Vielen Dank für diesen wertvollen Beitrag!
Ich sehe das ganz ähnlich. Wie bei Deiner Einstellung zur Näharbeit, kann man auch bei der Färbung unterschiedlicher Meinung sein. Ob die Färbungen immer so gleichmäßig waren, wie heute die chemisch gefärbten Stoffe, vermag ich nicht abschließend einzuschätzen. Grundsätzlich sollte aber nicht unterschätzt werden, das die Handwerkerinnen und Handwerker der unterschiedlichen Gewerke Fähigkeiten entwickelten, die wir kaum erreichen können. Insbesondere dann nicht, wenn wir das Handwerk nur als Hobby betreiben und vielleicht auch noch mehrere dieser Arbeitsschritte vom Schaf bis zur fertigen Kleidung selber durchführen. Arbeitsteilung ist da wirklich sinnvoll. Ich sehe das in beeindruckender Weise bei denjenigen hier oder in diversen Blogs, die sich auf eine Handwerkskunst spezialisiert haben wie z. B. das Weben oder das Spinnen. Die Ergebnisse sind oft deutlich hochwertiger als die maschinell gefertigten Produkte. Bei gut erhaltenen Textilien treibt es mir mitunter Tränen in die Augen, wenn ich sehe, wie fein und gleichmäßig die Kleidungsstücke gearbeitet sind. Da denke ich z. B. an nadelgebundene Seidenhandschuhe eines Bischofs, der im Dom zu Speyer begraben wurde. Fantastisch! Wenn man nur mal Wollstoff betrachtet, so glaube ich, dass man nicht sehen muss, ob er von Hand oder maschinell gewebt wurde. Daher gehe ich bei Deinem "vorsichtigem nein" mit. Und meiner bescheidenen Erfahrung nach, wird im musealem Bereich auch mitunter "nur mit Wasser gekocht". Es scheint, dass das, was auf dem Papier steht, nicht immer das ist, was tatsächlich getragen wird.
Sechs Wochen Arbeitszeit für ein Kleidungsstück könnte stimmen, wenn man davon ausgeht, dass alle Gewerke professionell ausgeführt werden. Wenn ich nur daran denke, wie lange das Kardieren oder Kämmen von Hand dauert, ist es meiner Meinung nach die Zeit, die man mindestens benötigt - eher mehr.