Beiträge von Michael von Windeke

    Also ich habe meine wirkliche Bling-Bling Klamotte, sofern man da als Handwerksmeister von reden kann, habe ich auch eigentlich nur am Display oder beim flanieren an. Wenn ich koche oder sonst wie arbeite werde ich auch ganz schnell zum Knecht in brauner kurzer Cotte. oder hab Unterwäsche an, je nach Temperatur und Anspruch

    Allerdings kann es auch mal sein das ich vom Display kurz was rühre wenn es sonst anbrennt oder so. Gedankenlos kann sowas ja immer mal passieren. Ist dann auch nicht schlimm aber es sollte halt keine Dauerhafte Situation sein.

    Voll aufgerödelt im Gambi macht das überigens auch kein Spasss :smiling_face_with_horns:

    Könntest du das bitte für mich -im Bezug zum Thema Helme- etwas konkretisieren? Ich meine allgemeine Infos zu dieser Schlacht wirst du ja vermutlich im www schon selbst gefunden haben.

    Ja klar :winking_face:

    Ich dachte an eine Zusammenstellung der typischen Helmtypen um diese Zeit welche so in dieser Zusammenstellung in einer hypothetischen Ausgrabung am Ort der Schlacht, so man ihn denn wüsste, zu finden wären.

    Es müsste ja aufgrund der Truppenzusammensetzung vom Hochadel bis hin zu bergischen Bauern, von Kölnern über Brabant bis Luxemburg ein guter Querschnitt abbildbar sein oder?

    Herzlich willkommen mein lieber Leidensgenosse. Nähen ist und bleibt ach, dem Hobby zum Trotz, meine Nemesis.

    Ich kann es aber das dauert lange und macht mir einfach keinen Spass. Daher suche ich auch immer den teuren aber weniger leidvollen Weg und lasse nähen. Wobei ich auch mein Alltagszeug selber mache, nur Sonntagsstaat lasse ich lieber machen.

    Also wie auch immer willkommen hier. Ich hoffe man sieht sich mal, so weit sind wir ja nicht entfernt und außerdem ist unser Südpol weit unter dir :grinning_squinting_face:

    Also unsere ist im Moment sehr schwierig. Letztes Jahr ging es sehr gut sobald Papa Klamotte anhatte wollte se auch. Aber noch wichtiger waren letztes Jahr die größeren Kinder in der Gruppe als Vorbilder.

    Dieses Jahr mit 3 gestaltet sich schon das anprobieren was noch passt als schwierig. Ich hab die Hoffnung dass sich das gibt sobald die erste Veranstaltung wieder losgeht.

    Aber im schlimmsten Fall muss se zivil rumlaufen. Wenn se die einzige im Lager ist die nicht ins Bild passt dauert es maximal 2h bis se sich dann doch umziehen will.

    Ich glaube auch das es grade in jungen Jahren viel vorleben und erleben ist. Sie wollte sich auch Karneval nicht verkleiden, erst im Kindergarten als se die einzige war die nicht verkleidet war fiel bei ihr der Groschen.

    Ansonsten was Kompromisse angeht ist, grade bei Kindern, alles was drunter ist kein Problem. Ansonsten sehe ich bei Mistwetter auch sichtbare Anachronismen als unproblematisch an. Wenn das Kind pinke Gummistiefel trägt ist das offensichtlich notwendig und neuzeitlich.

    Aber nach 30-50 Jahren kann man das auch zur damaligen Zeit erwarten. Aber mit der Einschränkung dass das eben keine Quelle ist sondern eine Interpretation die man auch so bennenen muss.

    Und dann hast du es im Fundgut oder in Zeichnunge, oder .... so wie die Knöpfe, die um 1300 aufkamen...

    Ja Knöpfe sind ein gutes Beispiel dafür. Und Jagdhüte (bzw. die Form) sind eben auch ab 1350 durchaus weit verbreitet. Kommen aber ab der höchsten Adelsschicht nachweislich schon 1245 vor. Das sind erst mal die Fakten die man weiß. Ich finde man kann daraus folgern das um 1288 diese Hutform zumindest bis in den Niederadel oder hohen Bürgerstand vorgedrungen sein kann. Wie gesag, keine sichere Quelle sondern meine Interpretation

    Denn über den Tellerand zu gucken, sich von anderen Regionen beeinflussen lassen, kann sich im Mittelalter der normale Mensch nicht leisten. Das ist der Luxus der Oberschicht.

    Das sehe ich aus einer anderen Perspektive. Du hast sicherlich recht das der "normale" (wobei man sich hier Fragen muss was ist denn normal?) nicht leisten konnte sich von anderen Regionen beeinflussen zu lassen. Aber ich glaube das muss man differenzierter betrachten:

    1,) wie gesagt was ist der normale Mensch? Der (Groß-)Bauer auf dem Feld? Der Handwerker? Der (Fern-)Händler? Die lassen sich sicher alle unterschiedlich (schnell) beeinflussen

    2.) Ein Knecht (im Sinne des von dir vermutlich gemeinten normalen Menschen) lässt sich sicher nicht direkt von Friedrich dem II. beeinflussen. Aber er lässt sich von seinem Lohnherren beeinflussen, dieser von dem niederadeligen und der von dem adeligen....

    Worauf ich raus will ist das man in meinen Augen davon ausgehen kann, dass sich mit der Zeit Modeströme auch in die breite Bevölkerung durchgesetzt haben. Das ist ja heute auch nichts anderes wenn ein Star/Sternchen was neues trägt und es sich nach und nach in der Mode verbreitet. Nur eben heute innerhalb von 2-6 Monaten. Aber nach 30-50 Jahren kann man das auch zur damaligen Zeit erwarten. Aber mit der Einschränkung dass das eben keine Quelle ist sondern eine Interpretation die man auch so bennenen muss.

    Trotz allem weise ich aber eben darauf hin, dass es kein typisches Bild eines „normalen“ Schweden zu der Zeit war.

    Und das ist gleube ich viel wichtiger als alles zu 100% umzusetzen. Man muss zu seinen Kompromissen stehen und diese auch bennen

    Also ich habe es generell mit meiner Darstellung da sehr einfach.

    Ein Wundarzt ist da zum Glück sehr wandelbar was seine Erscheinung angeht, und das sogar historisch belegt. Wundärzte waren generell ja mit und in jeder Bevölkerungsschicht beschäftigt. Natürlich war die Entlohnung eines reisenden Wundarztes der "niedere" Bevölkerungsschichten behandelt hat geringer (auch bei größerer Masse) als bei einem Wundarzt der in fester Anstellung an adeligem Hof war. Das spiegelt sich dann eben auch in Klamotte, Accesoirs oder Hausstand wieder.

    Dementsprechend kann ich als Darsteller aber auch von einfacher (Reise-)Kleidung bis hin zu einem sehr guten Sonntagskleid alles anhaben ohne meine eigentliche Darstellung ändern zu müssen. Das kann ein Schuster z.B. nicht so gut. Natürlich muss es in sich immer stimmig bleiben. Der Gürtel mit der Eisenschnalle geht nicht auf die gefütterte Dreifachgefärbte Cotte, soweit so selbstverständlich. Es kommt aber daher auch oft vor das ich auf einer Veranstaltung oder sogar an einem Tag mal mein Auftreten wechsele.

    Generell habe ich meine Darstellung zwar auf einem guten Handwerksmeister ausgerichtet (weil nix anderes ist ein Wundarzt am Ende) aber ich habe jeweils nach oben und unten noch Luft um mich anzupassen. Ich liebe halt auch gerne mal nen bissl Bling-Bling aber möchte deswegen kein Adel darstellen. Aber ich mache eben auch gern mal den Feuerknecht und/oder stehe in der Küche.

    Also ich denke das sowohl "hohe" als auch "niedere" Darstellungen ihren Reiz haben und auch beide ihre Recherchearbeit in den kleinen Details zeigen.

    Wesshalb soll ein Falkner sich da mehr Freiheiten erlauben können ?

    Der ist wenn es LH betrifft, genau den selben Bedingungen ausgesetzt. Nur ein paar kleine Details sind heute wegen Tierschutzgesetz anders zu handhaben.

    Andere Freiheiten betreffs Klamotten , sind mir nicht bekannt.

    Da hab ich mich blöd ausgedrückt... Ich meine der "normale 08/15 Middelaldamarkt Falkner" hat da mehr Freiheten da der Fokus auf den Vögeln und seiner Darbietung mit denen liegt und nicht auf ihm als Darsteller.

    Ein Falkner der im Bereich oder im eigenen Anspruch LH betreibt hat diese Freiheiten natürlich nicht (abgesehen von juristischen Sachen)

    Innerhalb dessen ist der Spielraum relativ gross

    Ja aber eben wie schon geschrieben nur mit den Grenzen der realistischen Abbildbarkeit und vor allem des dazu stehens wenn es doch eher frei interprettiert ist.

    Oder gehts nur einzig darum Kleiderständer zu sein

    Ja, auf manchen Veranstaltungen geht es auch darum. Auf anderen nicht. Daher finde ich muss man das auch sehen. Ein Falkner der sein Geld damit verdient Falkenjagd zu zeigen kann sich da mehr Freiheiten erlauben was seine Klamotten angeht als ein LH-Darsteller der mit einem Museum einen Vertrag über Geschichtswissenvermittlung hat. Eben alles eine Frage des was und wo und in welchem Kontext. Und halt wie immer die große Frage: Wie geht man damit um.

    Beweis mir doch, dass es das nicht gegeben hat!

    Eben, die Wikinger hatten ja auch schließlich Hörnerhelme... Zeigt ja sogar diese Wicki im Film

    Wichtig ist letztendlich nur, dass man um diese Kompromisse weiss und sie schlüssig erklären kann.

    Dasselbe gilt in meinen Augen auch für das Integrieren von Einzelfunden und Kuriositäten in die Darstellung: kann man machen, wenn man die Verwendung eben dieser Kuriosität für sich schlüssig in seiner Darstellung begründen kan

    Das kann ich nur voll unterschreiben. Ich habe in meinem Display auch Ausnahmefunde bzw. Interpretationen die ohne Erklärung sicher unpassend sind... Aber sie sind immer wieder ein schöner Start in Diskussionen mit Besuchern und haben schon so manch nettes langes Gespräch eingeleitet, das passiert bei nem Wundhaken der nach Fund und Abbildung ist eben so nicht, auch wenn er historisch gesehen richtiger ist.

    Den Punkt: Kann ich die exotische Supersonderausnahme verwenden vs. nicht - insbesondere dann, wenn es alle tun - was legitim ist - diskutieren wir hier zu Hause sehr kontrovers. Ich: NEIN, mein Mann: JA. Da scheiden sich also die Geister.

    So gehts bei uns was das Thema stricken um 1288 angeht..

    Ein "Problem" das uns alle betrifft ist das Klima. Im Mittelalter ist es um einiges kühler gewesen als heute und Wollstoff hat auch im Sommer durchaus Sinn gehabt. Jetzt wo es immer heisser wird im Sommer wo die Veranstaltungen sind ist auch dünner Wollstoff schnell zu heiss. Wir werden je länger je mehr den Kompromiss mit dem Material machen müssen. Ob das jetzt genau nach Quelle und authentisch ist interessiert das Klima nämlich nicht.

    Das finde ich einen sehr interessanten Ansatz über den ich so noch nie nachgedacht habe...

    Wichtig ist für uns nur, das offen und transparent damit umgegangen wird und die Besucher / die Kunden kein falsches Bild vorgespielt wird.

    Amen!!!

    Ich gebe dir das zum Teil Recht. An sich ist es sicherlich viel häufiger anders gewesen als wir es nach unserer heuten Auffassung als "Norm" deklarieren.

    Ich versuche immer das ganze mal aus der zukünftigen Perspektive eines Reenactors 2823 zu sehen der die Zeit vor 800 Jahren erleben will. Mal abgesehen von der für ihn sicherlich deutlich besseren Quellenlage, wird er trotzdem seine liebe Not haben einen Beleg für jede Turnschuhmarke, jede Karosserieform oder jeden Druck/Stick auf einer Kappe zu finden. Und bloß weil man kein Nike Pulli mehr gefunden hat gab es ihn doch auf diesem einen Kaufland-Prospekt der 2788 gefunden wurde im Altpapier eines Haushaltes in Berlin-Neukölln. Also hat man wohl in Berlin Nike-Pullis getragen aber in Bayern immer Lederhosen mit karierten Hemden weil das wurde in München auf der Ausgrabungsstätte Theresienwiese gefunden. Ich denke man versteht was ich meine oder?

    Aber eine ganz andere Frage ist ja, darf ich alles was theoretisch möglich ist ohne weitere Erklärung für eine Darstellung verwenden? Und da sehe ich es anders. Wenn ich es verwenden will muss ich es belegen können oder zumindest ohne 8 Umwege was hätte sein können nachvollziehbar machen.

    Sprich ich habe keinen Fund eines Skalpelles aus 1280-1290, aber die Form war 300v. Chr, 900 n.Chr und 2020 n.Chr mehr oder weniger gleich. Also kann ich daraus eine Interpretation für 1288 machen. Was ich aber nicht kann ist eine Opiumschwamm-Maske aus dem Raum des heutigen Syrien die auf 1390 datiert ist für Mitteldeutschland 1288 nutzen