Beiträge von Herby

    Spannende Idee. Ich habe mich mit dem Thema noch nie beschäftigt, aber ich würde mal vermuten, dass Dünnbier in die Richtung geht. Der Name klingt für mich, als wäre es mit weitaus weniger Aufwand hergestellt und nicht so lange vergoren. Das Ergebnis stelle ich mir entsprechend süßer (unvollständige Fermentation), saurer (durch Milchsäurefermentation etc., da keine reine Hefe) und dafür weniger alkoholisch (mehr Sauerstoff und nicht-alkoholische Fermentationen) vor.

    Als Dünnbier würde ich verstehen, dass die Stammwürze (also das ausgekochte Malz) mit deutlich mehr Wasser angesetzt wird, als beim "echten" (Stark-)Bier. Der Zuckergehalt ist geringer, die Hefen produzieren weniger Alkohol und du bekommst aus den eingesetzten Zutaten eine größere Menge Bier.

    Das würde insofern Sinn ergeben, als dass die Städte die "Biersteuern" über den Grutverkauf eingezogen haben. Du musstest in vielen Städten die Grut (heute reiner Hopfen, damals eine Kräutermischung aus Hopfen, Gagel, Rosmarin, Wacholder oder weiteren Kräutern) fürs Bierbrauen beim Stadtrat kaufen. Nur damit durfte gebraut werden. Zumindest für Münster und vermutlich auch für Köln und Dortmund war das so.

    Kannst du aus derselben Menge Grut mehr Bier erzeugen, sparst du Geld. Aber das Bier wird dann dünner.

    Die Bierhefe kam gestern per Post an.

    Ich war heut am Wochenmarkt regionale Hirse kaufen und hab den Sud angesetzt.

    Jetzt heisst es warten :smiling_face_with_heart_eyes:

    Wenn das was Bierartiges werden soll, müsste man die Hirse erst Keimen lassen und dann die Keimung über die Darre (Trockung) unterbrechen. Durch die Keimung wird die Stärke im Korn wieder zu (kürzerkettigen) Zuckern verstoffwechselt. Diese Zucker werden dann beim Maischen aus dem (dann Malz genannten) Keimlingsschrot gelöst.

    Wenn du dann den Sud offen stehen lässt, wird die Hefe eher vermehrt. Erst durch den Abschluss von Luft, wird die Hefe auch die gewünschten Stoffe (Alkohol) burch Gärung erzeugen. Bei Anwesenheit von Sauerstoff verdaut die Hefe den Zucker und vermehrt sich.

    Dass alle anderen Kräuter neben dem Hopfen weggelassen werden, ist eine Entwicklung der Neuzeit.

    Das ist weniger eine Entwicklung, sondern staatliche Reglementierung in Form eines Reinheitsgebotes. Ich glaube, Bayern hat da den Anfang gemacht im 15ten Jahrhundert.

    Das bedeutet aber auch, daß das Brauen, was im eigenen Haushalt durch die Hausfrau üblich war, sich als Gewerbe entwickelt hat.

    Als Gewerbe hat sich das schon viel früher entwickelt. Dabei nicht nur das Brauen selbst. Ich empfehle den Artikel, den ich oben verlinkt habe: Bierbrauen wurde zB in Münster über den Verkauf der Zutaten reglementiert und versteuert. Das machst du nicht fürs Heimbrauen. :winking_face: Auch in Einbeck und den großen Städten dürfte das Brauwesen schon recht früh gewerblich betrieben worden sein.

    Herby hat einen neuen Termin erstellt:

    Herby
    19. Februar 2026 um 09:10

    Ich meine mich zu erinnern, dass im früheren Forum mal jemand Dünnbier gebraut hat. Wenn ich das richtig im Kopf habe, war das obergärig gebraut und schmeckte fürchterlich. :grinning_squinting_face: Als Berliner empfehle ich Himbeer- oder Waldmeistersirup. :clinking_beer_mugs:

    So ohne mit Himbeer oder Waldmeister ist das nicht . Das nennt man dann Gruitbier. War schon im Mittelalter bekannt.

    genaugenommen ist das, was wir heute Grutbier nennen, die Urform des Bieres. Dass alle anderen Kräuter neben dem Hopfen weggelassen werden, ist eine Entwicklung der Neuzeit.

    mit dem, was nach dem Maische kochen überbleibt (Trester genannt), soll man ganz gute Brote backen können. Und nach dem Abfüllen des Biers bleibt die Hefe am Boden des Gärbottichs liegen. Die könnte auch ganz gut zum Backen taugen. Abgesehen vom Bier natürlich. Wobei das dann doch besser getrunken wird, als zum Kochen verwendet :winking_face:

    Ich habe gestern ein spannendes Buch gelesen über Ernährung im slawischen Raum.

    Dort stand was von Hirsebier.

    Hat das schon mal jemand getestet. Das muss ähnlich dem Boza sein was es in der Türkei gibt.

    Prinzipiell kann man jede Art von Getreide nehmen, das beim Keimen die Stärke in Zucker aufspaltet. Das müsste sogar mit Erbsen oder Linsen gehen. Was man dann mit der Maische (Malz ausgekocht) macht, ist das spannende. Der Geschmack kommt aus einer Kombi aus Malzgrundlage, Hefestamm und ganz besonders aus den Kräutern, die man beim Maische Kochen verwendet.

    Willst Du das selbst ausprobieren oder bist Du nur der Verkoster? Auf jeden Fall ein spannendes Thema, Bierbrauen in der Darstellung hab ich bisher nur auf Fotos von SpäMi-Belebungen und in einer Barock(?)-Darstellung gesehen...

    Ich beschäftige mich derzeit ein wenig damit. Ein Arbeitskollege ist Hobbybrauer und hat mich aufgrund meines Hobbys danach gefragt. Erst einmal bin ich natürlich Verkoster, durch den Kollegen dann auch Hersteller. Allerdings nicht mit historischem Equipment, sondern mit modernem Braugerät.

    In der Darstellung stelle ich mir das für die Besucher schwierig vor. Die ist entweder sehr theoretisch oder nicht in einer VA machbar.

    Die meisten VA sind 1-2 Tage lang. Da bekommt man entweder das Malzen, das Schroten und Darren, das Maische kochen oder das fertige Bier mit. Jeder der Arbeitsschritte braucht naturgemäß 1-2 Tage und die sind dann auch noch getrennt voneinander. Alles zusammen benötigt in der Regel 2-3 Wochen, die Nachgärung (wenn man die als historisch Belegt annimmt) dann auch noch mal 1-3 Wochen.

    Ich habe mir eine Gürtelschnalle und die zugehörige Zunge mit Zinnnieten befestigt.
    Das hält bisher gut, allerdings ist da auch kaum Kraft auf der Befestigung. Die Nieten sind etwas mehr als 1mm im Durchmesser, einen Rundkopf habe ich mit angegossen, auf der Rückseite habe ich den Stift, wie in „Medieval Chic in Metal“ an einem Fund mit Gürtelresten zu sehen, einfach umgebogen.

    Hallo zusammen,

    ich bin etwas verwundert, dass die Frage hier noch nicht aufkam (oder ist das zu offensichtlich, als das ich es bisher übersehen habe):

    Kennt jemand Braurezepte fürs Spätmittelalter und/oder kann mir Quellen nennen ?

    Herby hat einen neuen Termin erstellt:

    Herby
    27. April 2025 um 14:54

    Zitat

    Zum dritten Mal findet auf und um die Burg Hengebach in Heimbach in der Eifel das Multi-Epochen-Event "Durch die Epochen auf Burg Hengebach" statt. Besucher können Darsteller und Displays von der Antike über Mittelalter und Neuzeit bis in das 20. Jh. erleben.

    Es werden auch noch Darsteller (auch für kommende Veranstaltungen) gesucht. Wer möchte kann sich auch noch bei der Orga unter MirkoMecke@web.de anmelden

    Habe gelesen ( weiss nicht mehr wo) am Mantel sind die wohl auch getragen worden.

    Auf den Umhängetaschen (Pilgertaschen) die der Pilger mit seinem Pilgersegen überreicht bekam war zumindest die Jakobsmuschel wohl üblich:
    https://www.pinterest.de/pin/380202393559486932/

    (Detail von St. Jakobus auf der Jakobusrotunde in Komstanz)

    Und zumindest im 13. Jhdt stellt sich mir sonst auch die Frage, wo tragen weibliche Pilger ihr Pilgerzeichen? Die großen Filzhüte mit denen männliche Pilger typischerweise dargestellt werden fehlen zu dieser Zeit bei weiblichen Pilgern noch vollständig im Bildmaterial.

    Ein Beleg für Pilgerzeichen nicht auf dem Hut und Pilgerin (weiblich) findet sich (fürs 15. Jh.) hier:
    https://www.pinterest.de/pin/813955332658881523/

    Da ist das Wilsnacker Pz auf dem Mantel der Pilgerin aufgenäht

    Memo an mich: die Bilder die ich sammele auch mal genauer ansehen!

    Hallo!

    Danke, ein paar der Bilder kenne ich schon, hab mich gefragt, ob ein 6cm Abzeichen evtl an der Gürteltasche tragbar wäre.

    Das wäre mir nicht bekannt. Ich kenne Pilgerzeichen nur vom Hut, auf kleinen Täfelchen (Fund aus Amsterdam nach Köster oder Antwerpen nach Haasis-Berner) und eingenäht in Büchern (in Koldeweij: Pilgrim Badges Painted in Manuscripts: A North Netherlandish Example)

    Hallo!

    Wo ich das gerade im Kopf habe, weiss jemand ob so ein großes Pilgerzeichen Durchmesse 6cm getragen wurde? Wenn ja, wie und woran?

    Vielleicht hat jemand eine Idee?

    Gruß

    Christoph

    Hallo Rumburaqc
    Pilgerzeichen sieht man zumeist am Hut. Auch die großen Pilgerzeichen wurden dort getragen. In diesem Album auf Pinterest habe ich mal ein paar Bilder zusammengetragen:
    Bilder von Pilgern

    Anhand der Bilder kann man ganz gut erkennen, wie groß manches Pilgerzeichen war. So als Maßstab: Das Zeichen mit den drei Kreisen ist aus Wilsnack und 3 x 3 cm.

    Viele Grüße

    Herby

    Es ist zwar kein Abzeichen im eigentlichen Sinne, aber auch ein Pilgersouvenir, das man bisher noch sehr selten sieht - vielleicht mal eine Idee für die Gebrüder Zinngiesser?
    https://www.britishmuseum.org/collection/object/H_2001-0702-4

    Hallo Katharina,

    sowas haben wir auch schon einmal angedacht. Leider hat der Tag nur 24h. Irgendwann schaffen wir das bestimmt einmal, auch sowas herzustellen. Das ist von der Herstellungsart nämlich ganz spannend.

    Allerdings ist unsere Liste auch schon wieder sehr lang, weil regelmäßig Projekte von der Seite kommen und sich zT auch vorne in der Liste einreihen.

    Liebe Grüße

    Herby