Frühlingsfest mit Feldtag (Sonntag, 8. März 2026, 10:00 – 17:00)

Date

Frühlingsfest mit Feldtag

Sun, Mar 8th 2026, 10:00 am – 5:00 pm

Freilichtlabor Lauresham, Im Klosterfeld 6-10, 64653 Lorsch

  • Thoralf Hiltjuson hat einen neuen Termin erstellt:

    Thoralf Hiltjuson
    December 30, 2025 at 3:21 PM

  • Gestern fand im Freilichtlabor "Karolingerzeitlicher Herrenhof Lauresham" die Saisoneröffnung mit Feldtag statt.

    Dieser stand ganz im Zeichen der Landwirtschaft um 800.

    An vielen Stationen auf dem frei erkundbaren Gelände wurde den vielen Besuchern vermittelt, wie das bäuerliche Jahr zur Zeit Karl des Großen aussah, wie die damaligen Menschen ihren Tagesablauf organisierten.

    Wusstet ihr welche Fische es früher in der Weschnitz gab, wie diese mit welchen Geräteschaften gefangen wurden und wie sie für mehrere Tage haltbar gemacht wurden? Kühlschränke gab es noch keine. Das wurde an der Fischerhütte anschaulich erläutert.
    Fun Fact: die damalige Damenwelt legte sehr viel Wert auf das Können der Fischer. Warum? Das könnt ihr bei einem Besuch in Erfahrung bringen.

    Knochen und Horn waren ebenso wie Eisen und Holz wichtige Werkstoffe. Knochenschnitzer und Schmied zeigten wie aus den Rohstoffen Horn und Eisen benötigte Werkzeuge für Haushalt und Landwirtschaft entstanden.

    Ein Haus weiter drehte sich alles um, wie wir heute sagen würden, vegetarische Ernährung. Welche Hülsenfrüchte wurden angebaut, welches Obst, wie wurde es auf lange Zeit konserviert und warum Käse ein wichtiges Nahrungsmittel war wurde ebenfalls anschaulich vermittelt. Warum dort Eicheln eingeweicht und geschält wurden haben einen nicht ganz uninteressanten Hintergrund. Welchen müsst ihr selbst in Erfahrung bringen.

    Auf den angrenzenden Wölbäckern wurde ersichtlich wie wichtig Zugtiere für den Menschen waren. Die ursprünglichste Form der Bodenbearbeitung fand mit der Hacke statt, dann kam der Hakenpflug in Gebrauch und spätestens ab diesem Zeitpunkt war der Mensch auf die Domestizierung von Rind und Pferd als Arbeitstier angewiesen.

    In Lauresham gibt es ausgewiesene Experten, die über die Entwicklung der Landwirtschaft, warum frühe Äcker so aussehen wie es noch heute teilweise in der Landschaft erkennbar sind, die Entwicklung beim Pflug, Aussaat, Ernte und vielem mehr fazinierende Einblicke geben können.

    Mit welchen aufwändigen Arbeitsschritten aus Pflanzen erst Fasern, dann Fäden und daraus Stoff enstand wurde an einer weiteren Station vorgeführt. Natürlich kamen die vergleichsweise einfacher zu verarbeitende Wolle nicht zu kurz. Hier wurde erläutert wie die Wolle vom Schaf als Stoff auf den Menschen kam.

    Innerhalb des Herrenhofes drehte sich alles um vorbereitende Arbeiten für im Frühjahr anfallende Tätigkeiten.

    Aus im Spätherbst geschnittener und gewässerter Weide wurden Körbe geflochten, die für Aufbewahrung und Transport immens wichtig waren. Für die Bienenhaltung entstand das Grundgerüst für einen so genannten Rutenstülper.

    Wusstet ihr, dass die Ablieferung einer bestimmten Menge Bienenwachs zu den Pflichten von Hörigen und Halbfreien gehörte? Wenn man weiss, wie viel Wachs die ursprünglichen Bienenvölker lieferten und etwas rechnet, kann man sich gut vorstellen wie viel mehr Bienen als heute in der Natur unterwegs waren.

    In der Küche des Hörigenhauses wurde vorgeführt wie aus selbst erzeugten Zutaten sättigende und geschmackvolle Mahlzeiten entstanden.

    Im zweiten Hörigenhaus drehte sich alles um Getreide. Hier erfuhren die Besucher welche Getreidesorten angebaut wurden, wie aufwändig Aussaat, Ernte und Trennung des Korns von der Spreu war. Wie das Korn mit einem handbetriebenen Mühlstein zu Mehl wurde konnte ebenso ausprobiert werden.

    Um ein Kilo Mehl für ein Brot zu mahlen, war ein Höriger ungefähr 45 Minuten beschäftigt.

    Im angrenzenden Backhaus konnten die Besuchern erleben wie aus den Grundzutaten Mehl, Wasser und Salz leckere kleine Brote entstanden.

    Mein Fazit: ein rundum gelungener Tag.

    Ich kann jedem, der sich für historische Landwirtschaft interessiert, ein Besuch in Lauresham wärmstens empfehlen. Es ist nicht "nur" ein Gelände auf dem ein paar nachgebaute Gebäude stehen, sondern ein aktives Forschungslabor, in dem alte Techniken mit einem Blick auf das Heute erforscht werden.

    Klimatische Einflüsse, wie wir sie heute leider wieder haben, kannten unsere Vorfahren schon. Sie waren noch mehr als wir davon betroffen. Möglicherweise liegt ein Lösungsansatz für auf uns zukommende Probleme durch sich verändernde klimatische Bedingungen in dem Wissen der Vergangenheit.

    Schaut einfach mal vorbei. Es gibt viel zu entdecken.

    Termine künftiger Veranstaltungen findet ihr hier: https://kalender.kloster-lorsch.de/

  • :expressionless_face:

    Im Alltag genieße ich es, am A.... der Welt zu wohnen,...
    Im Bezug auf solche Veranstaltungen bereue ich es zutiefst. :disappointed_face:

    Danke trotzdem für deinen Bericht.

    "Ned hudln. Des gibt schiache Kinder." :winking_face:

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