Beiträge von Christa

    Als Hinweis, damit es nicht untergeht: Rinderfett und Rindernierentalg ist nicht das Selbe.

    Nierentalg ist sehr viel fester, hat die Konsistenz von Wachs, hat einen sehr hohen Schmelzpunkt und schmilzt daher auch im Hochsommer nicht (wenn er bei großer Hitze auch etwas weich wird).

    Man kann ihn nach dem Auslassen in Ziegel gießen, die sich in Stoff gewickelt in einem Keller fast unendlich halten. (Achtung, von Ungeziefer fernhalten.)

    Gut ausgelassen - und natürlich mit einem guten Docht versehen - brennt er gleichmäßig, ohne viel Ruß und fast vollkommen geruchlos.

    Wer sich also Talg zur Herstellung von Beleuchtung kauft, sollte unbedingt Nierenfett verlangen, nicht einfach Rinderfett.

    Und zur Erklärung: der Talg schützt, wie der Name schon sagt, die Eingeweide. Er findet sich nicht nur bei Rindern sondern auch zb bei Schafen oder Pferden.

    In der Küche hat man ihn, gerieben, auch als eine Art Ersatzstoff zu Triebmitteln verwendet - vor allem bei gekochten Teigen. Durch den hohen Schmelzpunkt zerläuft er erst, wenn die restliche Masse bereits fest ist und hinterlässt dadurch kleine Löcher, die die Masse lockerer machen.

    Eine heute noch gebräuchliche, klassische Anwendung ist zb englischer Plumpudding.

    Anmerkung: Diese Verwendung ist mir zur Zeit nur ab dem 17. Jhd. bekannt - frühere Beispiele muss ich noch recherchieren.

    Ich verwende einen simplen Buchenschößling - also nein, der Rocken ist nicht hohl und das wäre mir sonst auch bei keinem Rocken bekannt.

    Ich achte nur darauf, dass die Fasern schön parallel liegen und dann wickel ich meinen Kammzug um den Rocken und binde ihn fest. Der Rocken hat oben ein kleine Astgabel, in der ich das Band zum Festbinden 'verankere' damit nichts wegrutscht. Und dann geht das alles sehr gut ...

    Ich empfehle wärmstens die Homepage von Volker Bach.

    Volker übersetzt deutsche Kochbücher und verwandte Texte des Spätmittelalters und der Frühen Neuzeit ins Englische und ist SEHR gut darin.
    So Einiges davon wurde - meines Wissen nach - noch nie in eine moderne Sprache übertragen. Seine Homepage ist eine wahre Fundgrube.

    Außerdem kocht er auch selbst und setzt die Rezepte um - inklusive Fotos. Auch das ist sehr lesenswert.

    Culina Vetus

    Ich mache hier außerdem ein wenig Werbung für Volker als Autor. Er hat ein hervorragend recherchiertes Kochbuch zur Küche der Landsknechtszeit geschrieben. (Und ja, Zauberfeder ... ich weiß. Aber das Buch ist WIRKLICH gut.)

    Landsknecht-Kochbuch

    Es gibt ein relativ neues Buch zur polnischen Küche.

    Ich muss nur erst nachsehen, wie es heißt.

    Maria Dembinska "Food and Drink in Medieval Poland: Rediscovering a Cuisine of the Past"

    Und Edit: Das Buch selbst ist nicht neu - nur diese Ausgabe. Zum Inhalt gebe ich keine Garantie, weil ich es noch nicht gelesen habe aber es fußt wohl auf jeden Fall auf solider Forschung und die Kritiken aus der Szene sind positiv.

    Die Frage ist doch auch, ob man diese Tücher überhaupt benötigt hat. Um einen Krug oder ein Vorratsgefäß abzudecken gibt es ja Keramikdeckel oder man hat Holzdeckel dafür gemacht.

    Keine Garantie auf Belegbarkeit: Irgendwo hab ich aber mal ein Bild gesehen, wo aber kleine Töpfchen mit so etwas ähnlichen abgedeckt waren. Kann aber auch Pergament gewesen sein. Ich guck mal, ob ich es wiederfinde.

    Ja, es gibt aus dem SpäMi und auch aus der Frührenaissance entsprechende Darstellungen von Töpfchen oder auch Flaschen, die mit ETWAS abgedeckt sind - hauptsächlich aus dem Bereich Apotheke/Medizin. Es ist aber unmöglich zu sagen, was das genau ist - festes Leinen, Pergament/Rohhaut, getrocknete Schweineblase, etc.
    Der einzige, handfeste Beleg wäre da eben schriftlich - und den gibt es, meines Wissens nach, nicht.

    So würde ich das bewerten, ja.

    Ich hab das mal für eine FB-Diskussion mit Niko und Agnes von der IG14 recherchiert.

    Das mit dem Rosmarin war aus dem Menagier de Paris, die anderen beiden weiß ich nicht mehr auswendig.

    Achja, Niko meinte damals noch was wegen Wachstuch für Fenster.

    Wachstücher lassen sich fürs Mittelalter für folgende Verwendung nachweisen:

    Zur Konservierung von Leichen während eines Transports

    Als Altartücher

    Und ein Hinweis zur Verpackung von Rosmarin beim Versand

    Für die Nutzung in der Küche gibt es keine Belege.

    Ha! Heute habe ich ein wenig gefeiert. Eines der zur Zeit am Schwierigsten zu bekommenden Bücher ist der untensehende, kleine Band.

    Ich habe - ohne viel Hoffnung - jetzt einfach mal bei dem herausgebenden Institut in Krems angefragt.

    Da kam dann mal zwei Tage keine Antwort. Dann "Hallo, es tut uns leid, dass wir erst jetzt antworten, aber wir haben die letzten beiden Tage gesucht. Wir waren recht sicher, dass nichts mehr da ist - und dann ist ein einer Ecke noch eines aufgetaucht."

    Jetzt gehört es mir. *freu*

    Ist möglicherweise ein Bild von Text „MEDIUM AEVUM QUOTIDIANUM SONDERBAND IX Daz blch von guter spise (The Book of Good Food) A Study, Edition, and English Translation of the Oldest German Cookbook Melitta Weiss Adamson Krems2000 2000“