Art Fake-Fell-Besatz.

    Besatz mit Seide: Gab es. Meist in kleinen Streifen, durcheinander, manchmal sogar mit der 'linken' Seite nach Oben angenäht. Manchmal ist dazwischen noch Brettchenwebborte mit Silber/Goldlahn genäht. Diese Besätze spiegeln unglaubliche Reichtümer wider. Es muss also zum Gesamtkontext passen.

    Hier lohnt sich ein Blick in "Birka III- Die Textilen"; Gut zu sehen im Grab 'Bj 735' Link ins Historiska Museet Stockholm:

    https://samlingar.shm.se/object/A461816…7D-83D5E6762C50

    https://samlingar.shm.se/object/CEF40BC…98-809239506503

    Was die Anordnung der Besätze angeht, auch hier lohnt sich der Blick in die Birka Buchreihe. Man wird feststellen, dass es sogar Belege für längs am Körper angeordnete Seidenbesätze gibt.

    Was eher im Bereich der Rus angesiedelt ist (Vorsicht: Nicht meine Tasse Tee!) sind die großflächigen Besätze mit bedruckter oder gewebter Seide.

    Zusammenfassen würde ich es: Am besten so wenig wie möglich Besatz. Man kann sich gut an einem Grab entlanghangeln, wenn man auf der sicheren Seite sein möchte. Ich würde keine Besätze aus unterschiedlichen Gräbern mischen.

    Pauschal: Quer am Körper, Längs am Körper, meist nur 2-3 cm breit, in mehreren Streifen angeordnet. Das ursprüngliche Muster scheint keine große Relevanz gehabt zu haben.


    Geren: Ich interpretiere die Funde für mich so: Die Tunikafunde, welche wir haben sind zeitlich so aufgestellt:

    Thorsberg: 100/200 n.Chr.; Landbreen 230-390 n. Chr.; Skjoldehamn 995-1029n. Chr. Kragelund 1045-1055n. Chr. und Modelund 1055-1155 n. Chr.

    So, die ersten beiden Tuniken T und L sind komplett gerade geschnitten. Allerdings liegt das auch jüngstens 300 Jahre vor der Wikingerzeit. Wenn ich dann betrachte, dass bei Skjoldehamn immer noch gestritten wird, in welchen Kontext die Funde gehören, ob samisch oder nordisch, dient sie für mich nur als groben Anhaltspunkt. Die Tunika S, ist schon körpernäher mit Geren. Und die Tuniken K und M sind sehr betont, mit Geren. Es gibt u.a. auch in Haithabu Fragmente, welche als Tunika gedeutet werden. Diese sind sehr auf die Körperform angepasst und dementsprechend enganliegend. Es gibt Fragmente eines Trägerkleides aus dem Hafen, welches körperbetont geschnitten war. Wir 'wissen' also, dass sich die Mode sehr stark wandelt. Und wir wissen, dass die 'Wikingerzeit' lang ist und es auch dort Weiterentwicklungen gegeben haben wird.

    Und sie wandelte sich hin zu: körperbetont, enger anliegend. Das geht kaum ohne Gere.

    Ich verwende Geren schon früher. Alle meine Kleider, welche ich für meine Birka-Darstellung trage, haben Geren, die allermeisten auch einen Rücken und Ärmelschnitt nach Haithabu.

    Für den Übergang von Vendelzeit (Merowingerzeit) zur Wikingerzeit wäre ich da weitaus zurückhaltender und würde mich eher an den früheren Funden orientieren.

    Zum Thema Tunika (und auch Besätze) lohnt sich ein Blick zum sehr umfangreichen Blogpost von Project Forlog: https://sagy.vikingove.cz/en/constructio…edieval-tunics/


    Zur Hose: hier halte ich es wie mit der Tunika/Kleid: Je später, je mehr Beinlinge. :grinning_squinting_face: