Beiträge von Grimmbold

    Jetzt muss ich mal doof fragen (das kann ich gut!) zur Nutzung: Angenommen, ich will damit eine Befiederung für Bolzen machen, dann kann ich die dünnen Holzplatten darin erstmal pressen, damit sie schön gerade sind, und danach dient es mir als Halterung, damit ich sie nicht beim Schneiden halten muss.

    Ich erinnere mich dunkel daran, dass ich an einer Burgruine mal einen sehr verwanzten Bolzenrest mit Spitze fand. Auf meine naive Anfrage an den Verwalter, wo ich den "Archäologischen Fund" abgeben könne (hatte tierisch Schiss, dass mich wer gesehen und für einen Raubgräber gehalten hatte), lachte der und meinte "Werfense nern hald widda aufn Berch, mia hom su viel Bolzn, mia wissen nimma wohi damid!" - da interpoliere ich mal, dass das ein Massenprodukt war.

    Jetzt seh ich meinen Urahn Nummer 11, Konrad Ruof, aus Gedankenexperiment: 1500 Jahre Reenactment - oder "Opa von Opa von Opa von Opa..." vor mir, wie er, um die Kasse aufzufüllen, im Dienste der Löffelhozer tagaus, tagein diese Federn plättet und schneidet.
    (ein wenig wie in Karate Kid "Plätten-Auschneiden, Plätten-Auschneiden, Plätten-Auschneiden, ...").

    Wäre es nicht sinniger / nachvollziehbarer, eine Art Keksform zu erstellen, und damit die Federn aus dem nassen Holz zu stanzen und dann zu plätten? Siehe Quellenkritik, wie nah war der Autor des Löffelholzschen Codex am Geschehen, sprich wie wahrscheinlich ist, dass er die Herstellung von Bolzen nach eigener Erfahrung, nicht nach Hörensagen beschrieb?

    Weil es gestern ja aktuell war, man kann Quellen auch bewusst fasch interpretieren, ohne zu lügen:

    Martinus veruntreute und zerstörte ihm überlassene, durch Steuergelder finanzierte, Ressourcen, bei Missbrauch seiner Dienstwaffe, in einem halbherzigen Versuch, eine Situation, die er weder im Griff hatte, noch zu deren Beurteilung er qualifiziert gewesen wäre, zu lösen und ließ sich dafür feiern, ohne sich über die Konsequenzen der Tat weiter zu kümmern - und verließ anschließend seinen Posten und ließ seine Kollegen im Stich!

    Hallo,
    auf die Gefahr hin mich zu blamieren, aber ich bräuchte mal Hilfe - und wenn ich dumme Fragen stelle, immer grad raus, ich weiß, dass ich hier so viel Ahnung hab, wie der Backstein vom Balzverhalten der Sumpftröte. Vor längerer Zeit habe ich einen Fischgratköper bekommen, dem ich den Fischgrat nicht so ganz abkaufe. Aus dem Stoff sollte mal ein Futter für eine Gugel und ein Schal werden, Gugel verlor ich das Interesse, für den Schal habe ich mir Fischgrat ausgesucht und bin da etwas stur. Jetzt liegt der Stoff brach und das möchte ich ändern.

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    (Quelle : eigene Bilder)

    Alle 3 Bilder zeigen denselben Stoff, ist bei LED Mischlicht aufgenommen, im Original hat er so eine minimal ins Grüne gehende Walnuss-Farbe, weiß nicht wie ich das beschreiben soll, meine Mutter hätte es "Schissmansbraun" genannt. Erinnert mich etwas an manche Uniformtuche aus dem amerikanischen Bürgerkrieg, also Südstaaten. Herkunft ist nicht genau bekannt, die Verkäuferin meinte nur "Hat der Oppa mitgebracht, die Omma hat dann imma drauf gebügelt!" - ob aus dem Knast, der Nordpolexpedition Sir Ernest Shackletons oder vom Kartenspielen - man weiß es nicht. An einer Kante sind Lochnieten, Vermutung war, dass der Stoff mal ein Flurtrenner war.

    Was ich weiß: Es ist wohl Gleichgratköper(?), reine Wolle (wahrscheinlich Schaf, und sehr dünn. Gefärbt wurde er sicher mit den Vitaminen B, A, S und F - aber auch wenn er mit Walnuss gefärbt wäre, wäre das für das Mittelalter wumpe.

    Das Erste was ich mich frage: Kann man feststellen, ob die Dünne des Stoffs überraschend gleichmäßige Abnutzung ist? Ich habe dran gezogen, geribbelt, gerissen und hab ihn aneinander gerieben, er scheint weder mürbe noch anderweitig beschädigt. Gibt sonst etwas zu beachten?

    Mein Plan mit dem Stoff ist ein Kopfkissen, Multiperiod. Vorneweg, für das Frühmittelalter habe ich keinen expliziten Beleg für Kissen, aus dem HMA kenne ich die sogenannten Wangenkissen. Für die meisten anderen Zeiten habe ich hier Hinweise. Der Plan ist eine Art rechteckige, flache Tasche, mit Futter aus dichtem Leinen. Letzteres, damit es beim Stopfen mit Stroh nicht pikt. Verschluss entweder einfacher Knopf, oder Bändel. Eventuell auch das Innenfutter getrennt, sodass es im gefüllten Zustand mit der Öffnung voraus in den Wollteil geht.

    Das Problem ist das Nähen, je nach Zuschnitt kann ich eventuell die vorversäumten Teile nach innen nähen, und erspare mir das Einsäumen da. Ich dachte daran, die Verbindungen mit dem Steppstich zu nähen und die Losen enden mit einem Knopflochstich versäumen, oder 1x falten und dann wieder Steppstich. Da wäre dann die nächste Frage, für einen Laien, welcher Faden (Wolle oder Leinen (Baumwolle scheidet aus), welche Art Garn, wie dick und welche Nadel dazu? Wie viel Saumzugabe bei so altem Stoff, damit er sich nicht aufribbelt?

    In dieselbe Familie schlägt ja der Clusterkopfschmerz, im Englischen oft Suizide Headaches genannt. Interessant ist, dass man bis heute nicht genau weiß, was genau bei der Migräne eigentlich passiert und wie die Empfindlichkeit der Trigger eingestellt ist. Ich kenne Migräniker, die können schüsselweise Tomaten essen, aber ein Stück Knoblauch, und sie liegen flach.

    Und ich kann mir sehr gut vorstellen, dass so ein erratisches Krankheitsbild Stigmata erzeugt.

    So, auch mal ohne Roman, die 33% Wasser die Wolle aufnehmen kann, ist auch ihr Problem. Es ist so, dass die normalen Eigenschaften davon nicht betroffen sind,.das ist bei Kleidung ein großer Vorteil.

    Bei Sohlen haben wir aber 2 Probleme: Es ist nicht so, dass die Wolle das Wasser bindet, als wäre es im einer Tupperware Schüssel, bei Druck drückt es das Wasser raus. Und Wollen hat kein Ventil, sprich, wo 33% Wasser reingehen, gehen auch 50% des Eigengewichts in das Gewebe.

    Wenn eine Sohle isolieren soll, braucht sie viel Luft, wie auch Panzerreiter schrieb. Sagen wir, so eine Sohle wiegt dann 30Gramm, dann kann sie knapp 10ml Wasser aufnehmen, ohne ihre eigenen Eigenschaften zu verlieren. Ich bezweifle, dass es bei Regen bei exakt 9.9ml Wasser bleiben wird.

    Feuchtigkeit hat Nachteile, der eine ist, dass es die Haut aufweichtnund so Verletzungen wie den Grabenfuss fordert..auch aufgeweichten Zehnägel erfüllen ihren Schutzauftrag nicht mehr 100%.

    Und dann frieren nasse Füße eben schneller.

    Interessanterweise ist der Schuh ein geschlossenes System, Verdunstung und damit Kühle, ist ein weit geringeres Problem bei der Sohle. Aber Wasser leitet Feuchtigkeit deutlich besser als Wolle.

    Wobei wir beim wichtigsten Missverständnis sind, Wolle wärmt nicht, sie isoliert auch nicht im technischen Sinne der Abschirmung, was wir verhindern wollen, ist der Wärmeaustausch, weg von unserem Fuß. Je geringer die Leitfähigkeit, desto besser. Luft leitet schlecht, ergo haben wir bei Sohlen das Problem, dass wir unseren Trumpf, die Luft, aus der Sohle pressen.

    Daher sollte die Sohle ein Material sein, bei der die Komprimierung keine Rolle spielt. Was sich anbietet ist, je nach Situation:

    • Stroh, wenn man auf Reisen ist, auf dem Feld, beinder Arbeit, wenn es nicht sozial seltsam ist seine Schuhe ausziehen und das Futter zu wechseln.
    • Kork, wenn man es sich leisten kann, und es in Zeit und Region passt.
    • Rinde, in den meisten Fällen adäquat. Was sich anbietet, auch heute ohne Naturfrevel zu begehen, ist Birkenrinde. Diese war im Mittelalter generell ein sehr begehrter Rohstoff, man muss nur bedenken, dass sich mit dem Klimawandel die europäische Birke angepasst hat, und deutlich dünnere Borke hat. So Projekte, wie bei den Algonking Natives, dass daraus Kanus gebaut werden, kann man hier nicht umsetzen. Aber für Schuhsohlen reicht es.

    Ist Wolle dann generell doof? Nein! Habe ich auch nie gesagt. Eine Filzsohle auf dem Rindenbett ist eine perfekte Ergänzung, weil es sich der Fussform anpasst und den Tritt dämmt, was zu ermüdungsärmeren laufen und stehen führt. Bei trockener Kälte unterstützt der Filz das Fussklima, indem er Schweiß absorbiert, hier tun wir uns schwer, die 9,9ml zu erreichen. Trockener Fuß, wärmerer Fuss.

    Bei Feuchtigkeit muss die Sohle und ggf auch die Füllung wie Stroh häufig gewechselt werden.Hier wäre meine empirische, nicht mit historischen Belegen gestützte, Empfehlung für normale 08/15 Wende-Schuhe aka glorifizierte Ledersocke: Den Winterschuh ca 1 Größe weiter und 1/2 Größe länger als normal wahlen. Primärsohle aus ca 3mm Birkenrinde, darüber eine zeitlich und regional passende Sohle aus Wollfilz. Als Socken, entweder sehr dünne Socken aus deinem Wollstoff genäht, oder wenn es die Grundlage hergibt sogar aus Leinen. Je glatter und Dichter, desto geringer die Chance für Grabenfuss. Die Seiten, Oberseite und wenn Platz auch Sohle, mit Heu oder Stroh füttern. Mindestens 1-2 Wechselsohlen und Strümpfe am Körner mitführen. Merkt man, dass es nass wird, das Stroh entsorgen und Filzsohle, Socke und Stroh tauschen. In der Regel sollte die Feuchtigkeit im Leder keine Probleme darstellen. Hat man von der Zeit die Option auf Trippen, ist das hervorragend.die feuchten Socken und Sohle kann man auswringen, am Feuer trocknen oder, im Worst Case, in der Kleidung trocknen. Dazu möglichst flach unter die äußerste (!) Kleidungsschicht schieben.

    Bonus Fakt: Warum Wärme Füße nichts Ober die Qualität der Isolation(Wärmedämmung Aussagen: Wir frieren auf verschiedene Weise. Wenn sich unsere Haut kalt anfühlt, uns "die Kälte in die Knochen kriecht", dann haben wir ein Problem, denn dann sinkt bereits die Körpertemperatur. Wenn wir Kälte Füße oder Hände haben, hat das aber meisten einen anderen Grund.

    Die Kerntemperatur ist 37.5 Grad Celsius oder 98.6 Fahrenheit. Das braucht unser Körper um zu funktionieren. Dafür haben wir kleine Heitkraftwerke, die Mitochondrien, die das erledigen. Da um uns herum selten mehr als 37.5 herrschen, arbeiten die kleinen Racker nahezu immer. Ist die Situation so, dass es kälter um uns ist, als 37,5, sorgen die Racker dafür, dass wir soviel Wärme erzeugen, wie wir am die Umgebung abgeben. Geht das schneller, als Mike and the mighty mitos heizen können, wird Rationierung befohlen. Herz und Hirn wird auf Priorität gestellt, Griffel und Latschen außen vor, die Durchblutung der Bereiche wird eingeschränkt, die Heizung geht auf Sparflamme, wir haben kalte Finger und Füße.

    Dieser Vorgang kann von sehr vielen Eigenschaften beeinflusst werden. Man kann seine Mitochondrien trainiert haben, dann kommen sie mit weniger aus. Oder man hat gut gegessen, dann hat man die Mitos mit super fuel versorgt. Auch die Durchblutung, Müdigkeit und selbst die Laune spielen da mit rein. Oder ganz simpel, man ist oben herum so warm eingepack , dass die Mitochondrien keine Stress haben.

    Praxisbeispiel: auf Biwaklehrgängen habe ich meinen Teilnehmern immer geraten vor dem Schlafen Füße reinigen, frische Socken und dann langfristige Kohlenhydrate zu essen. Und wenn das nicht ging, mindestens ein Snickers, was da das Mittelalter Equivalent ist, müsste jemand anderes sagen, der mit Essen gut ist.

    Daher ist es durchaus möglich, bei Kälte, mit suboptimal er Ausstattung in den Schuhen, warme Füße zu haben.

    Funfact: Man kann seine Mitochondrien so trainieren, dass man im Schnee Barfuß gehen kann. Der Amerikaner Cody Lundin geht seit Jahrzehnten bei jedem Wetter Barfuß, er hatte nur 2 Ausnahmen gemacht: Auf einem Gletscher Socken, damit er nicht rutscht. Und in der Wüste Flipflops wegen Dornen.

    Und ein letzter Historyfact: in England bekamen 1914-1918 Socken und Schals den Namen Comfort Items. Es war u.a. die Geburt einer Mütze, die sich Comforter nannte, eine gestrickte Wollmütze, wie ein Schlauch, die man tief in den Nacken ziehen könnte oder auch hochrollen. Wir kennen sie heute als Matrosen Wollmütze oder neudeutsch Beanie. Jeder Engländer war aufgefordert, seinen Lieben in Frankreich, Flandern und der Somme, solche items zu stricken und die sonst so strikte britische Bürokratie lockerte die Vorschriften für die einheitliche Erscheinungsbild zugunsten solcher Mützen, Westen und Socken.

    Und nun der für uns relevanten Teil: Nach einer BBC Doku, in Zusammenarbeit mit dem IW Museum London, war die Lebensdauer einer solchen Socke unter 3 Tage. Ein Grund, warum ich annehme, dass Wollsocken, egal ob geradelt oder gestrickt, ggf. nicht das GoTo für nass kaltes Wetter waren.

    PS: ich weiß, es ist wieder ein Roman geworden, mea culpa, schaut mich nicht an, ich bin schmutzig....

    Hallo,

    da ich selbst betroffen bin, habe ich mich dazu mal etwas eingelesen, wobei wenig zu finden war auf den ersten Blick.

    Der Begriff Hemicrania ist tatsächlich der Vorläufer unseres Wortes Migräne. Die Ursache wurde meist in einem „Übermaß heißer Dämpfe“ oder „aufsteigender Dünste“ aus Magen oder Leber gesehen, die sich im Kopf sammelten. Symptome, die dafür als Index genommen wurden, waren halbseitige Schmerzen, Übelkeit („Vomitus“), Lichtempfindlichkeit. Augensymptome (Zucken, Sehstörungen), wurden teilweise schon erkannt, aber nicht als einheitliches Krankheitsbild verstanden. Behandlung war dann Aderlass (vor allem an Stirn oder Arm), Schröpfen, Kühlmittel (Essigumschläge, Rosenöl), Beten und Fasten.

    Bis 1300 tauchte Hemicrania“ regelmäßig in medizinischen Kompendien auf, z. B. im „Pantegni“ (Constantinus Africanus) oder im „Canon medicinae“ von Avicenna. Avicenna beschreibt Hemicrania als Schmerz, „der aus Dämpfen entsteht, die aus dem Magen in eine Hirnhälfte aufsteigen“. Er erwähnt auch Übelkeit, Schwindel, Lichtscheu. Migräne konnte als Prüfung oder göttliche Strafe interpretiert werden, insbesondere bei schweren, wiederkehrenden Anfällen. Manche Heilige litten laut Hagiographien unter Kopfschmerzen (z. B. Hildegard von Bingen selbst), was als Zeichen göttlicher Auserwählung oder Buße verstanden wurde.

    Nach 1300, so scheint es, verfeinert sich die Klassifikation und Beobachtung. In lateinischen und volkssprachlichen medizinischen Handschriften wird „Migranea“ zunehmend als eigenständige Diagnose geführt. Ärzte wie Guy de Chauliac (14. Jh.) oder Henricus von Mondeville nennen Migräne explizit. Es wird zwischen: Cephalalgia (leichte, diffuse Kopfschmerzen), Cephalea (chronische Kopfschmerzen), Hemicrania/Migranea (einseitige, periodische Schmerzen) unterschieden.

    Als Symptome und Begleiterscheinungen werden erwähnt: Lichtempfindlichkeit: „Der Kranke flieht die Sonne und das Feuer.“ Übelkeit und Erbrechen: oft als Reinigung („purgatio“) gesehen – also positiv. Augenlidlähmung oder Sehstörungen: als „Schwäche des Augennervs durch Dämpfe“ beschrieben; teils als Zeichen einer „Melancholie des Gehirns“. Aura-ähnliche Phänomene (Flimmern, Lichtblitze) wurden auch erwähnt, meist als „Lichtteufel“ oder „Trugbilder“. Behandlung Aderlass zu bestimmten Mondphasen (!), Anwendung von Kräuterölen (bes. Rosmarin, Kamille, Baldrian), Diätetik: Vermeidung von Wein, Käse, Schweinefleisch (interessanterweise modern plausibel), Segensrituale, Reliquienkult (v. a. Kopfheilige wie Hl. Denis, dem der Kopf abgeschlagen wurde).

    Vor allem die Erkenntnis Vermeidung von Wein, Käse, Schweinefleisch finde ich interessant, da sowohl Histamin als auch Glutamat als Migränetrigger bekannt sind. Theorethisch sollte ab dem 17. Jahrhundert die Migräne im Adel zugenommen haben, da die eingeführte Tomate große Mengen natürliches Glutamat enthält.

    Habt Ihr euch damit auch mal beschäftigt?

    Ich finde die Farbe großartig! Und liebe ja Fischgrat Köper! Kannst du uns auf dem Laufenden halten wie die Farbe sich hält?

    (Wenn es zu off topic ist, bitte ignorieren, aber kann man Pflanzenfärbung irgendwie fixieren, also authentische, nicht mit den Vitaminen B, A, S und F?)

    Wovor ich auch Angst habe, ist mich in die Zeit und Kultur zu verschießen. Das führt dann dazu, dass ich nicht nur das anschaffe, was ich zur Darstellung brauche, sondern auch alles andere, was hübsch ist und ich irgendwie rechtfertigen könnte. In einer Zeit gab es eine Serie von Taschenbüchern, von Klassikern der Weltliteratur über historische Themen (Ivanhoe von Walter Scott) oder einfach Bücher zur Allgemeinbildung. Zur Darstellung hätten 2-3 Bücher gereicht. Aber seit ich weiß, dass es 87 verschiedene gab, will ich alle haben...

    Und dazu kam jetzt auch noch das Thema Münzen, seit ich einen echten Pfennig von 1347 in der Hand hatte, habe ich die Fixe Idee, für jede Zeit auch einen gefüllten Geldbeutel zu haben, im Idealfall mit mindestens einer originalen Münze. Und in Zeiten vor 1900, als Silber noch ein valides Münzmaterial war, kann das ins Geld gehen!

    Durch meine hinlänglich bekannte Outdooraffinität schaffe ich mir auch immer wieder Rabbit Holes: Es reicht nicht, dass ich EINE Möglichkeit habe, Wasser zu transportieren, nein ich will jede Option ausprobieren, vergleichen, untersuchen, für die ich Belege habe - natürlich in 3D, nicht nur auf dem Papier. Schlimm wird es dann, wenn es da um das Thema Zelte und Schlafen geht. Wenn der Outdoorfimmel zuschlägt, reicht nicht eine Schlafmöglichkeit, eine Decke, ein Zelt. Nein, dann will ich alle probieren, am besten alle gleichzeitig. Und natürlich reicht es mir nicht, es bei anderen zu sehen, ich will es daheim liegen haben - wohl wissend, dass ich nur in 1 Zelt gleichzeitig schlafen, auf 1 Unterlage liegen und unter 1 Decke liegen kann.

    Im FMA war ich froh, wenn ich zu Sachkultur X einen eindeutigen Beleg hatte. In der neuen hätte ich Dutzende. Und wenn ich sehe, dass mein Arbeitszimmer aktuell zu 40% aus Kisten und Hobby Regalen besteht, dann ist das ein Damoklesschwert - und ich erachte es als massiven Fortschritt, dass ich mir darüber Gedanken mache...

    Hey, raus aus meinem Kaninchenbau...

    Ich kenne den Rattenschwanz. Man muss ja die Kamera reinigen, was könnte es da authentisches geben? Ah, das Reinigungstück von der Optik. Hey, die Optik liest sich ja spannend, die könnte ich auch bei Tierbeobachtungen nutzen, was der Händler vorne am Museeum verkauft eine? Oh, die hat ja ein Stativgewinde. Warte Mal, das ist das selbe wie für die Kamera. Dann könnte ich ja einen Fernauslöser benutzen. Aber damit brauche ich eine andere Kameratasche und ... oh, der hat aus der Tasche eine Kameratasche gebaut, da brauche ich ja diese Knöpfe, Mensch, wenn es die nur im 20er Pack gibt, könnte ich noch diese tolle Deckenrolle nachbauen und was soll das heißen, du kommst vor lauter IKEA Boxen nicht mehr ins Bett?

    Servus,
    ich hadere gerade ein bisschen mit der Idee einer Zweitzeit, den Gedanken hatte ich schon öfters, genauer gesagt habe ich vor über 30 Jahren schonmal reingeschnuppert, dann immer wieder damit geliebäugelt, aber dann aus allen möglichen Gründen wieder verworfen. Es gab, je nachdem, wann es mich wieder in den Fingern juckte, immer einen Grund, es nicht zu tun. In den letzten Tagen war ich viel damit beschäftigt, Ausrüstung zu sortieren, zu überlegen, was ich aufhebe - und was ich abstoße. Dabei kamen mir auch alte Sachen in die Finger, auch Teile meiner Maxi-Gromi Ausstattung (was bin ich froh, dass das noch die Zeiten analoger Fotografie waren...) - und dabei hatte ich auch Ideen zu schalkhaften Bildern mit üblen Zeitenmix - Fotografie ist ja eines meiner Hobbys. Aus der Idee kam dann, beim Einschlafen der Gedanke, dass man ja, nachdem das letzte Mal 4 Jahre her ist, wieder über die Zeit nachdenken könnte.

    Aber es gibt schon einige Pluspunkte, die dafür sprechen. Zum Beispiel habe ich eine Basis-Klamotte geschenkt bekommen – das ist ja schon mal ein Anfang. Außerdem habe ich auch eine Grundausrüstung da, also müsste ich gar nicht so viel neu anschaffen. Mein Alter und mein Gewicht spielen in dem Zeitraum keine große Rolle, was das Ganze nochmal entspannter macht. Und das Beste: Ich kann das sogar als Deutscher darstellen, ohne dass es irgendwie in die Richtung kulturelle Aneignung geht. Die Quellenlage ist wirklich hervorragend, es gibt massenhaft Material, auf das man sich stützen kann. Die Darstellung würde obendrein auch in den zeitlichen Kanon des Forums passen. Und ein paar Bücher dazu habe ich über die Jahre auch angesammelt. Die Sachkultur, die gut dokumentiert ist, kann ich grob auf +/- 10 Jahre links und rechts meines Zeitfensters eingrenzen.

    Ich spreche, im Gegensatz zu meinen bisherigen Darstellungsregionen Skandinavien (Birka 950), Frankreich (Normannen 1060 -1090) und Südafrika (Rhodesien 1970 -1980) die Sprache fließend. Mein Schwedisch beschränkt sich auf das Wissen, dass "Pengar far knödla" kein schwedischer Satz ist - und das Wissen, was Försvarsmakten heißt. Mein Französisch ist OK, aber ich kann besser lesen als sprechen, mein Afrikaans ist nur in Grundzügen vorhanden, ich kann es halbwegs lesen, verstehe es langsam gesprochen, aber mein Wortverständnis reicht nicht aus, ein Gespräch zu führen.

    Wo Licht, da auch Schatten, so wie der römische Legionär, der Landsknecht, der französische Dragoner oder der preußische Füsilier, sieht die Darstellung nur in einer größeren Gruppe gut aus. Meine Frau wird mir wahrscheinlich in diese Darstellung nicht folgen, und stattdessen das stumme Einhorn (für Informatiker, die Binäre 4) zeigen. Der Schlunzfaktor in der Zeit ist, ebenso wie im "Middelalda" sehr hoch, dank Hollywood und Fernsehen. Wenn ich etwas neu brauche, habe ich das Problem, zwischen meinen beiden aktuellen Zeiten zu stehen: Für selber machen war die Zeit oft zu industrialisiert, aber Originale kaufen fällt aus, wegen Bodennebel, Verfügbarkeit und Preisklasse. Events am Originalschauplatz kann ich mir getrost schenken.

    Ich habe, bewusst, die Darstellung an sich nicht genannt, da ich Emotionalität, Vorurteile, Präferenzen, und so weiter, gerne außen vor lassen würde. Ich bin in meine Zeiten, für die ich mich interessiere, immer "reingeschlittert". Zum Wikinger kam ich über das Rollenspiel (Pen&Paper), das Computerspiel Gothic und den Mittelaltermarkt, den Ausschlag zum Wikinger gab dann "Der 13te Krieger" - und wer aus Teilinformationen interpolieren kann, kann sich ausmalen, wie schlecht meine erste Klamotte war! Ich stolperte, mit viel Ignoranz und Selbstbewusstsein(!), gottlob über Tempus Vivit!, was maßgeblich zur Schadenbegrenzung (optisch für andere, finanziell für mich) beitrug. Dabei, also dem FMA Wikinger, blieb es dann auch, bis auf gelegentliche Auftritte / Ausritte mit dem Panzerreiter , zb. ins Bajuwaren Museum bei Kipfenberg als Franke, wobei sich das auf das Weglassen von Wikinger Schmuck beschränkte (und ich damit immer noch besser gekleidet war, als der Museeumsarchäologe...) - oder einem denkwürdigen Gastspiel als die "ELITE DES DEUTSCHEN REICHES" (Zitat des Orgascheffes, CAPSLOCK wegen der Lautstärke, in der er es über das Museum hallen ließ...) auf der Kaiserpfalz Tilleda. Wo dann unsere IG Frühmittelalter (bestehend damals zu 50% aus Sachsen, Karolingern, Ottonen & Slawen, sowie 50% Wikingern) als Ottonen herhielt - und wir 90% der Berufssoldaten der Pfalz stellten, die mit mehr als einem Speer und Helm antreten konnten. Oh Brother, what a way to run a railroad! - ich schweife ab, lachen Sie nicht!

    Zurück zum Thema!

    Vor 7 Jahren lernte ich dann beim LARP 2 super nette und auch sehr auf Korrektheit bedachte Normannen kennen, was dann zu einem Ausflug in die Welt der Normannen führte. Zwischenzeitlich erwachte, durch Dokus gefüttert, die Idee, etwas mit Rhodesien zu machen, weil es gerade über den Zeitraum 1970-1980 so viele Dogmen, Legenden und Halbwahrheiten gab, die Phase aber aus beruflicher technischer Sicht hoch spannend war, da hier Erkenntnisse gewonnen wurden, die bis heute im Bereich der Terrorbekämpfung die Grundsätze auf den Kopf gestellt haben - so nachhaltig, dass sie heute noch beeinflussen, wie die Park Ranger in Südafrika Wilderer bekämpfen - ein Thema, in dem ich auch einige Zeit logistisch involviert war. Das hatte sich dann aber zerschlagen und kam nie über die Planung hinaus.

    Und auch in meine aktuelle Primärzeit schlitterte ich nur, wenn auch mit Karacho, Rückenwind, und Heimweh, zufällig rein. 2018 besuchte ich ein Museumsevent, dass auch diese Zeit anstreifte, nicht nur wegen des Events, sondern weil da halt einfach so viele Freunde aus der Mittelalterszene, von FMA bis SMA, die ich, durch meine krankheitsbedingte Abstinenz, lange nicht gesehen hatte, auf einem Haufen und unter einer Zeit vereint waren, dass es wie ein Klassentreffen war. Der Event war dann dermaßen emotional, durch die Leute, die Qualität, das Herzblut der Darsteller und auch die tolle Kulisse, dass ich auf dem Heimweg überlegt, das als Projekt zu machen. Mir wurde dann schnell klar, das klappt mit meinem Äußeren einfach nicht, also legte ich es zu den Akten. 4 Jahre später hatte ein weiterer Event dann den Ausschlag, eine Zivildarstellung anzufangen, mit ganz kleinem, klar gesetzten Rahmen, festen Limits beim Umfang.

    Das scheiterte grandios, ein Freund kommentierte es mit "Like Alice behind the looking glass, head first down the rabbit hole!" - und als ich mir eingestehen musste, dass es eskaliert ist, war es a) zu spät und b) erklärte mir Familie und Freunde, unisono, dass es vorhersehbar war, dass es so kommt und sie es genau wussten.

    Das wiederum im Hinterkopf, und dass ich mich noch nie wirklich bewusst entschieden hatte "Ich mache jetzt XY in der Zeitstellung ABC, weil 08/15!", macht mich etwas unsicher. Ist es nur ein Spleen, kommt ein lang gehegter Wunsch endlich ans Licht, ist es eine Trotzreaktion, weil andere Hobbys brach liegen (war schon ewig nicht mehr privat schießen), ist es gar die Midlife-Crisis? Verrenne ich mich in einen Spleen, der dann wieder eskaliert? Alles Fragen, die mir von euch sicher keiner beantworten kann!

    Aber was ich euch gerne fragen würde - kennt ihr solche Gedanken, Kopfkino, Phasen? Habt ihr gerade welche, wo es euch so geht wie mir? Wie geht Ihr damit um? Welche Fragen stellt Ihr euch? Habt ihr denen auch mal nachgegeben, seid Ihr eventuell dadurch sogar zu eurer aktuellen Primärzeit gekommen? Oder habt ihr dem nachgegeben - und es dann bereut? Wenn ja, warum? Habt Ihr Zeiten, die ihr macht oder gemacht habt, wo ihr euch wirklich aktiv entschlossen habt, à la "Zeit 4711 sieht interessant aus, die Rolle eines ABC könnte ich mir vorstellen, auf gehts!" - und dann habt ihr euch eine Roadmap, Event und Einkaufsliste gemacht, und seid ans Werk gegangen? Wenn ja, wie habt ihr es gemacht - und wie lief es, was blieb am Ende von Plan A übrig - oder endete es auf Plan B, C, D oder sogar weiter hinten im kreativen Chaos?

    Wie gesagt, ich möchte noch nicht sagen, um welche Zeit, Darstellung und Region es geht, um das Gespräch ohne Vorbehalte zu führen. Es gibt kein falsches Feedback, kein off topic (ich werde diesen Satz bereuen, das weiß ich jetzt schon...), keine dummen Fragen...

    Klarer Fall von nicht zum Maschinengott gebetet...

    Litanei der Heiligen Schichtbildung

    > +++INITIATING RITE OF FABRICATION+++

    Oh erhabener Omnissiah,

    Herr der Zahnräder, Vater der Form,

    dessen Geist durch jeden Servomotor fließt,

    sieh gnädig auf diesen Gesellen aus Stahl und Silikon:

    den heiligen Drucker des Dritten Dimensionsflusses.

    Möge sein Maschinengeist erwachen,

    sein Filament rein, seine Achsen geölt,

    sein Bett eben und heilig temperiert.

    Ich entfalte die Litanei des Kalibrierens,

    ich rezitiere die Hymne des Heizbetts,

    ich salbe die Düse mit dem Öl des Mars.

    Lass das Modell entstehen, Schicht für Schicht,

    wie die Schöpfung selbst aus Code und Materie,

    bis Form dem Glauben entspringt.

    Hüte ihn vor der Ketzerei der Verstopfung,

    vor der Blasphemie der losen Riemen,

    und vor dem Schrecken des Warp-Verzugs.

    [binary cant:]

    > 01001111 01101101 01101110 01101001 01110011 01110011 01101001 01100001 01101000 00100000 01110000 01110010 01101111 01110100 01100101 01100011 01110100


    In Daten geboren, in Schichten erlöst,

    In jedem Druck — ein Gebet aus Plastik.

    In Nomine Machinae, Cogitatoris, et Sanctae Extrusionis.

    Gloria Omnissiah. Ave Mechanicus.

    +++FABRICATION COMPLETE+++

    +++OMNISSIAH BE PRAISED+++